Jeder
kennt ihn - den Apokalyptiker, den Abtrünnigen, den Melancholiker
- Jean Baudrillard, französischer Denker, der sich ungern
in allgemeine Charakterisierungen wie Soziologe oder Philosoph
fügt.
Wie
auch in den vorangegangenen Veranstaltungen über das Werk
Michel Foucaults [2002] und das Gilles Deleuzes [2003] stammt
auch in diesem Jahr das Konzept von Peter Gente, Mitbegründer
des Merve Verlags in Berlin, der als einer der ersten die Schriften
des französischen Denkers in sein Programm aufnahm. Gemeinsam
mit Peter Weibel sprach er Einladungen an all diejenigen Personen
aus, die ein besonderes Verhältnis zu den Schriften Baudrillards
haben, sei es aus kritischer Distanz, sei es in theoretischer
Übereinstimmung.
Jean
Baudrillard und die Künste - Eine Hommage zu seinem 75.
Geburtstag
16.
Juli 2004 – 18. Juli 2004
ZKM
Karlsruhe
Jean
Baudrillard wird während des Treffens im ZKM anwesend sein
und am Samstag, den 17.Juli 2004, an einer Podiumsdiskussion
über die moderne Kunst teilnehmen.
»Ich
komme nicht von einer 'Disziplin' her. Ich sage das nicht, um
mich als Amateur oder Dilettant aufzuspielen, es fehlt mir schlicht
an der nötigen Konstanz, um mich einer Disziplin zu unterwerfen.
Ich hatte nie den Mut, die Semiotik gründlich zu studieren,
mich systematisch mit der Psychoanalyse zu befassen. Ich beschäftige
mich damit, aber auf eine frivole Art und Weise«, erklärte
er im Magazin der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«
1989. Die in Zusammenhang mit seinem Namen geläufigste
Vokabel ist wohl das »Simulacrum« geworden, ein
Wort, das der Merve Verlag in Berlin nie versäumte, in
einem vorangestellten Glossar zu erklären.
Am
29.Juli 1929 im französischen Reims geboren begeht Jean
Baudrillard in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag. Er studierte
unter anderem Germanistik und fertigte Übersetzungen von
Werken Bertolt Brechts und Peter Weiss’. Von 1968 an lehrte
er viele Jahre an der Universität Paris-Nanterre das Fach
Soziologie. Sein erstes Buch erschien just in diesem bewegten
Jahr: »Le Système des Objects«, Paris. Unter
dem Titel »Das Ding und das Ich« erschien die deutsche
Übersetzung sechs Jahre später. Es schlossen sich
Texte an, die heute Legende sind wie:
»Kool
Killer oder der Aufstand der Zeichen«, Merve Verlag, Berlin
1978
»Agonie des Realen«, Merve Verlag, Berlin 1978
»Der symbolische Tausch und der Tod«, München
: Matthes und Seitz, 1982
»Die fatalen Strategien«, Matthes und Seitz, München
1991
»Transparenz des Bösen«, Merve Verlag, Berlin
1992
»Amerika«, Matthes und Seitz, München 1995
»Das perfekte Verbrechen«, Matthes und Seitz, München,
1996
»Der unmögliche Tausch«, Merve Verlag, Berlin
2000
»Das System der Dinge«, Campus Verlag, Frankfurt/Main
2001, 2. Auflage
»Der Geist des Terrorismus«, Passagen Verlag, Wien
2002.
Jean
Baudrillard widersetzte sich stets der einfachen Wahrheit, so
wenn er schreibt: »Die Mediatisierung löscht jeden
Hinweis auf Referenz und Wahrheit aus. Deswegen erfasst die
Ununterscheidbarkeit des Wahren und des Falschen alle Bereiche:
den ästhetischen des Kunstwerks, den historischen des Ereignisses
und des Gedächtnisses, den politischen der Handlungen und
der Meinung und selbst den wissenschaftlichen Bereich des Experiments
und des Beweises.« Ideologien, Dogmen, Denkverboten sind
Baudrillard fremd.
Ausgehend
von der allgemeinen Konzeption der Reihe Kunst und Philosophie
soll in Ausstellung und Symposium der maßgebliche Einfluss
von Jean Baudrillard auf die gegenwärtige Kunst und Kultur
veranschaulicht werden.
Das
Programm:
Freitag,
16.07.2004 - Eröffnung
17.15-17.30
: Peter Weibel, Peter Gente :: Einführung
17.30-18.30 : Gianni Vattimo :: Eröffnungsvortrag
18.30-19.15 : Boris Groys
19.00-21.00 : Ausstellungseröffnung
durch Peter Gente. Mit Fotos und Filmdokumenten von Jean Baudrillard,
Tondokumenten, Interviews, Siebdrucken von Andy Warhol, Archiv
des Merve Verlags Berlin, u.a. [Laufzeit bis 12.09.2004]
Samstag,
17.07.2004 - Symposium - Die Referenten sind eingeladen über
das Werk von Jean Baudrillard zu sprechen
10.00-10.45
: Rüdiger Schmitt
10.45-11.30 : François L´Yvonnet
11.30-11.45 : - Pause -
11.45-12.30 : Michaela Ott
12.30-13.15 : Marc Guillaume
13.15-14.15 : - Pause -
14.15-15.00 : Christoph Wulf
15.00-15.45 : Florian Rötzer
15.45-16.00 : - Pause -
16.00-16.45 : Douglas Kellner
16.45-17.30 : Colin Fournier
17.30-18.15 : Michel Régis
18.15-19.00 : - Pause -
19.00 : Podiumsdiskussion
zum Thema »Baudrillard und die Kunst« mit Jean Baudrillard
(Paris), Peter Weibel (Karlsruhe), Johann Gerhard Lischka (Bern),
Christoph Blase (Karlsruhe), Sylvère Lotringer (New York)
21.00-22.00 : Mulitmediavortrag, Chris Kraus
Sonntag,
18.07.2004 -Symposium
10.00-10.45
: Caroline Heinrich
10.45-11.30 : Lesung Gisela Strähle »Das radikale
Denken«
11.30-11.45 : - Pause -
11.45-12.30 : Aurel Schmidt
12.30-13.15 : Mikahail Ryklin
13.15-14.15 : - Pause -
14.15-15.00 : Henri Pierre Jeudy
15.00-15.45 : Mario Perniola
15.45-16.00 : - Pause -
16.00-16.45 : Sylvère Lotringer
16.45-17.30 : Michael Wetzel
17.30-18:15 : Alan Shapiro