
Doma, Buenos AiresÂ

AEC, Kiew

El Tono, Madrid

Nuria / El Tono, Madrid

Blu, Bologna
Berlin ist arm, aber sexy. Meinte mal Mr. Wowereit. “In Berlin ist es einfacherer Sex zu finden, als nen Job”, erklärte mir vor kurzem ein Freund. Scheint zu stimmen. Laut einer Kondomhersteller-Studie haben Berliner 114 Mal Sex im Jahr. Mehr Höhepunkte hat sonst kein Bundesbürger. Spitze ist aber auch das kulturelle Kapital der Stadt. Auch hier sprüht Berlin förmlich über. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mehr Tags pro Hauswand gibt’s nirgends. Berlin ist unbestritten die Hauptstadt der Street Art-Szene. Den Beweis wollen nächsten Monat gleich zwei Großereignisse antreten: Backjumps – The Live Issue#3 lockt vom 23. Juni bis 19. August 2007 mit ZEVS (Paris), Graffitimuseum (Berlin), Dave the Chimp (England) und den üblichen Berliner Verdächtigen in den Kunstraum Kreuzberg/Bethanien.
Die “Live Issue#2″ hatte im Jahr 2005 über 30.000 Besucher – und zeigte, dass Street Art schon lange kein subkulturelles Phänomen mehr ist, sondern geradezu Mainstream-kompatibel. Fast ein wenig schade, denn die politische und revolutionäre Komponente (Stichwort: Rückeroberung des öffentlichen Raumes, Abenteuerspielplatz Stadt, Kommunikationsguerilla) geht meist verloren, wenn die Hipster mit ihren Baggypants und der Kräuterlimo in der Hand über eine “Ästhetik des urbanen Raumes” palavern.
Vom Konzept her besser gefällt uns das zweite Street Art-Spektakel: “Urbangrassroots: Planet Prozess. Zwischen Raum und Kunst.” Vom 20. Juli bis 11. August werden 40 Künstler (Blu, JR, Doma, El Tono, Point, Oskes, Scheme, Richard Schwarz, Tagtool-Team u.v.m.) aus 12 Nationen 1200 Quadratmeter bespielen (Senatsreservenspeicher, Cuvrystr. 3-4, Berlin Kreuzberg) – und den Innenraum mit dem Außenraum verbinden. “Streetart ist nicht statisch. Und der natürliche Lebensraum von Streetart ist auch nicht die Galerie, sondern der Stadtraum! (“Ja! Es lebe die Straße!“) Das Ausstellungsprojekt „Planet Prozess“ will ein Wegweiser im Umgang mit Straßenkunst sein und helfen, einen Dialog zu schaffen und für die Komplexität der Ausdrucksformen zu sensibilisieren. Alle teilnehmenden Künstler legen besonderen Wert auf die Verbindung von Innen- und Außenraum und entwickeln ihre Arbeiten über drei Wochen hinweg.”
“Einen Monat lang machen wir den ehemaligen Senatsreservenspeicher an der Spree zum Nervenzentrum künstlerischer Prozesse. Der „Planet Prozess“ lädt das Publikum ein, die offene Ausstellung täglich aktiv mitzugestalten, Künstler zu treffen, die einzelnen Phasen des Erschaffens und Kommunizierens selbst zu erleben. Jeder soll ein Gespür für die Vielschichtigkeit von Writing, Graffiti oder andere urbane Ausdrucksformen entwickeln können. Wenn nach 21 Tagen die kreativen Prozesse zum Stillstand kommen, feiern wir deren Ergebnisse, die noch weitere zehn Tage ausgestellt werden, mit einer Blockparty und einer zweiten Vernissage.”


