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The GreyAlbum

Von Grau zu Gold und Hände hoch!

     
 

Von Grau zu Gold und Hände hoch! Wer am 24.2.2004 durchs Internet schwirrte, konnte es kaum übersehen, grau regierte das Netz und ein Name kursiert durch alle Zeitungen und Magazine: DJ Danger Mouse. Ziemlich direkt landete man dann auch schon auf greytuesday.org, einer Initiative von Downhill Battle, einer Musik-Aktivisten Gruppe, die es sich zum Ziel gemacht hat gegen Copyright-Einschränkungen und für File-Sharing zu kämpfen.

Aber wie kam es zu der ganzen Grau-Färberei?

Der aus New York stammende Hip-Hop-Produzent Dj Danger Mouse hatte Anfang des Jahres sein Album mit dem Titel "The Grey Album" in einer limitierten Promo-Edition von 3000 Copies auf den Markt gebracht. Der Name kommt nicht von ungefähr, das Album ist eine Hommage, ein Remix und ein geschickter Merge des "White Album" von den Beatles (Sound) und des "Black Album" von Jay-Z (Raps). Das ganze passierte ohne Abklärung der Samples, worin EMI Music welche die Rechte an dem Beatles-Album besitzen eindeutig Diebstahl sah. Die liessen Danger Mouse dann vor zwei Wochen eine Brief über ihr Anwaltsbüro zukommen, allerdings auch ausgewählten Plattenlädenbesitzern und (!) Anbietern auf Ebay, wo sich das Album brennend verkaufte und forderte sie darin auf den Verkauf einzustellen.

Als sich das ganze verbreitete wurde Protest seitens Intellectual-Property-Aktivisten laut, welche darin eine weitere Einschränkung der Rechte von Musikern sahen. Um das ganze zu Verstehen muss man ein wenig weiter zurück in das amerikanische Musik-Copyright gehen. Grundsätzlich ist es Künstlern und Bands erlaubt einen Song einer anderen Band nachzuspielen, zu variieren und aufzunehmen (und das mit dem nachspielen ist hier wörtlich zu verstehen), solange sie eine geringe Gebühr welche Einheitsmässig festgelegt ist dafür bezahlen. Sampling hingegen ist rechtlich immer noch nicht eindeutig geklärt, es fällt seit Ende der 80´er Jahre unter die sogenannte "Compulsory license", welche besagt dass der remixende Künstler mit dem Material "nicht-diskriminierend" sowie "vernünftig" umgeht und dem Rechteinhaber selber für die Samples bezahlt. Allerdings betraf die "Compulsory license" ursprünglich öffentliche Vorführungen wie Radio und Diskos und nicht explizit Sampling. Genau hierin liegt auch schon das Problem, die Musik-Industrie mit ihren Anwälten, ihrer repressiven, lobbyistischen und machtgierigen Politik erweitert einfach den Copyright-Begriff, definiert sich ein Feindbild und zieht in den Kreuzzug. Ob das ganze rechtlich wasserdicht ist oder nicht, interessiert sowieso niemanden, da die Angeklagten niemals auch nur einen Bruchteil des Anwaltsbudgets der Majors haben.

Wenn da nicht der Hip-Hop wäre... denn hier spielt Sampling natürlich ein ganz zentrale Rolle, von Anfang an wurden Beats, Breaks und Hooks gesampelt, geremixt und editiert. Das bestehende Copyright wurde also mehr oder weniger ausgesetzt oder gebeugt, was ganz sicher einer der Gründe dafür ist, dass es im Hip-Hop eine massgebliche Entwicklung im Vergleich zu anderen Genres (die sich mehr an bestehende Gesetze hielten [<--wertefrei, wir wollen die Übertretung von Gesetzen nicht gutheissen] ) gab. Auch Jay-Z hat das "Black Album" als Acapella-Version auf den Markt gebracht, eine Geste die zum Remixen und Dubben einlädt, was auch schon seit jeher auf Hip-Hop-Mixtapes (die sich ja mit dem üblichen Aufdruck "Promo Copy - Not for Sale" durch eine rechtlichen GRAUzone des Copyrights schlängeln) mit Acapellas gemacht wird.

Nachdem also EMI rechtliche Schritte eingeleitet hatte und Danger Mouse mehr oder weniger der Sache entsagt hat, nahmen sich die Musik-Aktivisten von Downhill Battle dem Fall an und organisierten innerhalb weniger Tage den Grey Tuesday. Am 24.2.2004 sollten möglichst viele Sites das Album als mp3-Files hosten oder ihre Seite Grau färben und somit durch gemeinsamem zivilen Ungehorsam gegen die repressive und selbstgefällige Politik der Musik-Industrie protestieren. Dies wiederum wurde seitens EMI durch einen Brief kommentiert und die Antwort liess nicht lange auf sich warten. Durch diverse Mailinglisten sowie durch private Emails und word-o-mouth verbeitete sich das ganze schnell und innerhalb eines Tages hatten sich über 170 Seiten bereit erklärt das Album zum Download anzubieten und hunderte Internetseiten wurden grau eingefärbt, verschiedene Radiostationen in den USA schickten das Album über den Äther und Unterstützung kam unter anderm auch von der Electronic Frontier Foundation und von Lawrence Lessig, dem wahrscheinlich bekanntesten Juristen im Copyright / Copyleft-Zirkus, Professor an der Stanford Law School sowie Chair von Creative Commons, ausserdem wurde die komplette Medienmaschine sehr schnell auf den Grey Tuesday aufmerksam, was sich in Berichten in der New York Times, WIRED und auf MTV sowie vielen anderen manifestierte.

Insgesamt wird geschätzt dass das Album über 100.000 mal heruntergeladen wurde, was zirka ganz genau einer Goldenen Schallplatte gleichkommt (wohlgemerkt: an nur einem Tag!) und nur einmal mehr zu Tage treten lässt was schon länger offensichtlich ist: die Musik-Industrie limitiert mit ihrer reaktionären und egozentrischen Weise Copyright zu benutzen um ihre Interessen und Lobbies zu stärken, sowie die Angst vor Missachtung der selben zu verbeiten, nicht nur kreative Prozesse, sondern auch und letztendlich sich selbst und ihren eigentlichen Existenzzweck: wirtschaftlichen Gewinn (vom Image ganz zu schweigen). Welchem halbwegs intelligenten Manager wäre nicht als allererstes eingefallen den guten Danger Mouse unter Vertrag zu nehmen um mit dem Erlös aus den ganzen verkauften Alben noch mehr Anwälte für noch mehr Briefe an noch mehr Aktivisten anzustellen, denn die wird es hoffentlich brauchen wenn es nicht endlich eine eindeutige Definition des Copyright oder besser ein radikales Umdenken der Musik-Industrie und neue Lizenzmodelle gibt...aber das ist ja was anderes.

PS: ach ja...das Album...wie ist es denn nun?
Super, klare Sache...was das "Grey Album" so innovativ und so kontrovers macht ist eben die Konsequenz mit der Danger Mouse die Beats komplett aus Tracks der alten Beatles macht und den guten Jay-z´s drüber rappen lässt. Nicht umsonst aber trotzdem geil ist das neue Album von Danger Mouse & Jemini "Ghetto Pop Life".

 
     
     

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