The Splasher: Die Revolution frisst ihre Kinder
Juli 12th, 2007



“Destroy the museums, in the streets and everywhere.” Das ist das Motto der New Yorker “Splasher. Seit Ende 2006 attackieren sie mit Farbbeuteln die Street Art-Werke von Banksy, Shepard Fairey, Swoon und anderen – aber erst jetzt ist klar, dass sie keine Neider oder naive Radikale sind. Denn vor einigen Wochen haben sie ein 16-seitiges Manifest veröffentlicht – könnt Ihr bei uns als PDF downloaden. Und das Manifest ist wirklich lesenswert und sehr intelligent geschrieben – die Verfasser sind eindeutig dem linksradikalen, anarchistischen & feministischen Spektrum zuzuordnen. Und: Ihre Thesen machen Sinn. Es geht ihnen nicht nur um Street Art, sondern um die Kunst im Allgemeinen. “Die Langeweile, die von den Museen ausgeschieden wird, gleicht zunehmend dem Gestank der Kirchen”. Und damit reihen sich ein, in eine lange Tradition der Kunstzerstörer à la Pierre Pinoncelli, Alexander Brener oder Yuan Cai & Jian Jun Xi. Viele ihrer Anmerkungen sind bei Guy Debord/SI entlehnt. Ihre Destruktion richtet sich gegen Street Art, weil Street Art nichts anderes als Werbung für eine hippe Künstlerkarriere sei, die Kunst verkomme zur Marke und das Stencil zum Logo. “So the idea was to poke a hole in the Picasso night before it goes to auction.” Ein weiterer Punkt ihrer Kritik ist der Effekt der Gentrifizierung: “Street art gives the green light to investors, becomes that repugnant drug of tourism, and speeds the process of gentrification. By making the ghetto “beautiful”, the street artists neatly wipes her hands of any responsibility to examine underlaying social or economic oppressions at play and instead revels in her own mystified vanguardism.” Über die Thesen kann (und sollte man) streiten, aber das Manifest ist auf jeden Fall spannend zu lesen und streut hingebungsvoll Salz in die offenen Wunden der Street Art-Community.

Das gesamte 16-seitige “Splasher”-Manifest als PDF zum Download: Seite 1, Seite 2, Seite 3, Seite 4, Seite 5, Seite 6, Seite 7, Seite 8, Seite 9, Seite 10, Seite 11, Seite 12, Seite 13, Seite 14, Seite 15, Seite 16.
Zwei Anmerkungen:
Seite 1: Der Titel des Manifest “if we did it, this is how it would’ve happened” ist eine Anspielung auf das geplante Buch von O.J. Simpson “If I Did It”, in dem er als “potentieller” Mörder agiert und erzählt, wie er den Mord ausgeführt hatte bzw. was er empfand // das Cover-Bild zeigt ein gesplashed Werk von Obey Giant aka. Shepard Fairey
Seite 15: “capital sucks from the teat of idols”: Die Montage über den Manga-Brüsten zeigt die Köpfe von Marc and Sara, den beiden Bloggern des Woostercollective.
Juli 12th, 2007 at 1:22 pm
klingt sehr interessant. nur eine kleine anmerkung: Seite 2 ist falsch verlinkt, aber an sich ja nicht so tragisch. mit ein weinig logischen verstand kann man sich die url ja denken
Juli 12th, 2007 at 1:27 pm
Good blog! Congratulations!
Juli 12th, 2007 at 1:57 pm
@maybetrue: Danke, haben Seite 2 neu verlinkt!
Juli 14th, 2007 at 1:43 pm
schöner artikel und eine gute zusammenfassung, danke
Juli 15th, 2007 at 11:34 am
gibts das manifest irgendwo auch in leserlich?
Juli 15th, 2007 at 5:42 pm
@sum1: Dieses PDF ist die leserlichste Version, die ich gefunden habe… Am besten: Ausdrucken – dann geht´s schon… Und richtig leserlich gibt´s das Manifest an den Wänden von NY, neben Banksy&Obey&nem Farbkleks…
Juli 18th, 2007 at 6:32 pm
Haben sich die “Splasher” auch darüber Gedanken gemacht, was ist, wenn man ihre Zerstörung/ ihren Schrei nach Aufmerksamkeit eines Tages als Kunst ansieht. Manch einer mag heute schon solch einen Blick auf die von ihnen mit Farbbeuteln zerstörte Straßenkunst haben. Ich weiß nicht, ob diese Form des Protests die Richtige ist.
August 2nd, 2007 at 12:47 am
seh ich auch so, andererseits – welche form des protests wäre die richtige? kann es heute irgend etwas geben, was nicht auch als kunst gesehen und damit entschärft werden kann?
August 3rd, 2007 at 4:40 pm
Und noch mehr Bilder zum Thema gibt’s auf http://www.art-magazin.de/szene/866/krieg_der_farben
August 15th, 2007 at 5:29 pm
so hats hitler auch gemacht..alles zerstören,was nicht seinem weltbild entspricht.man heilt serienmörder auch nicht,indem man alle menschen vor ihm umbringt.die typen haben wirklich nichts verstanden,vor allem nicht was kunst ist…
September 7th, 2007 at 5:03 pm
Hier ein ausführlicher Artikel zu Splasher und der Bezug zur Situationistischen Internationale:
http://unkultur.olifani.de/?p=107
September 6th, 2008 at 6:25 pm
За статью спасибочки, все по делу, достаточно много кто это использует
Januar 11th, 2010 at 9:23 pm
[...] In diesen Betrachtungen ist Streetart positiv konnotiert. Eine New Yorker Künstlergruppe sieht das anders. Neben der Kritik an der Kommerzialsierung, richtet sich der Blick auch auf den Aspekt der Gentrifizierung. In ihrem Manifest schreiben sie: “Street art gives the green light to investors, becomes that repugnant drug of tourism, and speeds the process of gentrification. By making the ghetto “beautiful”, the street artists neatly wipes her hands of any responsibility to examine underlaying social or economic oppressions at play and instead revels in her own mystified vanguardism.” (via rebelart.net) [...]