Frankfurt: Playing The City 2

August 28th, 2010


Vanja Vukovic, “I am your camera my dear”: “Im Rahmen der Aktion „I am your Camera my Dear“ der in Frankfurt lebenden Künstlerin Vanja Vukovic suchen sich drei mit schwarzem Anzug, dunkler Sonnenbrille und Sprechfunk ausgestattete Leibwächter spontan eine beliebige Person im öffentlichen Raum, die sie fortan begleiten.”


Leonid Tishkov, “Private Moon”: “Die Arbeit „Private Moon“ besteht aus einem etwa zwei Meter großen Mond aus Aluminium, Plexiglas und elektrischer Beleuchtung. Der private Mond kann in der Zentrale von PLAYING THE CITY 2 für eine Nacht ausgeliehen und während der Dauer des Projekts im Frankfurter Stadtgebiet an unterschiedlichen Orten zum Leuchten gebracht werden.”

20 Kunstaktionen in 20 Tagen gibt es in Frankfurt im Rahmen der Ausstellung “Playing The City 2“: Playing the City 2 stellt nach dem vorjährigen Erfolg des Projekts erneut eine große Bandbreite künstlerischer Aktivitäten im öffentlichen Raum vor, die auf unterschiedlichste Weise die Stadt und ihre Bewohner involvieren. Vom 8. bis 26. September 2010 werden täglich neue Aktionen in der Frankfurter Innenstadt stattfinden, die von Performances über Installationen bis zu „Guerillaaktionen“ reichen. Im Zentrum des Ausstellungsprojekts steht die kontrovers geführte Diskussion über den öffentlichen Raum und den „participatory turn“ innerhalb der zeitgenössischen Kunst. Geplant sind rund 20, teils eigens für das Projekt konzipierte kollaborative und partizipatorische Arbeiten von Nina Beier, Clarina Bezzola, Julien Bismuth, Clegg & Guttmann, Cosalux, Christoph Faulhaber, For Use / Numen, Swetlana Gerner, Jördis Hille, Christoph von Löw, Josef Loretan, Jan Lotter, Annika Lundgren, Lee Mingwei, Ivan Moudov, Anny und Sibel Öztürk, Paola Pivi, Plural Art Collective feat. Junge Deutsche Philharmonie, Reactor, Annika Ström, Leonid Tishkov, Gavin Turk sowie Vanja Vukovic.”


Neue Aktion von Aljoscha in München: “bioism creatures #64 & #124 transporting walkers with the help of the beggar via Moon to outer bigger galaxies of universe for a small coin.” Via: Mail

Nach der “Mobile Bar” kommt jetzt der Nachfolger: Die mobile Wientjes Contemporary Gallery. “Wientjes Contemporary ist eine ultramobile Galerie unterwegs auf den Straßen Neuköllns um jede beliebige Schmuddelecke in Sekundenschnelle durch eine kleine Vernissage aufzuwerten.” Via: Mail

Pudel Art Basel II – am Sonntag, 29. August (ab 15 Uhr) findet wieder die “Kunstmesse gegen Gentrifizierung” statt: “Sorry Leute ich hab mir den teuren Wagen gekauft und kann mir jetzt keinen Haarschnitt mehr leisten” – so oder ähnlich klingt es uns entgegen aus dem Munde des die Hansestadt regierenden Adels,
wenn er nach seinen Ausgaben zur Förderung der Künste gefragt wird. Nur dass statt auf das neue Auto auf das wachsende Elbgebäude in der Hafencity gedeutet wird, dessen Preis sich seit der letzten Pudel Art Basel schon wieder knapp verdoppelt hat. Stichwort Preise, Stichwort Pudel Art Basel: Die findet wegen des großen Erfolges des letzten Jahres, und dem Ausbleiben eines gesellschaftlichen Umbruches (Zusammenbruchsthese), dieses Jahr wieder statt. Es wird wieder ein Auktion geben, aus der Aktionen bezahlt werden. Das haben wir auch letztes Jahr so gemacht – NoBNQ, Es regnet Kaviar, das Gängeviertel und Recht auf Stadt konnten die ärgsten Finanzlöcher stopfen. Das Gute: IHR KÖNNT DABEI NUR GEWINNEN. Denn entweder (1.) gewinnt die Revolution – dann wird die Kunst als entfremdete Tätigkeit darin aufgehoben. Oder (2.) alles bleibt wie es ist, dann bleibt die Kunst als Warenfetisch erhalten und wächst jeden Tag an Wert. Oder aber (3.) wir scheitern auf ganzer Linie, werden aus der Stadt herausgentrifiziert – haben dann aber wenigstens noch schöne Erinnerungsstücke an Lifestyle, Boheme und Collness Vergangenheit.”

Medienkritik in Form von Stickern: Der britische Komiker und Künstler Tom Scott klebt wunderbar-wahre Warnhinweise für schlechten Journalismus in Zeitungen. Eine bitter nötige Aktion! “It seems a bit strange to me that the media carefully warn about and label any content that involves sex, violence or strong language — but there’s no similar labelling system for, say, sloppy journalism and other questionable content. I figured it was time to fix that, so I made some stickers. I’ve been putting them on copies of the free papers that I find on the London Underground. You might want to as well.” Via

Unglaublich, jetzt gibt es sogar schon eine “Deutsche Meisterschaft Kunst im öffentlichen Raum” (fand statt als Teil von emscherkunst im Rahmen von Ruhr2010) – und die fünf Disziplinen der Finalrunde waren: Autonome Skulptur, Vandalismus, Performance vor Passanten, Kritische Kunst und Freestyle. Und der Sieger (auch die anderen Arbeiten sind sehenswert!) heißt: Anton Steenbock (vgl. “Squares“) Mit seiner “Agentur für Strukturverbesserung” hat er das volle Kommunikationsguerilla-Programm abgeliefert: Briefkastenfirma, Fake-Internetpräsenz, Fake-Facebookpräsenz, Postwurfsendungen, Infostände, gefälschte Anschreiben und dazu noch trittbrettfahrend die aktuelle Hysterie um Google Streetview ausgenutzt! Wow, chapeau!

Vor allem sorgte folgendes Anschreiben (inkl. Sprühdose und Anleitung) von der Agentur für Strukturverbesserung (Herr Rumpel) für Unruhe und Verwirrung. “Sehr geehrte Hausbesitzer, im Rahmen des Programms Strukturverbesserung Recklinghausen möchten wir Sie hiermit darauf hinweisen, dass Sie gemäß des Strukturgesetzbuchs, Viertes Buch (VSSB) dazu verpichtet sind, Ihr Wohnobjekt für eine künftige, visuelle Datensicherung ausreichend zu kennzeichnen. In Kooperation mit der IT-Firma Google Streetview wird in den folgenden Monaten eine umfangreiche visuelle Datenspeicherung der Außenfassaden des Bereichs Suderwich, Recklinghausen vorgenommen. Bildliche Aufnahmen werden von Außenfassaden sowie der näheren räumlichen Umgebung der Wohnobjekte vollzogen. Aufgrund der Anklagen bezüglich der persönlichen Datenspeicherung, die in den letzten Monaten mehrfach dazu geführt haben, dass sich das Projekt Streetview rechtlich versichern musste, ist es nun gesichert, daß sich Bewohner auch virtuell ihrem Eigentum zuordnen können.
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Update: Ox

August 24th, 2010

Ox auf Achse: Neue Arbeiten in Brioude, Riom, Etampes, Sète und Loire.

“Intervention” scheint so langsam wirklich zum Trendwort des Jahres zu werden: Die aktuelle Ausgabe der Baunetzwoche #186 des Architekturportals Baunetz.de widmet sich unter dem Titel “Die Stadt als Beute” den urbanen Interventionen. Und in Berlin gibt’s jetzt auch einen von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ausgelobten “Urban Intervention Award” (“Ziel ist es, maßgeblich zur Verbesserung der Lebensqualität im urbanen Umfeld beizutragen) – mit nem mickrigen Preis: “Die Preisträger werden zu einer Exkursion eingeladen (…) und erhalten jeweils eine Urkunde.” Da dann doch lieber das bislang beste Buch zum Thema: “Urban Interventions: Personal Projects in Public Places“. Via

Das Wurstblog hat mal wieder ein wunderbar-deftiges Plakat im Angebot: “Leider stellt sich die Erfrischungsindustrie auf dem deftigen Ohr weiterhin taub und so bleibt obiges Sortiment leider nur Wunschdenken und ein berühmtes Filmzitat nach wie vor wahr: Es gibt zu wenig Fleisch am Stiel.” Ja, ja, ja und ich starte hiermit die Petition: LOLWurst statt LOLCats – das Web braucht mehr Wurst! Via

“A photographic work about street vanities” von Nathan Brunstein. Via