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GAK, Bremen: [open] spaces

Helene von Oldenburg, “No Signal”

[open] spaces: Ausstellung von gesellschaftlichen und medialen Raumzuständen. 27. April – 10. Juni 2007, Gesellschaft fĂĽr Aktuelle Kunst, Bremen.

“Die Ausstellung [open] spaces beschäftigt sich auf ganz unterschiedliche Weisen mit gesellschaftlichen und medialen Raumzuständen. Wo einige Theoretiker das „Verschwinden des Raums“ aufgrund technischer Entwicklungen – insbesondere den Ăśberwachungstechnologien und der Telepräsenz in virtuellen Welten – beklagen, setzt europäische Politik auf die konkrete Begrenzung und Beherrschung von Räumen. So verfolgt die EU mit der Aufnahme oder dem Ausschluss von Ländern die (Ein)Bildung eines abgegrenzten, kontrollierbaren Gebietes. Europa soll eine geografische, wirtschaftliche und kulturelle Einheit aus zugehörigen Staaten sein: ein geschlossener Raum.

Mit Silvia Biagi/Simona Forconi (I), Ursula Biemann/Angela Sanders (CH), Anna Dauciková (SK), Lilian von Haußen (D), Shirin Homann-Saadat (IR/D), Christine Kriegerowski/Christoph Tempel (D), Maja Linke (D), Olga Mink (aka VJ Oxygen) (NL), Helene von Oldenburg (D), Irena Paskali (MK), Mona Schieren (D), schleuser.net (D), Hanna Smitmans (NL/D), Rena Tangens & padeluun (FoeBuD) (D)

Wie können diese widersprüchlichen Ansichten vom Verschwinden des Raums und die eines geschlossenen, kontrollierten Raumes miteinander in Beziehung gesetzt werden? Zukunftsvisionen einer Allgegenwart von Überwachung lösen diesen Zwiespalt in der vermeintlichen Identität von Welt und deren Verdatung auf. Aber wird ‚Raum’ nicht mit Sicherheit dann verschwunden sein, wenn hier keine Differenz mehr wahrgenommen, wenn stattdessen der Behauptung von Simulationen gekoppelt mit Steuertechniken Vollständigkeit zuerkannt wird? Die verschiedenen Positionen der Ausstellung [open] spaces thematisieren diesen Widerspruch für die Wahrnehmung und erarbeiten davon ausgehend politischen und künstlerischen Widerstand. Sie zeigen taktische Grenzübergänge von gedachtem, wahrgenommenem, technologischem, geografischem und politischem Raum auf und nutzen sie als Aktionsräume.

Den Widerspruch zwischen verschwindendem und doch als bestimmbar gedachten physischem Raum erleiden tatsächlich illegal in Europa Eingewanderte, die die Festung Europa unter permanenter Lebensgefahr mit wechselnden, geteilten Identitä-ten zugleich bestätigen und unterwandern. Dieser Widerspruch ist auch bei der längst unbemerkt eingeführten RFID Technologie wirksam: So genannte Transponder übermitteln Personen- und Produktdaten an ein eng geknüpftes globales Netz aus Lesegeräten. Die sendenden Chips sollen die Lücke zwischen Bezeichnung und Ding, Datenabdruck und Person schließen. Techniken und Strategien, mit denen diese Prozesse ins Bewusstsein gerückt werden, operieren an der Grenze zwischen politischer und technologischer Aufklärung, Agitation und Kunst.

‚Raum’ erscheint als kulturelles Ding zwischen vermeintlicher Gegebenheit, Aufteilung und Deutung. Dies zeigt sich anschaulich daran, dass die Innovationen der jeweils neuen Medien die älteren als anscheinend vertrauenswürdigere, handgreiflichere Wirklichkeit erscheinen lassen. Und: So wie erst kulturelle Bestimmungen der Geschlechter das schaffen, was oft als ‚biologisch’ zugrunde gelegt wird, erzeugen die jeweiligen Aufzeichnungs- und Messtechniken erst den ‚Raum’, den sie immer umfassender erkennen wollen.

Auch Bedeutungs- und Handlungsräume sind keine ursprĂĽnglich offenen Räume, wenn man die politische Dimension von Geschichtsschreibung und den Kampf um Deutungshoheiten bedenkt. Ist die Vorstellung eines ‚offenen Raums’ somit eine der wirklichkeitsmächtigsten Fiktionen? Die KĂĽnstlerInnen von [open] spaces erproben eine Vielfalt von Möglichkeiten, diese Fiktion den totalisierenden Tendenzen einer zunehmenden Ăśberwachung von Räumen und Einschränkungen von BĂĽrger-rechten zurĂĽckzuspiegeln.

Via: Kommunikationsguerilla

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