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Interview Peter Weibel: Über Kunst, Medien und Visionen

Spannendes Telepolis-Interview mit Peter Weibel, der das Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) leitet, über Kunst, Medien und die Visionen des Internet.

Verliert die Print-Zeitung damit an Einfluss und ihr Monopol auf Informationsselektion? Peter Weibel: Die Zeitungen haben mit dem Netz eine starke Konkurrenz bekommen. Das liegt vor allem auch daran, dass sie nur noch über ihre Befindlichkeiten schreiben oder im Netz abschreiben. Sie sind nicht mehr in der Lage, Informationen selbst zu erzeugen. Dadurch sinkt ihr Einfluss. Als Gegenreaktion kämpfen sie um mehr Einfluss, sie werden immer mehr zu diktatorischen Medien, die ihre Meinung durchdrücken wollen. Sie kommentieren und kommunizieren die Politik nicht mehr, sondern möchten sie selbst machen. Und dadurch entsteht eine Verschmelzung zwischen Medien und Politik, die an den Rand des Undemokratischen gerät. Wir haben heute im Grunde nur noch Staatsfernsehen und Staatszeitungen und das Netz ist das einzige Medium, in dem ich das nicht habe.

Muss es nicht hier auch Aufgabe der Kunst sein, auf diese Missstände aufmerksam zu machen? Peter Weibel: Die Kunst macht das die ganze Zeit, es gibt viele Künstler – hauptsächlich Netzkünstler –, die sich gerade mit diesem Thema auseinandersetzen. Wir im ZKM sind einer der wenigen, die das immer wieder unterstützen – und das ist ein echter Guerillakampf. Wenn ich dann solche Ausstellungen mache wie z.B. “Net_Condition” oder jetzt “Making Things Public”, dann schreiben die Zeitungen nicht darüber. Das ist also die Kampfsituation wie damals die Samisdat (russ.= Selbstverlag; Anm. des Autors) im Untergrund. Man muss die Macht der Medien brechen, denn sie geben sie nicht freiwillig auf, und irgendwann werden wir auch gewinnen, aber bis dahin ist es eben ein langer und schwieriger Weg. ()

Via: Nerdcore

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