Tags?
Scheiße! Die niedrigste Ausdrucksform, seit Menschen
aufgehört haben, in Ecken zu pissen, um ihr Revier
zu markieren. Ausgeführt von Kids, die zu faul sind,
sich ein richtiges Graffiti auszudenken, und die dafür
auch gar keine Zeit haben, weil sie sich den neuen Scheiß
von Nike kaufen müssen und DVDs und Games, und bei
McDonalds rumhängen, Cola trinken nach der Antiglobalisierungsdemo,
denn das wissen die kleinen Vollidioten: Globalisierung
ist echt böse! Darauf noch einen Bigmac.
Aber
wen interessiert es? Das sind Kinder, und wer behauptet,
er sei in der Jugend nicht blöde gewesen, ist entweder
immer noch so dumm wie damals oder sollte dringend mit einem
Therapeuten reden. Ärgerlich wird das hingeschmierte
Zeugnis des aufkeimenden Machos erst durch die Deppen, die
das Kinderspiel zur Kultur veredeln: Galeristen und Sozialarbeiter.
Dabei ist es bei Ersteren zumindest halb verständlich:
Wer heute noch meint, Kunst müsse provozieren, das
Establishment bloßstellen und die Sehgewohnheiten
echt hart in die Mangel nehmen, wer also weiter Kämpfe
der 60er kämpft, wenn nicht der 20er, hat natürlich
irgendwann Probleme, seine Denkfaulheit mit immer neuen
Varianten des ewig Gleichen zu überdecken. Den Gag,
in die Ecke einer Galerie Plastikmüll zu kippen, am
besten Becher von McDonalds, von wegen böse Globalisierung,
will wirklich niemand mehr sehen. Und schon gar nicht den
letzten Trick von Leuten, die überhaupt nichts können:
die Galerie ganz leer lassen, in die Ecke vielleicht eine
Kiste Bier, die Flasche für zehn Euro, denn Geld verdienen
wollen sie alle, und ansonsten behaupten, das sei jetzt
echt provokativ und irgendwie auch links. Quasi. Scheiße.
Nee, das glaubt wirklich keiner mehr. Aber mit ein paar
Tags geht eines Tages vielleicht noch was, wenn man bloß
einen armen Trottel findet, der daraus Kunst macht, einen
Schwachkopf, der in seiner Kunstzeitung behauptet, das sei
der neue Trend, und zehn Idioten mit mehr Geld als Verstand,
die den Müll kaufen. Nein, kein Problem, das Modell
verstehe ich.
Doch
warum lieben Sozialarbeiter und Pädagogen Tags? Ich
denke, aus denselben Motiven, auf denen ihr ganzes Leben
basiert: Denkfaulheit, Selbstüberschätzung und
Selbsthass. Denken interessiert den Sozialpädagogen
grundsätzlich nicht, das ist schon daran erkennbar,
dass er sich am liebsten mit Leu-ten beschäftigt, die
ihm intellektuell unterlegen sind - ein Mensch mit Abitur,
Studium und einem halbverstandenen akademischen Vokabular
trifft tagaus, tagein auf Kinder und Jugendliche ohne Le-benserfahrung,
vor denen er dick tun kann, oder auf Randgruppen, die nie
eine Chance hatten, ihre Intelligenz zu formen, Volksschule,
Lehre abgebrochen, den Tag über Fernsehen, Leute also,
die dem Ich-bin-OK-du-bist-Ok-Quark der 45-jährigen
Berufsjugendlichen sicher nichts entgegen zu setzen haben.
Klar, dass solch eine Alltagserfahrung zu Selbstüberschätzung
führt und dem Glauben, alles zu wissen, etwa über
Globalisierung, aber auch über Menschen und den Sinn
des Lebens. Wenn solche Typen dann irgendwann ein Jugend-
oder Veranstaltungszentrum leiten, kann auch der Durchschnittsdeutsche
ohne Auslandserfahrung mal erleben, was genau eigentlich
Fremdenhass ist: Er muss nur im Anzug und mit Krawatte zu
einem Konzert gehen, die Kids werden ihn kaum beachten,
aber die ABM-Pädagogen werden ihn böse anstarren.
Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass
sie sich selbst hassen und sich in dem Anzugträger
wieder erkennen, denn am Ende steckt in ihnen allen ein
echter Deutscher, der schon auf der Uni dafür gesorgt
hat, dass die Rednerliste ordentlich eingehalten wird, ein
Frauenraum bereit steht und sich die Raucherecke im Keller
hinter dem Heizungskessel befindet. Dazu passt die gute
alte Beamtenmentalität, die dafür sorgt, dass
solche Leute es für selbstverständlich halten,
dass ihr Arbeitsplatz von exakt dem Staat finanziert wird,
den sie voll und ganz ablehnen. Als aufrechte Linke.
Es
gab mal eine Zeit, da war links gleich bedeutend mit progressiv
und auf den Menschen konzentriert. Diese Haltung gibt es
immer noch, nur dass sie heute auch von Heiner Geissler
vertreten wird, und mit dem möchte das, was sich zur
Zeit als links bezeichnet, nichts zu tun haben. Denn gefragt
ist die geschlossene Gesellschaft – eine Arschgesellschaft.
Dafür kurz zwei besonders widerliche Beispiele:
1.
Peta, die Tierrechtsorganisation, stellt auf ihren aktuellen
Plakaten Bilder vom Holocaust gegen Bilder aus Hühnerbatterien
und Tierfabriken. Die Botschaft: Tiere sind wie Juden. Exakt
dasselbe, nur im Umkehrschluss, behaupteten auch die Nazis:
Juden sind wie Tiere. Nun gut, Peta sind reaktionäre
Lebensschützer, ihre Kollegen kämpfen gegen Abtreibung,
sie gegen Tiermord. Nur: Hierzulande gilt das als links.
2.
Die Antideutschen behaupten, die Deutschen seien der Abschaum
der Welt, es sei schade, dass so wenige im zweiten Weltkrieg
gestorben seien, und eigentlich gehören sie ausgerottet.
Es ist leicht, ähnliche Motive wie bei Sozialpädagogen
zu vermuten: Denkfaulheit, Selbstüberschätzung
und Selbsthass. Aber leider geht es hier noch weiter, schließlich
gibt es auch deutsche Juden. So wird an eine deutsche Tradition
angeschlossen, die auf einem anderen Gebiet passend dazu
wieder aufgenom-men werden könnte, denn: Wer ist ein
Deutscher? Reicht es bereits, wenn die Großmutter
Deutsche war? Das muss geregelt werden, und da wurde zum
Glück schon vorgearbeitet - die Nürnberger Rassengesetze
lassen sich sicherlich auch auf Deutsche anwenden.
Angesichts
der dahin schwindenden Linken stellt sich außerdem
die Frage, ob es für die letzten Auto-nomen nicht sinnvoll
wäre, sich mit anderen Randgruppen zu verbinden. Wenn
man sich die Antifa bei ihren Aufmärschen ansieht und
auf der anderen Seite die Neonazis, scheint es, dass da
noch aller-hand geht: Die Nazis verzichten auf ihre Springerstiefel,
die Antifa auf Nazis-Fuck-Off-Aufnäher, und schon können
alle zusammen onanieren, also demonstrieren. Und auch sonst
dürften sich da einige Gemeinsamkeiten finden.
Das
alles wäre ausgesprochen lustig, gäbe es nicht
zwei Haken. Der eine ist klein und persönlich: Möglicherweise
kriege ich demnächst eins aufs Maul von einem dieser
Linken, die ihren Arsch nicht von ihrem Gehirn unterscheiden
können, und zwar zu recht, da gibt es nämlich
keinen Unterschied, denn was die Linke an theoretischen
Defiziten hat, gleicht sie lässig durch Praxis aus
- wer nicht unserer Meinung ist, dem schlagen wir die Fresse
ein. Zumindest so lange er im weitesten Sinne ebenfalls
ein Linker ist, denn Linke sind feige, wenn sie angegriffen
werden, wehren sie sich nicht, und wenn sie angreifen, nur
in der Gruppe - Linke sind gute Opfer für Linke. Rechte
hingegen schlagen zurück, da belässt es der echte
Linke lieber bei Sprechchören. Und weil sich alles
jenseits von links und rechts mit Brüllen, Prügeln,
Pflastersteine Ausgraben und Biertrinken leider nicht klären
lässt, hält sich der Linke da lieber raus, außer
in der Kneipe, wo er für alles eine Lösung hat,
im Zweifelsfall enteignen oder erschießen, und wenn
das kurzfristig nicht geht, einen Strommast ansägen
oder ein Eisenbahngleis. Ist doch egal.
Der
andere Haken ist allerdings viel größer: Es gäbe
was zu tun. Wir leben in beschissenen Zeiten, der Kapitalismus
kollabiert, die traditionellen linken Organisationen und
Parteien irren entweder von einem Sachzwang zum anderen
oder verfolgen eine Politik, die vor 25 Jahren der rechte
Flügel der CDU vertrat, und die Menschen warten auf
Ideen, aber die einzigen, die diese Situation ausnutzen,
sind böse Populisten. Ach Quatsch: Populisten. Denn
für die Linke ist populär an sich böse. Wenn
der Attac-Chef Sven Giegold über die Massenmedien Leute
erreicht, die nicht Bahamas oder Jungle World lesen, darf
er froh sein, dass Linke zu dumm und zu faul sind, Erschießungskommandos
zusammen zu stellen – mit dem Volk will niemand was
zu tun haben. Da kommt wieder der Sozialarbeiter in ihnen
allen hoch, der Bürgerbegehren böse findet, Demokratie
eigentlich auch, und das Beste wäre eine Er-ziehungsdiktatur,
weil man Menschen nicht trauen kann, besonders nicht den
armen Verlierern in den ranzigen Hochhaussiedlungen, den
frustrierten 50-Jährigen ohne Arbeit, den armen Idioten,
denen was von Superstars erzählt wird, ohne dass sie
je ein Star werden könnten, nicht mal vor Aldi, wo
sie billiges Dosenbier saufen und gegen Ausländer hetzen,
weil sie es nicht besser wissen, weil sich niemand die Mühe
macht, mit ihnen zu reden, denn: verlassen die Linken die
Uni, das Ghetto? Niemals! In der beschissenen sozialdemokratischen
Hochhaussiedlung, in der ich meine Kindheit verbracht habe,
kam in den 70ern immerhin noch die DKP, die haben mit uns,
dem sozialen Abschaum geredet, die haben sich um uns gekümmert.
Aber die Reihenhaussozialisten von der PDS? In Hamburg hat
vor einiger Zeit die Parteiführung ihre Basis verklagt,
weil die sie nicht länger ertragen wollte - für
arme Idioten aus der Plattenbausiedlung haben solche neostalinistischen
Drecksäcke selbstverständlich keine Zeit, ist
klar, das muss warten bis zur Machtergreifung, und dann
gehts zackzack in die Umerziehungslager. Ja, so kann es
gehen, man fängt als Antifaschist an und endet als
genau das Gegenteil.
Aber
vielleicht ist das auch gut so. Links war, wie gesagt, immer
progressiv, und vielleicht ist es heute das Progressivste,
simple alte Kategorien und Strategien nicht mehr zu benutzen,
vielleicht ist die Linke auch da vorne gewesen, weil sie
sich abgeschafft hat und nun nur noch von kleinen Jungs
repräsentiert wird, die ihre Hormone ausleben, wenn
sie jung sind mit Tags und Steinen, wenn sie älter
sind mit Theorien und Steinen, und immer ist ein Bier dabei
und nie eine Frau, höchstens mal ein Frauen-körper,
in dem ein Männergehirn auf das nächste Bier wartet.
Aber
eines noch, falls du, der du das liest, dich als Linker
betrachtest, und wie ich genervt bist von dieser kolossalen
Dumpfbackigkeit deiner Kumpels: Vergiss sie! Es gibt genug
Menschen, die jenseits von links und rechts, von dumpfen
Ideologien und grober Arroganz die Welt verbessern wollen.
Die deutsche Linke ist tot, man muss diesem Haufen Dreck
nicht auch noch beim Verrotten zugucken.