Guerilla-Aktion auf der Street Art-Messe Stroke.02 von Mr. Jones, Sublime & Rotzfrech-Posse: “Wir kritisieren damit nicht die Künstler oder Galerien, sondern die Veranstalter die extrem hohe Mieten von Ausstellern verlangen und auf der anderen Seite extrem hohe Eintrittspreise. Liebe Veranstalter der Stroke02: man merkt leider das es hier mehr um die Liebe zum Geld, als um die Liebe zur Kunst geht. Schämt euch!”

Dazu gibt’s einen schönen Artikel von Gregor Josse (Zeitjung): “Paradox trifft es vielleicht am ehesten. Subversive Kunst auf der Autobahn der Kommerzialisierung, inszeniert im Gebäude der ehemaligen Landeszentralbank in der Schickeria-Hochburg München. Es fällt schwer, diesen Satz nicht mit einem Fragezeichen zu beenden. Aber genau das fand statt von 27. bis 30. Mai auf der Stroke.02, der – nach dem Auftakt vergangenen Oktober – zweiten Urban Art-Messe. Mit ihrem Konzept betreten die Macher Marco und Raiko Schwalbe Neuland, denn so etwas gab es noch nie, nicht in New York und auch sonst nirgendwo.

 Nur ist die Stroke, auch wenn das der vollgetaggte Deckmantel allzu gerne verschleiert, eben eine Messe, ein Business-Event. Keine Schlipse, keine Aktenkoffer, aber deswegen nicht weniger Händeschütteln und auch nicht weniger Händereiben. Denn der Rubel rollt, was an sich nicht verwerflich ist, aber nicht zur Rebellion passt, die seit jeher dem Urtrieb der Urban Art, dem Graffiti, innewohnt.

 Unter der Tarnkappe des Subversiven geht hier eine ausgeklügelte Geschäftsidee hausieren. Eine, die ihren Besuchern zehn Euro Eintritt abknöpft und von den Künstlern respektive Galerien Standgebühren zwischen knapp 200 und 1300 Euro einheimst. Die Bilanz: über 55 Aussteller, rund 9.500 Gäste. Simple Mathematik verrät: Die Stroke ist eine Goldgrube. …

Genau das prangern Mr. Jones und die Rotzfrech Posse an. Den Münchner Street Artlern steht bei all dem die Kohle zu arg im Fokus: “Wir wollen nicht die Künstler kritisieren, sondern die Veranstaltung und die Art, wie mit den Künstlern umgegangen wird”, erklärt die Aktivistin Sublime, eine Hälfte der Rotzfrech Posse.

 Deshalb rebellieren Jones und die Rotzfrechen auf ihre Weise, schmuggeln subversive Kunst in die Messe für subversive Kunst. Auf einmal liegen zwischen den Exponaten auf links gedrehte Gummihandschuhe mit Farbspritzern, wie man sie sonst nur vor Wänden und Zügen findet, die noch nach Lack riechen. Und überall stehen diese pinken Plastiksoldaten. Angeheftet sind Zettel mit Slogans: “Die Straße ist auch morgen noch meine Galerie” oder “Reliquie von gestern Nacht”. Eine “Guerilla-Aktion gegen Sellout”, wie sie sagen, denn: “Die Kunst der Straße, die mal für alle zugänglich war, wird jetzt für ein exklusives Sammlerpublikum zu extremen Preisen ausgestellt”, kritisiert Mr. Jones. Und Wäx, die andere Hälfte der Rotzfrech Posse, gibt zu bedenken: “Kein DJ zahlt dafür, dass er auflegen und seine Platten verkaufen darf.” Letztendlich soll Street Art die Menschen erfreuen – “und auch provozieren”, meint Mr. Jones, kurz bevor er einen pinken Panzer vor den Iron Man-Legonachbau pappt. Eine Brise Aufstand zwischen reichlich interessanter, aber auch genug beliebiger Kunst. Denn obgleich Street Art mittlerweile Ende 30 ist, Frau, Kind, Reihenhaus hat und vom Grafikdesign lebt, muss er noch lange nicht in einen elitären Kontext umgetopft werden und dabei seine Wurzeln verlieren.

” Via

Leave a Reply