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Tag Graffiti

EL SCHREIBT ÜBER GRAFFITI #2: “alleine”


Ausstellung: “Berliner Straße”, 2008

In unregelmässigen Abständen schreibt el für rebel:art eine Kolumne zum Thema Graffiti (#1: “Stylewriting und die globale soziale Plastik“):

Es ist eigentlich gar nicht nahe liegend, dass Graffiti, als wandverhafteter Ausdruck, für den Kunstmarkt taugt. Damien Hirst machte aus seinem Haigraffiti, das jetzt ein Edelclubhaus schmückt, eine Zweckentfremdung der Wissenschaft: einen eingelegten Hai, als Konzeptkunst. Die Stuckisten sagten, er hat sogar das Konzept dieser Konzeptkunst geklaut, ich weiß es nicht. Hätte er weiter Tiere an Wände gemalt, hätte er diesen vielleicht ein sozialkritisches Konzept geben sollen, vielleicht Ratten, wie Blek le Rat und Banksy, und vielleicht, mit ganz viel Kontinuität, wäre daraus tatsächlich vermarktbare Wandkunst geworden, die Leute aus der Wand schneiden und verkaufen. Was die Wandbemaler nicht wollen, und was ihnen konkret auch nichts bringt, denn der Kunstraub ist der Gegenschlag des Marktes gegen diese so freie Kunst. Andere erklärten dann 2008 die letzte Stencil-Show, aus und vorbei, angesichts der Vereinnahmung der Form durch die Werbebranche. Doch wenn man mal nicht über die Großen und die Plakativen spekuliert, sondern sich selbst fragt, wie diese triebhafte Praxis sich in geregelte Formen einhegt, dann kommt nicht große Geschichtsschreibung heraus, sondern diese kleine Geschichte:

Alleine. Herum gehen, Schreiben, Drucken, Kleben. Diese Formen zu finden, herauszufinden, dass es etwas gibt, das zu dem passt was man will. Und auf eine wuchernde, offene Bewegung zu stoßen, selbst unsichtbar, sichtbar in ihren Zeichen. Selbst unsichtbar zu werden, im Dunkeln keine Angst mehr zu haben, weil man selbst dunkel wird, aus dem Dunkel hinaussieht. Am Tag Sehen lernen, wieder alleine sein, aber in einer Menge, zu wissen was man gerade tut, fokussieren. Und betrachten können, fokussieren, auf das was andere bewusst getan haben. Hinter einen Namen zurücktreten wie ins Dunkel zurücktreten. Das erste Mal in die vier hellen Wände einer Ausstellung. Beim Tun am Gästebuch betrachtet werden, angesprochen werden. Es verbindet sich. Dein eigenes Buch geben. Das Buch geht herum, es wird voll, Namen treffen Namen.

Wieder angesprochen werden, mit dem Namen, ein bisschen Angst kommt zurück, durch das identifizierbar werden. Sich besser fühlen wenn die Namen andere Namen auf der Wand treffen, ohne dabei angesprochen zu werden, ohne beim Tun betrachtet zu werden. Und dann die Kooperation, sich gemeinsam in der Bewegung bewegen, wenig Ansprache, die richtigen Zeiten finden für das Reden und für das Tun, synchronisieren, Schweigen können, wieder einen schützenden Schatten haben vor der Angst. Nie war es Selbstzweck, sondern genau das, was man selbst wollte. Verfälscht dann dadurch, es nicht allen zu geben, sondern einzelnen. Die Freunde zu drucken, die Namen der Lieben zu schreiben. So viele Einzelne, wie da noch das Schweigen und die Synchronisation, und das Bewegen überblicken, …. , es bewegt sich selbst, es spricht selbst.

Die Gedanken die doch abgeladen waren kommen so oft zurück und drehen ihre Kreise im Selbst, das sich wieder begrenzt und verdichtet. Eigentlich sind es doch Strahlen, die weg wandern. Das Gespräch anzunehmen, die Strahlen wenn sie längst ausgesendet sind wieder aufzunehmen, Worte über Namen zu verlieren, das ist wieder das Gleiche wie das erste Mal darauf angesprochen werden. Und es verbindet sich wieder, das Ausstrahlen reflektiert, es scheint wieder auf das Selbst. Erst auf diesem Rückweg erlangen die Zeichen einen Wert außerhalb ihrer Zeichenhaftigkeit. Im Gespräch erhalten sie ihren Tauschwert. Wieder Erschrecken. Aus dem Tun, in die Szene, auf den Markt.

Homer: “Can Slave”

“Can Slave” von Homer: “This is an ironic video I made for my solo exhibition in Warsaw last fall.” Via: Mail

Freispruch für OZ!

Diesen Aufruf gab´s vor kurzem auch bei Just zu sehen – hier noch mehr Hintergründe zur Aktion: “Liebe Freunde und Bekannte, in Hamburg steht derzeit der 61-jährige Walter F. wegen Graffiti vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen jener OZ zu sein, der in Hamburg an unzähligen Stellen seinen Namen, aber auch Smileys und bunte Muster gemalt hat. Hier ein paar Bildbeispiele (flickr) und ein Artikel aus der Süddeutschen Zeitung. Nachdem er bereits acht Jahre für Graffiti im Gefängnis war, drohen ihm nun zwei weitere Jahre Haft. Das wollen wir nicht zulassen! In den kommenden Tagen soll die Website www.free-oz.org freigeschaltet werden, um Solidaritäts- und Infoaktivitäten rund um diesen Fall zu dokumentieren und eine breitere Öffentlichkeit zu informieren. Außerdem möchten wir klarstellen, dass OZ nicht allein ein Hamburger “Problem” ist, sondern ein Beispiel für die übermäßige Verfolgung von Graffiti und Streetart. Darüber hinaus geht es um die Zukunft unserer Städte als lebenswerte Räume, in denen BewohnerInnen ein individuelles Recht auf Stadt eingeräumt wird. Ein wichtiger Teil der Unterstützungsaktionen ist der Appell “Freispruch für OZ!”, der im im Anhang dieser Mail zu finden ist und der OZ und seine Anwälte im Verfahren unterstützen soll. Für diese Solidaritätserklärung suchen wir schon jetzt, bevor die Website online ist, möglichst viele ErstunterzeichnerInnen (Einzelpersonen, Institutionen, Vereine, etc.) und bitten Sie dabei um Ihre Teilnahme. Wir würden uns freuen, wenn Sie uns schnellstmöglich eine kurze Mail an freiraum.fuer.oz (ät) googlemail..com mit Ihren Daten schicken, die Sie in der bald bundesweit veröffentlichten UnterzeichnerInnen-Liste finden möchten (Name + Ort + ggfs. Institution, Verein; sämtliche Daten werden selbstverständlich nur für diese Aktion benutzt und vertraulich behandelt). Gerne können Sie diese Mail weiterleiten und in Ihren Kreisen um UnterstützerInnen werben (bei Twitter, Facebook usw. einfach “#freeoz” hinter die Nachrichten setzen)! Wir zählen auf Sie, danken für Ihre Aufmerksamkeit und senden bunte Grüße aus Berlin!” Via: Mail, thx!
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Taprik: Picturae 2.0

Virtuelles Sprühen: Picturae 2.0 von Taprik ist so eine Art Photoshop für Sprayer. “Picturae 2.0 is a tangible way to paint virtually. It is inspired by the techniques of drawing, painting, printing, graffiti, … and is built upon a digital process that enables an infinity of features and extensions. The cloth painting is the screen, the brush is a specific can. Sometimes mouse, other times brush, the specific can allows the user to paint or to change or select a parameter of the brush, his size or color. Everything is done on the screen.” Via

Roofs ‘R’ Ours

Die Dächer gehören uns – in Paris, überall. Foto: Romany WG, via.

Klang-Graffiti: Sound Tossing

“Ich arbeite gerade an einem Street-Art Projekt genannt Sound Tossing”, schreibt Reinhard (aka Soundfiti). “Das Projekt Sound Tossing beschäftigt sich mit der Entwicklung einer alternativen Form von Street Art, bei der hauptsächlich mit Klang als subversivem Medium Interventionen im urbanen Raum unternommen werden. In Anlehnung an Shoe Tossing/Shoefiti, das sich alter Schuhe bedient transformiert das Vorhaben gebrauchte Lautsprecherpaare und elektronische Bauelemente zu Werkzeugen der Klangintervention im öffentlichen Raum. / Sound Tossing is an alternative type of electronic street art dedicated to activist, artist and protesters. It is the practice of throwing or hanging audio devices (Sound Tossing Tools) up to overhead wires such as power lines or telephone cables. While Sound Tossing Tools are hanging from overhead wires they generate sounds for subversive urban communication.” Via: Mail, thx!

Free OZ!

Lasst die Finger von OZ – denn wir werden unsere Finger nicht von euren Wänden lassen! In Hamburg läuft seit Februar 2011 ein Prozess gegen OZ. Dreißig einzelne Ermittlungsverfahren werden gebündelt um den 61-jährigen erneut in den Knast zu bringen. Seit 30 Jahren setzt OZ seine Zeichen in Hamburg. Tags, Smileys, riesige Pizzas – in der Hansestadt ist an OZ nicht vorbeizukommen. Doch auch die Ermittlungsbehörden sind ihm am Arsch. 12-köpfige Observationsteams, zahlreiche Verfahren wegen Sachbeschädigung und mittlerweile 8 Jahre Knast kriegen OZ nicht ruhig und das ist gut so! OZ Bildsprache ist anders als die des klassischen Graffitis. Aber er verfolgt mit überzeugender Konsequenz das Ziel, die Stadt bunter, und damit auch im Sinne von Graffiti als urbaner Kommunikationsform, lebenswerter zu machen! Neben guter Öffentlichkeitsarbeit und juristischer Unterstützung braucht OZ den Support der Straße – also vergesst den kleinen King nicht wenn ihr raus geht! Freiheit für OZ!” Via: Mail, danke Kelly!

Und sonst so? : 20. 04. 11


Mobstr.: “Good Colour Match – The buff man is the harshest critic of what is painted on walls. It is time to start criticising back (cose his work ain’t that great).”

* Lange, lange hatte man nichts mehr von ihm gehört – es wurde schon gemunkelt, er habe nun von Street Art endgültig die Schnauze voll. Es wurde geflüstert, er sammle gar nicht mehr, weil die Preise auf dem Kunstmarkt nicht mehr genug Rendite bringen. Manche sagten, er hätte keine Lust mehr, weil er immer wieder von der Szene auf die Mütze bekommt (z.B. bei der letzten, großen Aktion ARTotale in Lüneburg). Nach einer fast einjährigen Verschnaufpause meldet er sich nun wieder zurück: Rik Reinking plant eine neue Ausstellung – und auch diese trägt mal wieder einen endlosen, sinnlosen schrägen Titel: “Street Art – meanwhile in deepest east anglia, thunderbirds were go….“ und findet vom 8. Mai bis 29. September im Von der Heydt Museum Wuppertal statt. Mit dabei – die übliche Clique von Rik: Ash, Herbert Baglione, Boxi, Brad Downey, Ben Eine, Faith47, Boris Hoppek, Mark Jenkins, JR, Os Gemeos, Mirko Reisser (DAIM), Swoon und Zezao. Welcome back, Rik – ich bin gespannt…

* Aram Bartholl erklärt: “How to make your own MoMA-Pass

* Gehsteig-Guerrilleros erklären: “How to build a bench

* Ausstellungsprojekt zwischen Performance, Tanz und Choreographie: “Rehearsing Collectivity – Choreography Beyond Dance“, mit Libia Castro & Ólafur Ólafsson, Nina Dick, Aldo Giannotti, Ingrid Hora, San Keller, Michael Koch, David Levine, Ligna, Liquid Loft/Chris Haring, Roman Ondák, Cesare Pietroiusti, Olivia Plender, vom 28. April bis 6. Mai, Tanzfabrik in den Uferstudios, Uferstr.23, Berlin. Via: Mail

* Schönes Buchprojekt: “Collaborative Futures, book about free collaboration written collaboratively over five days during the 2010 Transmediale Festival, locked six writers and one programmer in a Berlin hotel room to collaboratively write a book about the future of free collaboration; the authors started with only the title, and ended the week with a book.”

* Neues von der Spaziergangsforschung: “Talk Walks (PDF) sind informative und quer gebürstete “Talk-Shows in Fortbewegung”. Diese Reihe urbaner Spaziergänge führen in wenig beachtete Zonen der Stadt oder aber vermitteln bekannte Orte aus vielschichtiger Perspektive. Jeweils ein Talk-Gast aus Leipzig und ein Gast von Auswärts begleiten und kommentieren die von Bertram Weisshaar vorbereiteten Spaziergänge.. In einer stets anschließenden, etwa halbstündigen Talk-Runde werden die Beobachtungen entlang der zurückgelegten Route und die jeweils aufgesuchte Zone besprochen und dabei durchaus auch kritisch hinterfragt.” Via: Mail

* Oh, ein Street-Art-Manifest: “In reference to the Art in the Streets show on now at MOCA in LA, the Black Socks movement sent out the above image with the following statement: 1_ Art in the streets isn’t domestication of artists… it’s freedom for artists. 2_ Art in the streets isn’t people manipulation… it’s an approach to people. 3_ Art in the streets isn’t city decoration… ..it’s a reflection about cities. 4_ Art in the streets isn’t governments advertising… it’s a criticism about how governments are doing. 5_Art in the streets isn’t market speculation… it’s free, for all the people! 6_Art in the streets isn’t art on museums, nor art on galleries, nor Street Art… it’s just art in the streets. It’s false that Street Art has turned street into a museum… Street Art has turned street into an amusement park! Sugar free cities!”

* Die Stinkstiefel der Writer – fotografiert von Ozkar. Via

* Vom Fake-Account zum Arbeitsvertrag: “Mit diesen Zwei twittert man besser

* “Tweet Land is an interesting new platform for video games that are able to interact with real-time happenings on Twitter. The arcade-like game-play integrates things and situations people in your social network tweet about.” Via

* Neue Freunde: Mark Zuckerberg & Alfred E. Neuman – auf dem Cover der neuen MAD-Ausgabe. Via

Ritsche, Zast & Marien: “The Garten” feat. Julyen Hamilton

Wow, was für ein Dreamteam: Der neue Film von Ritsche, Zast & Marien feat. Julyen Hamilton – und produziert von Mischa Leinkauf bei ARTE Creative. Und wer den Film “The Message” noch nicht kennt – unbedingt auch noch anschauen: “Dieser Film zeigt einen Spaziergang von Ritsche, Zast & Marien in luftiger Höhe – entlang eines Rohres, dass oberhalb der Berliner S-Bahn verläuft. Die Künstler dazu: Manche Leute lieben es, zu spielen: an einem Ort ihrer Wahl, zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl.”

Serie: El schreibt über Graffiti #1

Und noch eine neue Serie: In unregelmässigen Abständen schreibt el für rebel:art eine Kolumne zum Thema Graffiti. Um Kommentare und eine hitzige Diskussionen wird ausdrücklich gebeten…

Vandal Café #3 mit SCUM a.k.a. Der Tote General – “STYLEWRITING und die GLOBALE SOZIALE PLASTIK”

Ich kam ein bisschen zu spät, aber das hat für diesen Text den Vorteil, dass er sich nur zur Hälfte aus meiner Teilnahme speist, und zur anderen Hälfte aus den Gesprächen über den Vortrag.

Ich komme also abgehetzt im Cafe Wendel an und sehe diesen toll verkleideten Typen, vor einer Graffiti-Wand. Der erzählt, dass die Gewalt der Welt in künstlerische Konflikte umgeleitet werden muss. Dass er ein bisschen wie ein Waldorf-Lehrer klingt, liegt vielleicht auch daran, dass er selbst auf einer Waldorfschule war. Im Verlauf des Vortrages macht er sich auch zum Verfechter von Waldorfpädagogik und der politischen Forderung des bedingungslosen Grundeinkommens. Für mich war das fast so etwas wie ein trauriges Fazit des Vortrags: Graffiti als Gewalttherapie und Grundeinkommen als Optimierung der Gesellschaft.

Bei der Vorstellung der Kanalisierung von Konflikten geht es in etwa darum, nicht mehr, wie in dunklen Zeiten qua Geburt oder gewonnener kriegerischer Auseinandersetzung ein König zu werden, sondern heute wird einfach geübt und geübt und am Ende bist du King. Zum Beispiel in der Buchstabengestaltung. Damit das nicht klingt wie die Sozialisierungsprogramme des legalen Writings, wo die kriminellen Sprüher ermuntert werden, ihr Talent in bare Münze zu verwandeln, zum Beispiel durch Malaufträge oder Gebrauchsgrafik, macht er es rein zum therapeutischen Programm, ohne lukrative Aussichten. Ganz als bräuchte die schwer erklärbare und so oft unsichtbare Gewalt nur endlich einen sichtbaren Zweck um sich in Wohlgefallen aufzulösen.

Die Vorstellung einer zweck- und sinnfreien Gewalttätigkeit heutiger Gesellschaft wird dem Vortragenden nur insofern unterstellt, als dass sie sich aus seiner Darstellung ableitet. Das Kunststück möge gelingen: Gewalt ventilisieren durch Style-Battle, wirtschaftlichen Druck abfedern durch Grundeinkommen? Funktionieren würde das natürlich eh nur für arme Menschen, müsste man zynisch anmerken, denn Beats not Bombs interessiert als Motto nur Menschen, die sich keine Bomben zum Durchsetzen von Interesse leisten kšnnen. Doch auch ganz ernsthaft: die Vorstellung eines Grundeinkommens als sozialen und ökonomischen Allheilmittels mag sich wem der Geschmack nach so etwas steht zu eigen machen, doch die Kunst derart zur sozialtherapeutischen Methode zu degradieren, dagegen verwehre ich mich, als Anhänger der Kunst und ihrer autonomen Ästhetik.

Auf den ausliegenden Zetteln steht unter der Überschrift “Die Globale Soziale Plastik” in drei Spalten:
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit
Geist, Seele, Körper
Bildung, Recht, Handeln
Denken, Fühlen, Wollen
Kopf, Brust, Bauch
Feuer, Luft, Wasser
Krone, Stamm, Wurzel

Konkurrenz gibt es in der Sozialen Plastik also nicht, genauso wenig wie Arbeit. Die Leute sind einfach Körper, gleich, frei und brüderlich, die etwas wollen, die mit der Seele etwas fühlen, und mit etwas Bildung den Geist zum Denken bringen. So fasse ich ein Schema zusammen, das sicher selbst eine größere Vorstellung zusammenfasst. Ich will diese Abstraktionen nicht weiter bemühen, es würde dem Gedanken dahinter wahrscheinlich nicht gerecht. Was jedoch hervortritt, wenn wir uns diese Begriffe vorhalten, ist dass sie wohl eine idealisierte Kultur der Harmonie beschreiben sollen. In diesen Ansichten ist Graffiti keine rebellische, riskante, unangepasste und oft auch sehr fetischisierte und traditionsverpflichtete Subkultur, sondern wird in diese Harmonie als soziales Überdruckventil eingebaut. Die Kunst wird nur scheinbar politisch betrachtet, am Ende wird sie unpolitisch, die Konflikte in ihr werden als Mittel zur sozialen Befriedung verstanden, das Ende der Geschichte ist da, es muss nurnoch für Ruhe gesorgt werden… Das wäre eine traurige Vorstellung, und ich hoffe dass derartiges Graffiti nur an Waldorfschulen stattfindet, und dass echtes Graffiti eine stadtgestaltende Jugend- bzw. Subkultur bleibt, und sich in vielfältigste Formen weiterentwickelt (was es ja bereits und beständig tut). Und dass das soziale Prinzip der Kooperation und Kollektivität, wie es in den Crews und Szenen, unterschiedlichste kulturelle Tätigkeiten vereinend, an der Tagesordnung steht, in die Gesellschaft wirkt und sich ausweitet. Statt sich umgekehrt von einer zur Natur des Menschen erklärten Konkurrenzkultur der Industriekultur bzw. Kulturindustrie vereinnahmen zu lassen.