



Bald beginnt das lustige Suchspiel: Wer findet die 37 platzierten Objekte?
Gerhard H. Kock berichtete und fotografierte für die Westfälische Nachrichten über die Rückeroberung der skulptur projekte münster. In den Hauptrollen: “The Wa”, Rocco, Neon, Jesus Stefan, DKM, AKIM, Richard Schwarz, Brad Downey, Michaelis Pichler und Honza Matousek.
Münster – „Wir sind überfallen worden!“ Die Stimme von Claudia Miklis zittert noch ein bisschen aufgeregt. Doch die Pressesprecherin der „Skulptur-Projekte“ fasst sich am Telefon schnell wieder und teilt mit, dass eine Gruppe Unbekannter am Mittwochnachmittag den Kanonengraben gestürmt, dort zahlreiche Objekte hinterlassen und danach den Platz fluchtartig wieder verlassen habe.
Der offizielle Aufpasser der Arbeit „Roman de Münster“ von Dominique Gonzalez-Foerster sei völlig machtlos gewesen. Dessen Hund, der auf den Namen „Herr Rossi“ hört, habe auf den Überfall eher gelassen reagiert. Eine ähnliche Reaktion legen allerdings auch die „Skulptur-Projekte“ an den Tag, wie Sprecherin Valeska Schneider betont: „Solange nichts zerstört wird.“ Man werde die circa 37 Objekte so bald wie möglich abräumen.
Die Reporter unserer Zeitung trafen noch einige der insgesamt zehn Künstler am „Tatort“ an. Im Gespräch erläutern die Piraten-Künstler, dass sie aus Brooklyn (New York), Prag, München und Berlin kommen, aber keine feste Gruppe bilden: „Man kennt sich. Man mag sich. Man macht was zusammen“, formuliert Richard Schwarz. Gefilmt oder fotografiert werden wollen sie nicht. Viele von ihnen kommen aus der „Streetart“- und Graffiti-Szene.
Einer der ihren wurde am Mittwoch von der Polizei festgenommen, während er sein Projekt realisierte. Titel der Arbeit: „A Bunch of Bikes take a shit“ – sehr frei übersetzt: Ein Haufen Räder baut Mist. Er hatte an der Apostelkirche Fahrräder aufs öffentliche Klo gestellt. Denn die Kunst-Piraten raubkopieren das Projekt von Gonzalez-Foerster. Auch sie zeigen dort nur „Modelle“ – allerdings Modelle ihrer Projekte, die sie in Münster realisieren. So ist auch jenes Stein-Kartenhaus zu sehen, das ebenfalls für eine Polizeiaktion sorgte. Nach Angaben der Polizei rissen Unbekannte am Mittwochmorgen mehrere Pflastersteine aus dem Boden, um daraus eine Pyramide zu bauen. Als die Beamten am „Tatort“ eintrafen, hatten die 23 und 27 Jahre alten Männer für den kreativen Beton-Bau bereits ein fast zwei Quadratmeter großes und sieben Zentimeter tiefes Loch hinterlassen. Das Modell dazu steht im Kanonengraben. Die Künstler-Community hat sich die „Skulptur-Projekte“ bewusst ausgesucht. „Wir haben uns die documenta angesehen. Die hat uns nicht gefallen. Zu langweilig“, findet AKIM. Im Juli habe man sich Münster angeschaut und ausgewählt: „Weil man sich hier mit dem öffentlichen Raum beschäftigt, und wir ja auch im öffentlichen Raum arbeiten.“
Via: dkmnews – DANKE!


