Vom
10.-12. Juni fand im Berliner Congress Center zum dritten Mal
die internationale Konferenz WIZARDS OF OS statt. Thema diesmal:
The Future of the Digital Commons.
A.
Konferenz: WOS 03
Digitale
Netzwerke sind der Nährboden, auf dem Gemeinschaftsgüter
entstehen wie zum Beispiel die Freie Software. Seit einigen
Jahren beginnen Gruppen auf der ganzen Welt mit Hilfe neuer
Funktechnologie auch das Netzwerk selbst in eine Allmende zu
verwandeln: es wächst kooperativ, in freier Vereinbarung
unter Gleichen. Neue Technologien beseitigen den Engpass der
Verbreitung von Kulturgütern. Der freie Zugang zum Netz
und zu Information kommt in die Reichweite aller.
Die
Konferenz "Wizards of Operating Systems 3" (WOS 3)
wird von den großen Befreiungsbewegungen im Bereich des
Wissens getragen: Freie Software, freie Netzwerke und Offene
Archive gehören zu den Themen der diesjährigen Konferenz.
Die WOS handelt nicht von Problemen, sondern von Lösungen.
Wikipedia ist so ein Erfolgsbeispiel: Die frei zugängliche
und von allen weiterschreibbare Online-Enzyklopädie hat
dank der Mitarbeit von Hunderttausenden in der ganzen Welt in
nur vier Jahren eine Halbe Million Artikel hervorgebracht. Sie
ist damit nicht nur die umfangreichste Enzyklopädie überhaupt,
sondern kann sich auch in der Qualität mit der kommerziellen
Konkurrenz messen.
Die
Bewegung für freien Zugang zu wissenschaftlichen Forschungsergebnissen
bringt ein Grundprinzip der Wissenschaft zurück: Die kooperative
Überprüfung und Fortschreibung des gemeinsamen Wissensschatzes.
Wie die Freie Software benötigen auch freie Inhalte eine
Lizenz,die diese Freiheiten ausdrückt und absichert. Wir
freuen uns daher ganz besonders, auf der WOS 3 die deutschen
Creative Commons Lizenzen erstmals der Welt vorstellen zu können.
"Das
Prinzip der westlichen Wissenschaft, das Prinzip der Freien
Software und das Prinzip der Nicht-Ausschließung sind
der Entwicklungsweg für das 21. Jahrhundert," schreibt
der New Yorker Rechtprofessor Eben Moglen, der die Keynote auf
der WOS halten wird. Weitere Vortragende auf der WOS 3 sind
Lawrence Lessig, Rechtsprofessor an der Stanford Universität
und Gründer des Creative Commons Projekts, Jimmy Wales,
der Gründer der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia
und Armin Medosch, Autor eines Buches über freie Funknetze.
Während
sich die WOS 1 (1999) ganz der freien Software widmete, ging
dieWOS 2 (2001) der Frage nach der Übertragbarkeit dieses
Erfolgsmodells nach. Die WOS 3 greift diese Themen auf und geht
darüber hinaus, als Forum für eine machtvolle Bewegung
zum Aufbau und Schutz einer digitalen Wissensallmende. Freie
Software war erst der Anfang auf dem Weg zum Reichtum an Wissen
für alle.
B. Ausstellung: Public Library
Begleitend
zur Konferenz fand auch die Ausstellung "Public
Library" statt. Im oberen Foyer des BCC wurden Arbeiten
von acht Künstlern und Künstlergruppen, die sich mit
ihren Werken für einen freiheitlichen Umgang mit Information
und Wissen engagieren, präsentiert. Von den Ur-Formen wie
Situationismus, Mail Art und Plunderphonics bis zur Netz- und
Software-Kunst reicht die Palette der Auseinandersetzung mit
dem Thema von Künstlern wie der Situationistischen Internationale,
Lloyd Dunn, Cornelia Sollfrank, Alvar Freude und Sebastian Lütgert.
Alle gezeigten Arbeiten stehen unter freien Lizenzen oder verzichten
gänzlich auf jedes Copyright.
Vier
der beteiligten Künstler diskutieren mit den Kuratoren
der Ausstellung, Inke
Arns und Florian
Cramer, im Panel "Kunst
und Anticopyright-Aktivismus" über die Entwicklung
der letzten 20 Jahre vom Underground- zum Mainstreamthema: Wie
haben Digitaltechnik und neue Medien Anticopyright-Kunst verändert
oder gar eine neue Kultur entwickelt? Welche individuellen Formen
und Ästhetiken haben sich ausgebildet? Welche Relevanz
wird copyright-kritische Kunst in Zukunft bekommen?
C.
Epilog: Die Berliner Erklärung zu kollektiv verwalteten
Online-Rechten
In einer gemeinsamen Erklärung fordern Urheberrechtswissenschaftler,
Praktiker und Vertreter der Zivilgesellschaft die Europäische
Kommission auf, einen neuartigen Ansatz zu verfolgen, um Urheber
für die Online-Nutzung ihrer Werke zu vergüten. In
der „Berliner
Erklärung zu kollektiv verwalteten Online-Rechten: Kompensation
ohne Kontrolle" bezeichnen sie Digital Rights Management
(DRM) Technologie und die massenhafte Strafverfolgung von Filesharern
als Strategien, die in einer offenen und gerechten Gesellschaft
nicht akzeptabel sind. Sie warnen insbesondere vor DRM-Systemen,
die im vergangenen Jahrzehnt als einzige Lösung von der
Industrie entwickelt und von den Gesetzgebern geschützt
wurden. Nicht nur haben DRMs die in sie gesetzten Erwartungen
nicht erfüllt, sie geben auch Anlass für schwerwiegende
Bedenken in Bezug auf den Schutz der Privatsphäre, Bildung,
Wettbewerb, Forschung und Innovation und neue Formen partizipativer
Kultur.
Stattdessen
fordert die „Berliner Erklärung" eine indirekte
Kompensation, wie sie sich für zulässiges privates
Kopieren seit Jahrzehnten bewährt hat. Nutzer würden
eine Flatrate für das Recht zum Filesharen bezahlen, und
eine neue Online-Verwertungsgesellschaft würde Urheber
und Verlage entsprechend der gemessenen Nutzung ihrer Werke
vergüten. Lawrence Lessig, Rechtsprofessor an der Stanford
Law School, Gründer des Creative Commons Projekts, und
einer der Erstunterzeichner der „Berliner Erklärung",
bezeichnet diese Modell als „Kompensation ohne Kontrolle."
Die
Erklärung, die auf einer Konferenz über die Zukunft
der digitalen Allmende in der vergangenen Woche verfasst worden
war, wurde heute in die Konsultation der Europäischen Kommission
zur kollektiven Rechteverwaltung eingegeben. Die Unterzeichner
und Unterzeichnerinnen bekräftigen die Kommission in ihrem
Bemühen, Verwertungsgesellschaften demokratischer, transparenter
und flexibler zu gestalten. Dazu sagte Lessig: „Gesellschaften
für die kollektive Rechtewahrnehmung sollen den Urhebern
nützen. Urhebern im digitalen Zeitalter eine größere
Wahlfreiheit zu geben, würde sie besser in die Lage versetzen,
ihre Werke zu verwerten."
Die
Initiative kündigte an, dass in kürze europaweit Unterschriften
für die Erklärung gesammelt werden, bis der für
Herbst erwartete Entwurf der EU Richtlinie zur kollektiven Rechteverwaltung
vorliegt. Dr. Volker Grassmuck, Medienforscher an der Humboldt-Universität
zu Berlin und einer der Initiatoren der Erklärung, sagte
dazu: „Die digitale Revolution enthält ein großes
Potential für die Kultur und die Art, wie wir zusammen
arbeiten. Die Freie Software, Wikipedia und Millionen von Werken,
die unter Creative Commons lizenziert sind, zeigen das. Urheberrecht
ist die Hauptform der öffentlichen Regulierung dieses Potentials.
Sie sollte im öffentlichen Interessen erfolgen. Die Erklärung
ermöglicht es europäischen Bürgern, ihren Abgeordneten
zu sagen, dass sie einen Wandel wollen."
Ebenfalls
heute legte eine Koalition der deutschen Zivilgesellschaft der
Bundesregierung eine Stellungnahme vor, in der sie sie gleichermassen
auffordern, DRM zu überdenken und den Weg für eine
Flatrate im Internet zu ebenen. Weiterhin ermutigen die NGOs
die Berliner Gesetzgeber, beim Zweiten Korb der Urheberrechtsreform
die digitale Privatkopieschranke zu bestätigen und durchsetzungsstark
zu machen. Das Forum Informatikerinnen für Frieden und
gesellschaftliche Verantwortung e.V.(FIfF), das Netzwerk Neue
Medien, der Chaos Computer Club, FoeBuD e.V., die Attac AG Wissensallmende
und freier Informationsfluss und privatkopie.net gehören
zu den Initiativen für digitale Bürgerrechte, die
die Stellungnahme unterstützen.