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Manifest: “Not In Our Name” & Recht auf Stadt!

In Hamburg ĂŒberschlagen sich mal wieder die Ereignisse. In aller KĂŒrze zusammengefasst: Der KĂŒnstlerkomplex Frappant (KĂŒndigung des Nutzungsvertrages mit 130 KĂŒnstlern) und das GĂ€ngeviertel sollen gerĂ€umt werden. (Mehr zum GĂ€ngeviertel auch hier und hier, zum Frappant hier und am Samstag, 7.11., 11-19 Uhr ist der Tag der offenen Ateliers! Geht vorbei, informiert Euch und unterstĂŒtzt die KĂŒnstler. Ist vielleicht die letzte Möglichkeit.)

Ted Gaier, Melissa Logan, Rocko Schamoni, Peter Lohmeyer, Tino Hanekamp und Christoph Twickel haben ein Manifest dazu veröffentlicht – und ĂŒber 2600 haben bereits unterschrieben. Dazu gab es heute noch einmal eine “Klarstellung” (siehe unten). Aber am Besten hat mir aber das “Fake”-Hamburg-Dossier der Gruppe “Recht auf Stadt!” (“Recht auf Stadt ist ein noch junges politisches Netzwerk Hamburger Initiativen, die sich gegen Mieterhöhungen, Privatisierung und VerdrĂ€ngung, fĂŒr den Erhalt von GrĂŒnflĂ€chen, gegen Gentrifizierung einsetzen”) gefallen, dass sich kritisch mit Gentrifizierung und der Marke Hamburg befasst. (Unbedingt auch auf die gefĂ€lschten Anzeigen achten!) Hier kann man sich das Hamburg-Magazin “Unter Geiern” downloaden!

“Am 29. 11. haben wir im GĂ€ngeviertel ein Manifest vorgestellt, in dem freie Kulturschaffende und Kreative Stellung zum Thema Gentrifzierung und Stadtentwicklung beziehen. Über den massiven Support freuen wir uns sehr. Aus den cirka 260 Erstunterzeichnerinnen und -unterzeichnern sind mittlerweile ĂŒber 2600 geworden – die Zahl der UnterstĂŒtzer hat sich in sechs Tagen verzehnfacht. Sehr in unserem Sinne ist, dass lĂ€ngst nicht mehr nur Menschen mit kreativen Berufen unterzeichnen. Schließlich haben wir unsere Rolle als „Kreative“ in Gentrifizierungs- und Aufwertungsprozessen thematisiert, um zu sagen: Die Stadt gehört allen. Wir beanspruchen keine hervorgehobene Stellung, wir kĂ€mpfen um FreirĂ€ume nicht anders als andere Einwohnerinnen und Einwohner dieser Stadt.

Deshalb halten wir es fĂŒr notwendig, ein paar MissverstĂ€ndnissen vorzubeugen, die von politischer und von Medienseite an uns herangetragen werden. Das Manifest ist kein „KĂŒnstlermanifest“, kein „Aufschrei“ oder Forderungskatalog von sich vernachlĂ€ssigt fĂŒhlenden Kreativen, die von Politikern an die Hand genommen werden möchten. Wir machen keine Lobbyarbeit damit und verwahren uns gegen Versuche, uns so zu interpretieren – mögen sie auch noch so wohlmeinend sein. All das steht zwar in „Not In Our Name, Marke Hamburg“ bereits deutlich drin, aber vielleicht muss man es nochmals und in Großbuchstaben sagen: WIR WOLLEN KEINE GÜNSTIGEN ATELIERS ALS ALIBI EINER STADT, DIE NUR FÜR DIE BESSERVERDIENENDEN DA IST.

Insbesondere die GAL scheint „Not In Our Name, Marke Hamburg“ aufgeschreckt zu haben. In gleich zwei PresseerklĂ€rungen zum Manifest erklĂ€rt die GAL, sie begrĂŒĂŸe unsere Kritik, weil sie „das Problem der Gentrifizierung“ selbst „erkannt und benannt“ habe und „intensiv an Antworten darauf“ arbeite. Ehrlich gesagt: Da lachen ja die HĂŒhner. Die GAL hat den Bau der Vattenfall-FernwĂ€rmeleitung durch St. Pauli und Altona durchgewunken und lĂ€sst den den dortigen Arme-Leute-GrĂŒnzug auf Kosten „nicht zukunftsfĂ€higer“ Sozialwohnungen aufschicken. Die GAL unterstĂŒtzt die Ansiedlung von Ikea in der Neuen Großen Bergstraße massiv und sorgt damit dafĂŒr, dass die letzte Arme-Leute-FußgĂ€ngerzone in der westlichen inneren Stadt verschwindet. Die GAL hat zwei Monate lang zur Besetzung des GĂ€ngeviertels geschwiegen, um nach der Zahlung durch den Investor zu vermelden, es lĂ€ge jetzt „in seiner Hand zu entscheiden, welche Zukunft die Kunstschaffenden im Viertel haben.“

Ein Wort noch zum BĂŒrgermeister, der sich wĂŒnscht „dass diejenigen, die das unterschrieben haben, sich vorher geĂ€ußert hĂ€tten“: Zum Konzept der unternehmerischen Stadt und der Ideologie des meistbietenden Verhökerns -in Hamburg eine Erfindung der SPD und heute der ganze Stolz der CDU- gibt es seit vielen Jahren meterweise kritische Artikel, BĂŒcher und andere Publikationen. Eine Literaturliste senden wir gerne zu.

Wer dem Manifest Forderungen ablauschen will, möge doch einfach die SolidaritĂ€tserklĂ€rung mit den diversen Initiativen und der Recht-auf-Stadt-Bewegung ernst nehmen, deren Forderungen wir uns zu eigen machen – unter anderem: Keine Moorburg-Trasse! GĂ€ngeviertel selbstverwaltet! Kein Ikea in Altona! BNQ stoppen! Bezahlbare Wohnungen ĂŒberall in der Stadt! Keine Privatisierung öffentlicher RĂ€ume! Keine Vertreibung von Hartz- IV-EmpfĂ€ngernInnen aus ihren Wohnungen! Freie Wohnortwahl fĂŒr FlĂŒchtlinge!

Ted Gaier, Melissa Logan, Rocko Schamoni, Peter Lohmeyer, Tino Hanekamp und Christoph Twickel fĂŒr die „Not in Our Name, Marke Hamburg“-Initiative”

Via: Mail

Comments

One Comment so far. Leave a comment below.
  1. Manfred Laudan,

    Hallo, meiner Meining nach hattet Ihr mit dem GĂ€ngeviertel einen grossen und m.E. berechtigten Erfolg – Gratulation !

    Bez. IKEA muss ich sagen, dass ich die Argumente gegen eine Ansiedlung nicht verstehe. So wie das Frappant jetzt asussieht, kann es (auch mit IKEA) doch nur besser werden. Die Freiheit der Kunst ist ein hohes Gut, aber es gibt bestimmt gerade in Altona soziale Schichten, denen ein Arbeitsplatz noch eine Spur wichtiger sein muss. Und ein Grossteil der Frapant-nahen Einwohner ist sicherlich finanziell nicht in der Lage, bei TEAM7 oder TREIBHOLZ Möbel einzukaufen, dann kommt doch eher IKEA in Frage.

    Und noch ein ‘goodie’:
    Wer finanziell nicht so reich gesegnet ist, kann dort sogar mal kostengĂŒnstig frĂŒhstĂŒcken
    (Rentner Tipp).

    MfG

    M. Laudan

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