REBEL:ART
   

 

TXT_ Peter Lau
Journalist aus Hamburg, arbeitet u.a. für Brand 1


 

Stumpf ist Trumpf

Die so genannte Linke in Deutschland: Ein Haufen Dreck

 
 

Tags? Scheiße! Die niedrigste Ausdrucksform, seit Menschen aufgehört haben, in Ecken zu pissen, um ihr Revier zu markieren. Ausgeführt von Kids, die zu faul sind, sich ein richtiges Graffiti auszudenken, und die dafür auch gar keine Zeit haben, weil sie sich den neuen Scheiß von Nike kaufen müssen und DVDs und Games, und bei McDonalds rumhängen, Cola trinken nach der Antiglobalisierungsdemo, denn das wissen die kleinen Vollidioten: Globalisierung ist echt böse! Darauf noch einen Bigmac.

Aber wen interessiert es? Das sind Kinder, und wer behauptet, er sei in der Jugend nicht blöde gewesen, ist entweder immer noch so dumm wie damals oder sollte dringend mit einem Therapeuten reden. Ärgerlich wird das hingeschmierte Zeugnis des aufkeimenden Machos erst durch die Deppen, die das Kinderspiel zur Kultur veredeln: Galeristen und Sozialarbeiter. Dabei ist es bei Ersteren zumindest halb verständlich: Wer heute noch meint, Kunst müsse provozieren, das Establishment bloßstellen und die Sehgewohnheiten echt hart in die Mangel nehmen, wer also weiter Kämpfe der 60er kämpft, wenn nicht der 20er, hat natürlich irgendwann Probleme, seine Denkfaulheit mit immer neuen Varianten des ewig Gleichen zu überdecken. Den Gag, in die Ecke einer Galerie Plastikmüll zu kippen, am besten Becher von McDonalds, von wegen böse Globalisierung, will wirklich niemand mehr sehen. Und schon gar nicht den letzten Trick von Leuten, die überhaupt nichts können: die Galerie ganz leer lassen, in die Ecke vielleicht eine Kiste Bier, die Flasche für zehn Euro, denn Geld verdienen wollen sie alle, und ansonsten behaupten, das sei jetzt echt provokativ und irgendwie auch links. Quasi. Scheiße. Nee, das glaubt wirklich keiner mehr. Aber mit ein paar Tags geht eines Tages vielleicht noch was, wenn man bloß einen armen Trottel findet, der daraus Kunst macht, einen Schwachkopf, der in seiner Kunstzeitung behauptet, das sei der neue Trend, und zehn Idioten mit mehr Geld als Verstand, die den Müll kaufen. Nein, kein Problem, das Modell verstehe ich.

Doch warum lieben Sozialarbeiter und Pädagogen Tags? Ich denke, aus denselben Motiven, auf denen ihr ganzes Leben basiert: Denkfaulheit, Selbstüberschätzung und Selbsthass. Denken interessiert den Sozialpädagogen grundsätzlich nicht, das ist schon daran erkennbar, dass er sich am liebsten mit Leu-ten beschäftigt, die ihm intellektuell unterlegen sind - ein Mensch mit Abitur, Studium und einem halbverstandenen akademischen Vokabular trifft tagaus, tagein auf Kinder und Jugendliche ohne Le-benserfahrung, vor denen er dick tun kann, oder auf Randgruppen, die nie eine Chance hatten, ihre Intelligenz zu formen, Volksschule, Lehre abgebrochen, den Tag über Fernsehen, Leute also, die dem Ich-bin-OK-du-bist-Ok-Quark der 45-jährigen Berufsjugendlichen sicher nichts entgegen zu setzen haben. Klar, dass solch eine Alltagserfahrung zu Selbstüberschätzung führt und dem Glauben, alles zu wissen, etwa über Globalisierung, aber auch über Menschen und den Sinn des Lebens. Wenn solche Typen dann irgendwann ein Jugend- oder Veranstaltungszentrum leiten, kann auch der Durchschnittsdeutsche ohne Auslandserfahrung mal erleben, was genau eigentlich Fremdenhass ist: Er muss nur im Anzug und mit Krawatte zu einem Konzert gehen, die Kids werden ihn kaum beachten, aber die ABM-Pädagogen werden ihn böse anstarren. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass sie sich selbst hassen und sich in dem Anzugträger wieder erkennen, denn am Ende steckt in ihnen allen ein echter Deutscher, der schon auf der Uni dafür gesorgt hat, dass die Rednerliste ordentlich eingehalten wird, ein Frauenraum bereit steht und sich die Raucherecke im Keller hinter dem Heizungskessel befindet. Dazu passt die gute alte Beamtenmentalität, die dafür sorgt, dass solche Leute es für selbstverständlich halten, dass ihr Arbeitsplatz von exakt dem Staat finanziert wird, den sie voll und ganz ablehnen. Als aufrechte Linke.

Es gab mal eine Zeit, da war links gleich bedeutend mit progressiv und auf den Menschen konzentriert. Diese Haltung gibt es immer noch, nur dass sie heute auch von Heiner Geissler vertreten wird, und mit dem möchte das, was sich zur Zeit als links bezeichnet, nichts zu tun haben. Denn gefragt ist die geschlossene Gesellschaft – eine Arschgesellschaft. Dafür kurz zwei besonders widerliche Beispiele:

1. Peta, die Tierrechtsorganisation, stellt auf ihren aktuellen Plakaten Bilder vom Holocaust gegen Bilder aus Hühnerbatterien und Tierfabriken. Die Botschaft: Tiere sind wie Juden. Exakt dasselbe, nur im Umkehrschluss, behaupteten auch die Nazis: Juden sind wie Tiere. Nun gut, Peta sind reaktionäre Lebensschützer, ihre Kollegen kämpfen gegen Abtreibung, sie gegen Tiermord. Nur: Hierzulande gilt das als links.

2. Die Antideutschen behaupten, die Deutschen seien der Abschaum der Welt, es sei schade, dass so wenige im zweiten Weltkrieg gestorben seien, und eigentlich gehören sie ausgerottet. Es ist leicht, ähnliche Motive wie bei Sozialpädagogen zu vermuten: Denkfaulheit, Selbstüberschätzung und Selbsthass. Aber leider geht es hier noch weiter, schließlich gibt es auch deutsche Juden. So wird an eine deutsche Tradition angeschlossen, die auf einem anderen Gebiet passend dazu wieder aufgenom-men werden könnte, denn: Wer ist ein Deutscher? Reicht es bereits, wenn die Großmutter Deutsche war? Das muss geregelt werden, und da wurde zum Glück schon vorgearbeitet - die Nürnberger Rassengesetze lassen sich sicherlich auch auf Deutsche anwenden.

Angesichts der dahin schwindenden Linken stellt sich außerdem die Frage, ob es für die letzten Auto-nomen nicht sinnvoll wäre, sich mit anderen Randgruppen zu verbinden. Wenn man sich die Antifa bei ihren Aufmärschen ansieht und auf der anderen Seite die Neonazis, scheint es, dass da noch aller-hand geht: Die Nazis verzichten auf ihre Springerstiefel, die Antifa auf Nazis-Fuck-Off-Aufnäher, und schon können alle zusammen onanieren, also demonstrieren. Und auch sonst dürften sich da einige Gemeinsamkeiten finden.

Das alles wäre ausgesprochen lustig, gäbe es nicht zwei Haken. Der eine ist klein und persönlich: Möglicherweise kriege ich demnächst eins aufs Maul von einem dieser Linken, die ihren Arsch nicht von ihrem Gehirn unterscheiden können, und zwar zu recht, da gibt es nämlich keinen Unterschied, denn was die Linke an theoretischen Defiziten hat, gleicht sie lässig durch Praxis aus - wer nicht unserer Meinung ist, dem schlagen wir die Fresse ein. Zumindest so lange er im weitesten Sinne ebenfalls ein Linker ist, denn Linke sind feige, wenn sie angegriffen werden, wehren sie sich nicht, und wenn sie angreifen, nur in der Gruppe - Linke sind gute Opfer für Linke. Rechte hingegen schlagen zurück, da belässt es der echte Linke lieber bei Sprechchören. Und weil sich alles jenseits von links und rechts mit Brüllen, Prügeln, Pflastersteine Ausgraben und Biertrinken leider nicht klären lässt, hält sich der Linke da lieber raus, außer in der Kneipe, wo er für alles eine Lösung hat, im Zweifelsfall enteignen oder erschießen, und wenn das kurzfristig nicht geht, einen Strommast ansägen oder ein Eisenbahngleis. Ist doch egal.

Der andere Haken ist allerdings viel größer: Es gäbe was zu tun. Wir leben in beschissenen Zeiten, der Kapitalismus kollabiert, die traditionellen linken Organisationen und Parteien irren entweder von einem Sachzwang zum anderen oder verfolgen eine Politik, die vor 25 Jahren der rechte Flügel der CDU vertrat, und die Menschen warten auf Ideen, aber die einzigen, die diese Situation ausnutzen, sind böse Populisten. Ach Quatsch: Populisten. Denn für die Linke ist populär an sich böse. Wenn der Attac-Chef Sven Giegold über die Massenmedien Leute erreicht, die nicht Bahamas oder Jungle World lesen, darf er froh sein, dass Linke zu dumm und zu faul sind, Erschießungskommandos zusammen zu stellen – mit dem Volk will niemand was zu tun haben. Da kommt wieder der Sozialarbeiter in ihnen allen hoch, der Bürgerbegehren böse findet, Demokratie eigentlich auch, und das Beste wäre eine Er-ziehungsdiktatur, weil man Menschen nicht trauen kann, besonders nicht den armen Verlierern in den ranzigen Hochhaussiedlungen, den frustrierten 50-Jährigen ohne Arbeit, den armen Idioten, denen was von Superstars erzählt wird, ohne dass sie je ein Star werden könnten, nicht mal vor Aldi, wo sie billiges Dosenbier saufen und gegen Ausländer hetzen, weil sie es nicht besser wissen, weil sich niemand die Mühe macht, mit ihnen zu reden, denn: verlassen die Linken die Uni, das Ghetto? Niemals! In der beschissenen sozialdemokratischen Hochhaussiedlung, in der ich meine Kindheit verbracht habe, kam in den 70ern immerhin noch die DKP, die haben mit uns, dem sozialen Abschaum geredet, die haben sich um uns gekümmert. Aber die Reihenhaussozialisten von der PDS? In Hamburg hat vor einiger Zeit die Parteiführung ihre Basis verklagt, weil die sie nicht länger ertragen wollte - für arme Idioten aus der Plattenbausiedlung haben solche neostalinistischen Drecksäcke selbstverständlich keine Zeit, ist klar, das muss warten bis zur Machtergreifung, und dann gehts zackzack in die Umerziehungslager. Ja, so kann es gehen, man fängt als Antifaschist an und endet als genau das Gegenteil.

Aber vielleicht ist das auch gut so. Links war, wie gesagt, immer progressiv, und vielleicht ist es heute das Progressivste, simple alte Kategorien und Strategien nicht mehr zu benutzen, vielleicht ist die Linke auch da vorne gewesen, weil sie sich abgeschafft hat und nun nur noch von kleinen Jungs repräsentiert wird, die ihre Hormone ausleben, wenn sie jung sind mit Tags und Steinen, wenn sie älter sind mit Theorien und Steinen, und immer ist ein Bier dabei und nie eine Frau, höchstens mal ein Frauen-körper, in dem ein Männergehirn auf das nächste Bier wartet.

Aber eines noch, falls du, der du das liest, dich als Linker betrachtest, und wie ich genervt bist von dieser kolossalen Dumpfbackigkeit deiner Kumpels: Vergiss sie! Es gibt genug Menschen, die jenseits von links und rechts, von dumpfen Ideologien und grober Arroganz die Welt verbessern wollen. Die deutsche Linke ist tot, man muss diesem Haufen Dreck nicht auch noch beim Verrotten zugucken.

 

 
   
   

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