

















Fotos: Tim Holthöfer, danke!









Fotos: Christian Rinke, danke!
Mail von Bob Baster: “Am Samstag, 13. Februar, 14 Uhr, fand die zweite PARASITES-Ausstellung mit dem Berliner Künstler The Wa in der Hamburger HafenCity statt. Der Künstler hatte im Vorfeld Dutzende Demoplakate akribisch abgemalt, “Berufsspanner abwählen” (Piratenpartei), “Wir sind China” (Zensurdebatte), “No pasarán” (dt. “Sie werden nicht durchkommen”; Schlachtruf der Spanischen Antifaschisten), “Deutsche Intifada” (Transparent der Autonomen Nationalisten), “Kein Kiez für Nazis” (Antifa-Slogan) oder “Break Out Of Control” (Antikapitalistischen Block), und diese dann in der HafenCity installiert. Die Kontextverschiebung war bemerkenswert: Überraschte Touristen versuchten die Botschaft der angeblichen Demonstranten zu entschlüsseln und auch die Polizei (die nach rund 15 Minuten eintraf) lief irritiert und hilflos von Plakat zu Plakat, notierte sich die Botschaften und saß danach beobachtend im Auto. Wie bei Demonstrationen wurde die Vernissage dann sofort einkesselt: Von der Hafenseite legte sich noch ein Polizeiboot auf die Lauer. Aber nichts geschah: Die rund 100 Besucher schauten sich friedlich, mit einem Bier in der Hand, eben wie in einer klassischen Ausstellungssituation, die gemalten Bilder an. Der Slogan-Remix wirkte in der monumentalen HafenCity-Kulisse wirklich absurd und paradox. Und die merkwürdigste Reaktion darauf war dann auch: Ein Bewohner eines Hochhauses vor dem Platz erschien auf seinem Balkon in einem Spiderman-Kostüm und wedelte mit der deutschen Fahne! Kurz nach dem Aufbau verschwand der Künstler dann in ein Obdachlosenzentrum auf St. Pauli und feierte dort mit den anwesenden Menschen die Eröffnung: Es gab ein kostenloses Edel-Catering (Schnittchen mit Räucherlachs, Krabben, Putebrust, Roastbeef, Seranoschinken) und feinste Kartoffelsuppe für alle – gesponsert vom Kochmagazin Effilee! Danke an alle Beteiligten für diese wunderbare Intervention!” Via: Mail, danke, Bob!




Comments
“Deutsche Intifada” (Transparent der Autonomen Nationalisten) ??????
hallo ?
Also ehrlich gesagt war der erste (öffentliche) Teil der “Intervention” eher kalt und (bis auf Spiderman
ziemlich langweilig. Und auf die Suppe haben wir auch eine Stunde vergeblich gewartet… Ich hatte mir mehr erhofft.
mfg
Hendryk
Naja: “Deutsche Intifada” – gerade die Kombination mit solchen Slogans führen ja zu dem absurden Slogan-Babel und der fast schon komischen Kontextverschiebung… Und auch ich habe mir den Arsch abgefroren und irgendwann gedacht: Wahrscheinlich bin ich dem Streich auf dem Leim gegangen. Wir stehen in der Kälte und es gibt billiges Lidl-Bier und der Künstler feiert im Warmen mit den Obdachlosen und den Edel-Häppchen… Wahrscheinlich war das auch “part of the project”… Und ehrlich gesagt: Mehr passiert auf “normalen” Venissagen ja auch nicht…
Das schönste an diesen “subversiven” Ausstellungen/Projekten ist und bleibt ja die Reaktion der zufällig anwesenden Passanten… Die offenen Münder auf dem einen Bild sind großartig!
Congratulations, this is great! Reading the commentary above, i ask my self, what did some expect to happen? I mean, putting this important Messages in the public sphere is important in it self.
There is no need to have animators to show people what to do, if they did not have a clue them selves.
I am sorry i could not be there. Id like to meet Spiderman. Next time.
Also so besondere Reaktionen von den Passanten konnte ich jetzt nicht feststellen. Die meisten haben sich glaube ich so verhalten, wie sie es bei einer “normalen” Vernissage auch tun würden: kurz stehen bleiben, gucken, weitergehen und das ganze wieder vergessen…
Und da in der Beschreibung von eine “spektakulären Intervention” die Rede war, hätte ich schon erwartet, dass sich das ganze Projekt etwas vom Kunstalltag abhebt (bzw. diesen unterwandert). Parasites #1, zum Beispiel, erschien mir von der Bildern her um einiges frecher und auch spannender.
deutsche initifada? bonzen das auto anzünden und “yuppies raus” rufen! so sieht es aus wenn die deutsche linke sich zusammenschließt um “freiräume” zu schaffen.
die hoffnung, dass künstler es besser wissen könnten, muss wohl aufgegeben werden, wenn ein solches transparent – dass man auch übrigens bei jedem npd/freie kameradschaften/autonome nationalisten aufmarsch sehen könnte – so unwidersprochen stehen bleibt. da kann auch keine “kontextverschiebung” die anwesenheit des transpis rechtfertigen, sowenig es rechtfertigt das die anwesenden nichts dagegen unternommen haben.
@ inselfreundin: Ja, das muss kommentiert werden und da muss auch eine Reaktion erfolgen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob das die Rolle des Künstlers sein sollte, der ja vor allem eine Situation geschaffen hat. Außerdem ist der Künstler ja auch kein Aktivist und “links”, sondern hat nur ein “linkes Setup” geschaffen…
Eigentlich müsste die Rolle des mündigen Betrachters es ja dann sein, darauf zu reagieren. Jeder hätte Transparente nehmen können und zerschlagen, bemalen, interagieren o.ä. … Das wäre bestimmt auch im Sinne des Künstlers gewesen… Und gute Kunst provoziert eigentlich auch solche Reaktionen…
Gar keine Reaktion zu zeigen, sich am Freibier zu laben und sich wie bei einer “normalen” Vernissage zu benehmen, ist natürlich schade, aber nicht die Schuld des Künstlers… Ich glaube sogar, man ist dem inszenierten Schauplatz dabei dann eher auf den Leim gegangen… Aber immerhin hat ja ein Yuppie reagiert und sein Spidermankostüm angezogen und die deutsche Fahne gewedelt. Auch das eine interessante Reaktion…
Bericht PARASITES#2 “in português”: http://planetasustentavel.abril.com.br/blog/pralaepraca/urbanismo-arte-220540_post.shtml
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