Sprinkle Brigade, 2005-2006

Endlich! Nach Monaten der Ungewissheit: Ein Lebenszeichen. Suri (sanskrit für »Sonne«, »Priester«; japanisch für »Taschendieb«) Cruise, die Tochter von Katie Holmes und Tom Cruise, das Phantom, die kleine, große Unbekannte, die Mediengeburt des Jahres (neben Shiloh Nouvel Jolie-Pitt) – Suri lebt. Seit Monaten giert die Öffentlichkeit nach Bildern, lechzt Gerüchten und Klatschgeschichten hinterher. Und dann so etwas: welch ein Frevel, welch ein Skandal. Statt einem lächelnden Baby in den Armen der glücklichen Mutter bekommt der Medien-Mob ein Häufchen Kot zu sehen. Welch gelungener Kunst-Coup!

 

US-Künstler Daniel Edwards, der bereits mit seiner nackten, gebärenden Britney Spears-Skulptur für Aufsehen sorgte, hat mit »First Poop« erneut einen grellen Kommentar in Bronze erschaffen. »Die modernen Massenmedien schenken den Exkrementen eines Promis mehr Aufmerksamkeit als Hungersnöte, Gesundheitskrisen und Gesellschaftsprobleme«, so Edwards. Ja! Aber, scheiße, woran liegt das? Warum hat Kot mehr Entertainment-Potential? Das Suri-Häufchen wird so zum Spiegel einer Spektakel-Gesellschaft und setzt dem Promi-Kult ein kleines, stinkendes Denkmal. »First Poop« ist das, was von der glitzernden Roten-Teppich-Welt und von Babybildern, die wie Hollywood-Blockbuster inszeniert werden, übrigbleibt. Und wirkt doch menschlich, ja fast zerbrechlich. Irgendwie sind wir am Ende doch alle gleich: Scheiße als humanistisches Gesamtkunstwerk.

Und das ist gut so, denn Kunst muss stinken, schockieren, aufrütteln! In diesem Sinne:
Bitte, Kuratoren dieser Welt, vereinigt euch und initiiert endlich eine Ausstellung mit dem Titel »Schöne Scheiße!« Denn Kot und Kunst bilden schon lange eine erfolgreiche Symbiose: Der italienische Konzeptkünstler Piero Manzoni füllte im Jahr 1961 jeweils 30 Gramm seiner eigenen Fäkalien in Dosen, beschriftete sie als »merda d’artista« und verkaufte diese zum Goldpreis des gleichen Gewichts.

UK-Künstler und Turner-Preisträger Chris Ofili dekorierte seine Bilder mit dem Kot von Elefanten.

 

Die US-Sprinkle Brigade laesst den Kot gleich auf der Strasse und veraendert ihn mit kleinen Gimmicks zu stinkenden Skulpturen. (Unbedingt anschauen: “The Last Supper“). 

Und der belgische Künstler Wim Delvoye konstruierte im Jahr 2000 eine monströse, raumfüllende Apparatur, die den Verdauungsprozess nachahmt und gab ihr den Namen »Cloaca«.

Bitte mehr von dem Scheiß – für eine bessere Gesellschaft!

Fuer Die Gesellschafter

3 Responses to “Schöne Scheiße – Kunst muss stinken!”

  1. michael külbel Says:

    sehr schöner beitrag – beweißt er doch, dass provokative kunst bzw. die erhöhte aufmerksamkeit provokativer kunst zu künstlerischem erfolg führt. und was ist provokativer als “scheiße”?

    edwards bedient sich im übrigen genau dieser massenmedien zur kommunikation seiner kunst, welche er in die pfanne hauen will

  2. Wiederholungen – GG Reflexion 1 « Lebenssplitterchen Says:

    [...] Hier ein Blog mit einigen Beispielen von Kot-Kunst oder Kunst-Kot 51.511532 7.093030 [...]

  3. Kotbanause Says:

    Provokativer als Scheiße bist du du Kotbanause!

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