
Shit, er hat es nicht geschafft! Heute ist Christoph Schlingensief an seinem Lungenkrebs gestorben – mit nur 49 Jahren. Eines der letzten Interviews hat Max Dax (Spex) geführt. “Mit Christophs Bekanntschaft verbinde ich unbedingten Mut. Mut zum Gegenwind, Mut zum Verkannt-werden, Mut zum Alleiniger-Rufer-in-der-Wüste-Sein. Christoph Schlingensief hat dem deutschen Film und der Filmförderung den Zerrspiegel vorgehalten, und er hat das Theater und die Oper revolutioniert. Die Geschwindigkeit seiner Gedanken ist legendär, um seinen Assoziationsprüngen folgen zu können, bedurfte es Intuition.” Ich hätte Schlingensief vor ein paar Monaten fast einmal getroffen. Ich hatte einen Termin, war schon im Zug nach Braunschweig (dort wurde er gerade zum Professor der Hochschule für Bildende Künste ernannt), dann kam der Anruf – und das Interview wurde doch noch krankheitsbedingt abgesagt. Ich hätte ihn gerne einmal getroffen. Und ihm vielleicht gesagt, wie wichtig er für mich war. Einer der wenigen, die ich Vorbilder nennen würde. Als ich aufwuchs, waren seine Aktionen stets präsent und ansteckend: ob sein Container “Ausländer raus”, seine Hamlet-Inszenierung mit Nazis oder seine Filme wie “Das Deutsche Kettensägenmassaker” und “100 Jahre Adolf Hitler“. Danke, Christoph Schlingensief, Du hast Dich abgerackert für die Kunst, für das Theater, für Deutschland. Du wirst uns fehlen!




Comments
Ich bezweifle ja, dass es das für Deutschland getan hat…die Aussage ist zum Kotzen.
ich bin ebenfalls sehr traurig darüber, dass er die krankheit nicht überwinden konnte und uns nicht weiterhin an seiner subversiven genialität teilhaben lassen kann – er hat auch meine jugend und postadoleszente phase stark geprägt, ein immerwährendes vorbild, eine starke persönlichkeit, die scheinbar ganz unbekümmert und zielgenau den daumen in die wunden unseres heutigen zusammenlebens, der gesellschaftlichen und politischen entwicklungen zu legen wusste. nicht immer habe ich sein handeln intellektuell erfasst, aber doch stets intuitiv. er wusste immer sehr genau, wie man schockiert und dadurch wenigstens für einen moment raum für die zentralen themen schaffen kann
(unvergessen: “unser körbchen muss sauber bleiben”).
man muss widersprüchlich sein! zynismus ist staatsstabilisierend!
in diesem sinne: wir werden dich nicht vergessen, christoph!
R.I.P.
@ Peter: Glaub ich schon – nach der Devise “make it a better place”. Er hat doch hier gekämpft um hier etwas zu verändern… Und natürlich auch in Afrika oder Österreich (“Bambiland”) etc.
„Ich meine auch, ein Künstler zurzeit ist ein Mensch, der den Kapitalismus nicht als beste und endgültige Form ansieht, die Beziehungen der Menschen untereinander zu regeln. Mein Künstler zurzeit jedenfalls sagt, dass der Sinn des Lebens nicht in der Regierbarkeit und nicht in der Marktfähigkeit des Menschen liegt.
(…) Eine Kunst wie die von Christoph Schlingensief ermächtigt nicht nur den Künstler, sie ermächtigt den Menschen gegen die Mikro- und Makrophysik der Macht. Sie beantwortet die Frage: “Sind wir noch da?” Oder wenigstens stellt sie diese notwendigste aller Fragen.“
Von Seeßlen, gelesen bei HEARTS at MINDS !?
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