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Isabelle Graeff: “Fine Cut”

Sehr interessantes Projekt der Berliner Künstlerin Isabelle Graeff anläßlich des Art Forums „About Beauty“ in Berlin: Performance am 28.09.2007, 18.30 Uhr, am Hammarskjöldplatz  (Art Forum). 

“Das Projekt “Fine Cut” der Künstlerin Isabelle Graeff führt traditionelle Stickarbeit und Schönheitschirurgie zusammen. Weibliche Identität entwickelt sich im Spannungsfeld zwischen menschlicher Individualisierung einerseits und von der Gesellschaft vorgegebenen Schönheitsidealen andererseits. Die Frau stigmatisiert sich gleichsam zum Ornament.
 
Sieben Frauen und ein Mann stecken in Ganzkörperanzügen, die nichts über den Träger und seine Identität preisgeben. Die sichtbaren individuellen Körperformen werden zur Leinwand, auf der assoziativ Zeichnungen eines Schönheitschirurgen appliziert werden. Es entstehen surreale Kunstformen, die auf die Arbeit des Chirurgen verweisen. Als Vorskizzen dieser neuen Form des „body painting“ wurden Zeichnungen von Chirurgen verwendet.


Statt die farbigen Linien auf die Anzüge per Hand zu zeichnen, wurden sie von rumänischen Näherinnen mit aufwendigen Materialien und Strasssteinen nachgestickt. Die Tatsächlichkeit eines chirurgischen Eingriffs wird durch das Ornament überhöht.

Das Bedürfnis nach Gestaltung ihrer Lebensumwelt und die Sehnsucht nach Schönheit verbinden Frauen aller Epochen und aller sozialen Schichten. Lange Zeit galt die Fertigkeit in der Stickerei als höchste Auszeichnung der Frau. Das Bild der stickenden Frau wurde zum Symbol weiblicher Bildung und Fügsamkeit. Handarbeiten scheinen untrennbar mit weiblicher Tugendhaftigkeit und Sittsamkeit verbunden. Im Gegensatz zur „gefährlichen Verführerin“ galt die handarbeitende Frau als häuslich und bescheiden.
 
Stickereien waren in der Zeit Ludwigs XVI. so verbreitet, dass sie nicht nur die wattierten Gewänder überzogen, sondern auch die gesamte Inneneinrichtung eines Hauses wie Wand- und Ofenschirme und Möbelbezüge schmückten. Die reale Welt wurde durch gestickte Schäferszenen und dergleichen idealisiert.
 
Heute haben Frauen den Stickrahmen in die Ecke geschmissen und arbeiten statt dessen an ihrer körperlichen Erscheinung. Sie rüsten sich auf für den täglichen Kampf um Begehrlichkeit und Schönheit. Ihnen, und auch den Herren, steht eine ganze Industrie beim universal-permanenten Schönheitswettbewerb unterstützend zu Seite.
 
Gleich Archetypen tauchen nun geisterhafte Silhouetten auf. Die Gestalten in ihren glänzenden, anonymisierenden Anzügen muten eher wie Wesen aus einem Science-Fiction-Film an. Beim genaueren Hinsehen erkennt der Betrachter, dass die Ornamente nicht Schmuck sind, sondern detaillierte Zeichnungen eines Schönheitschirurgen zur
Optimierung menschlicher Körpermassen. Diese werden heute mit Hilfe hochtechnischer medizinischer Geräte und dem Wissen der Ärzte zu Idealkörpern zurechtschnippelt, die
auch in den Medien millionenfach zirkulieren.
 
Nicht mehr die Frau ist bei Ihrer Handarbeit an einem externen Objekt schöpferisch tätig, sondern die Frau macht Ihren Körper mit Hilfe des Chirurgen selbst zum Objekt von Stickarbeiten. Das enorme Wirkungsspektrum des besseren Aussehens in vielen Bereichen des sozialen Lebens lässt es zu einer Art universalem Schlüssel zu einem erfolgreicheren Dasein werden.
 
Aus Scham für den eigenen Körper reicht es nicht mehr, die Blöße zu bedecken, das heutige Modebewusstsein geht unter die Haut. Laut Karl Lagerfeld hat die plastische Chirurgie die Haute Couture ersetzt…

Isabelle Graeff geboren am 18.08.1977 in Heidelberg studierte zwei Jahre an der Kunstakademie in Düsseldorf. Im Jahr 2000 zog sie nach London um  ihr Kunststudium am Central Saint Martins College of Art & Design London fortzuführen. Seit 2005 lebt und arbeitet Sie in Berlin.”

Via: Pressemeldung

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