Fake oder Ich-Marketing?

Februar 28th, 2007

In der Schweiz ticken die Uhren bekanntlich ein wenig langsamer. Deshalb werden Fakes auch nicht so schnell bemerkt. Und deshalb wird man in der Schweiz auch ganz schnell einmal zu einem Gucci-Model: Einfach sich selbst nackt fotografieren, mit Photoshop noch Parfüm und Logo auf das Bild montieren – und fertig ist die falsche Werbekampagne. Der Clou: Das Schmollmund-Nackedei buchte einfach bei der “SonntagsZeitung” eine doppelseitige Anzeige im Namen von Gucci - und ließ die Rechnung über mehrere zehntausend Franken einfach an die Firmenadresse der völlig ahnungslosen Gucci-Zentrale in Zürich schicken. Und diese Anzeige war auch nicht sein erster Coup… 

Mehr Hintergründe zum Fall von Beat Kraushaar: “Schwindler fälscht Gucci-Inserate”, Blick Online (27.2.07) und von Stefan Wyss “Betrüger schafft es mit Fake-Anzeigen in Schweizer Zeitungen” (27.2.07).

Beat Kraushaar: “Schwindler fälscht Gucci-Inserate

Der junge Mann nennt sich sinnigerweise Watson – wie der kleine Helfer des weltberühmten Detektivs Sherlock Holmes. Watson posiert nicht nur lasziv für das Eau de Parfum der Edelmarke. Er schaltet auch die Inserate gleich selber – als PR-Product-Manager von Gucci International in Zürich.Nur: Bei Gucci gibt es keinen PR-Manager mit diesem Namen. Watson ist ein Schwindler, der sich gerne selber in der Zeitung sieht.Und das hat er schon ein paar Mal geschafft. Sogar doppelseitig. Etwa in der letzten «SonntagsZeitung» aus dem Verlag Tamedia. Und am Freitag in der Gratiszeitung «heute» von Ringier. Die Rechnung liess er frech an die offizielle Adresse von Gucci Zürich schicken. Schaden: mehrere zehntausend Franken.Der Mann ist unverfroren, nur so konnte er überhaupt seine Inserate schalten. Bei den Anzeigenabteilungen der Zeitungen buchte er in letzter Minute. So reichte die Zeit kaum, die Echtheit der Inserate zu überprüfen. Blieb nur ein Problem: Er hat bei Gucci keine Mail-Adresse. Ein plumper Trick half ihm. Der falsche PR-Product-Manager schrieb den Anzeigenabteilungen: «Bitte, falls Sie mir ein Mail senden möchten, kann es sein, dass es vorübergehend nicht geht. Dann probieren Sie es auf eine andere E-Mail-Adresse: …»

Heute hätte das falsche Gucci-Inserat auch im BLICK erscheinen sollen. Doch der Schwindel flog vorher auf. Watson wurde zum Verhängnis, dass er erkannt wurde. Denn Gucci ist nicht das erste Opfer des Schwindlers.

Auch der internationale Musikriese Sony BMG kann ein Lied davon singen. «Wir schlagen uns schon seit Jahren mit dem Mann herum. Er bucht in unserem Namen Veranstaltungen und will Werbespots schalten. Er tritt unter diversen Namen auf, gerne als Watson oder auch Casilla», warnte Sony BMG den BLICK. Und liess keinen Zweifel, dass es sich um denselben Mann handelt: «Am Sonntag war übrigens eine Doppelseite in der ‹SonntagsZeitung› mit ihm als Model drauf.»

Watson alias Casilla sieht sich nicht nur gerne in der Zeitung. Er träumt auch davon, ein Star zu sein. Unter dem Namen des bekannten Latino-Sängers und Schauspielers Chayanne hat er auch schon versucht, Konzerte zu buchen.

Jetzt soll Watson der Laufsteg unter den Füssen weggezogen werden. Gucci ist stinksauer. «So etwas haben wir noch nie erlebt», heisst es bei der Edelmarke. Laut Gucci wird die Sache raschestmöglich geprüft und es werden rechtliche Schritte gegen ihn eingeleitet.

Watson ist auch ohne die aktuellen Gucci-Inserate bereits bekannt. Bei der Polizei Baselland. Diese ermittelt seit geraumer Zeit gegen den Schwindler.

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Stefan Wyss: “Betrüger schafft es mit Fake-Anzeigen in Schweizer Zeitungen

Am 12. Dezember 2006 erschien in SI Style eine ganzseitige Armani-Anzeige mit einem männlichen Model. Am vergangenen 23. Februar 2007 warb das gleiche Modell in der Abendzeitung “heute” und nochmals am 25. Februar in der SonntagsZeitung für Gucci. Beim Model handelt es sich um Juan Isidro Casilla, der sich fälschlicherweise als der bekannte Latino-Sänger Chayanne ausgibt.

Die Gucci-Anzeige hätte auch im Blick vom 27. Februar erscheinen sollen, wie einem Artikel über den Schwindel in der Dienstagsausgabe der Zeitung entnommen werden kann. Dort werden auch die erschienenen Fake-Anzeigen in “heute” und der SonntagsZeitung aufgeführt. Die gefälschte Werbung in der SI Style von Dezember letzten Jahres bleibt aber unerwähnt.

Dabei stellt sich gerade bei Ringier die Frage, warum man durch die gefälschte Anzeige im Lifestylemagazin bei “heute” und Blick nicht vorgewarnt war. Die interne Kommunikation scheint erst beim dritten Versuch Casillas, eine Anzeige in einem Titel des Medienhauses zu platzieren, funktioniert zu haben.

“Das kalkulierte Vorgehen des Schwindlers erschwert das Prüfen stark”, erklärt Prisca Wolfensberger, Leiterin der Ringier Medienstelle, auf Anfrage von “persoenlich.com”. Sein Trick sei es, kurz vor Drucklegung noch eine Anzeige zu platzieren. “Bis die Prüfung erledigt ist, ist es meistens schon zu spät, die Anzeige zurückzuziehen. Erschwerend kommt dazu, dass er immer wieder unter anderen ‘Auftraggebern’ auftritt.” 

Bei der Sonntagszeitung traf die Anzeige mit dem gefälschten Absender von Gucci am Freitagnachmittag nach dem eigentlichen Inserateschluss ein. “Es gab zu diesem Zeitpunkt jedoch keinen Grund an der Echtheit der Anzeige zu zweifeln, darum entschied man sich bei der SonntagsZeitung, die Anzeige kurzfristig noch aufzunehmen”, erklärt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer auf Anfrage von “persoenlich.com”.

Den entstandenen Schaden kann Zimmer nicht genau beziffern, der Anzeigenplatz entspreche aber einem Gegenwert von fast 60′000 Franken. “Wir werden ein Vorgehen gegen den Betrüger prüfen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass ein solches Verhalten von Tamedia toleriert wird.”

Betrüger bereits einmal verhaftet

Auf die Betrügereien von Casilla hat am Montag 26. Februar als erstes gay.ch aufmerksam gemacht. Bei der Zeitschrift hat es das selbsternannte Model mit gefälschten Anzeigen von Pepe Jeans und Armani versucht. Beinahe wäre es ihm auch gelungen, wie Chefredaktor Louis Pestana in der Online-Ausgabe von gay.ch schreibt und gegenüber “persoenlich.com” bestätigt.

Ende 2006 erreichte gay.ch eine Email von Pepe Jeans London. Juan Isidro Casilla hatte die Mail mit dem Absender pepejeans.com verschickt. Ein paar Tage später erreichte gay.ch eine Armani Anzeige. Auf der Anzeige ist wieder Juan Isidro Casilla zu sehen.

Mit der Armani Anzeige wurde ein Lebenslauf von Juan Isidro Casilla, alias Chayenne verschickt — scheinbar ganz offiziell von der Plattenfirma Sony BMG, Abteilung “Latin USA”. Darin stand nicht nur, dass Casilla ein Model ist, sondern auch die Bestätigung, dass es sich bei ihm wirklich um Sänger Chayanne handelt.

gay.ch wollte über den vermeintlichen Latino-Star berichten und lud in dafür zu sich in die Büros ein. Casilla erzählte von Auftritten mit Jennifer Lopez, Britney Spears und Justin Timberlake. Alles gelogen, wie sich nach Rücksprache mit Sony BMG, bei der der echte Chayenne unter Vertrag steht, ergab. Die Plattenfirma versucht schon längere Zeit gegen den Betrüger vorzugehen — bisher erfolglos.

Casilla wurde von gay.ch nochmals zu sich gelockt, wo der falsche Chayanne von der Polizei verhaftet wurde. Allerdings ist er heute wieder auf freiem Fuss und treibt, wie die Anzeigen in SI Style, “heute” und der SonntagsZeitung beweisen, weiter sein unwesen.

 

6 Responses to “Fake oder Ich-Marketing?”

  1. jan zuppinger Says:

    das inserat ist übrigens am freitag auch in der gratis pendlerzeitung “heute” erschienen. der sonntagsblick ist die konkurrenzzeitung zur sonntagszeitung, klar also dass der blick diese story genüsslich auschlachtet …

  2. tomas Says:

    Tja, da kann man nur sagen: das ist echtes “second life”. Die Eigen-Promotion des Mr. ist professioneller und vor allem kreativer als manche teure Kampagne der Werbefuzzis. Erstaunlich, dass sich die einnahmegeilen Verlagshäuser so schnell überlisten lassen…

  3. nlg Says:

    sehr geile idee – crasser ist aber wenn man bedenkt dass irgendjemand von mir ein foto unbemerkt machen könnte – es entsprechend verändert und dann veröffentlicht – und am nächsten morgen wundert man sich wieso die Leute einen so blöd angucken ….

  4. Flow Says:

    Immerhin kann sich GUCCI über sehr viel Publicity freuen. Wäre echtes Gueriila-Marketing, hätte GUCCI das Ganze eingefädelt…

  5. Bart Says:

    Hätte aber sofort auffallen müssen… GUCCI Models sind in der Regel attraktiv…

  6. JIC Says:

    Hallo zusammen, da hat sich jemand aber sehr angestrengt am 22. Juni 2009 mit diese Nachrichten und ja es war meinen Ex-Partner HERR THOMAS DISCH AUS WÄDENSWIL, ZH er arbeitet bei der Stadt Zürich und bald aber nicht mehr lange, ich hab gerade schon wieder eine Anzeige gegen Ihm gemacht und zwar deswegen, weil er einfach mit Falschen angaben im Internet rumlabert. “Du willst mir mein leben schwer machen, oder watt” also, hier hast du deine Nachricht und an alle leser hier im Internet.

    Ja. ich bins Juan Isidro Casilla. Nein, seine Aussagen stimmen nicht überein und ja, ich hatte sehr viele Probleme mit Ihm (Thomas Disch, 43) und er auch mit mir. Aber wer nicht. Ja, diese Nachricht ist Öffentlich und ich hab noch ein paar Kopien vor einer Woche im Internet veröffentlicht, da sieht man, dass Herrn Disch gegen mich gewalttätig wurde und auch gegen Nötigung und sowie auch Tötungsversuch angeklagt wurde und das von der Staatsanwaltschaft Zürich.

    Ihr könnt ja alles im Internet Downloaden sowie auch seine Verhaftungsfotos und seinen Eintrag im Strafregisterkartei für Verbrechern. Komisch ist, dass ich nichts im Strafregister habe und meinen Ex Thomas Disch, 43 schon, naja…

    …wie auch immer. Ich Grüsse euch alle und hoffe auf bald mal wieder?!
    Und Thomas, achte bitte auf dich, denn Du bist der nächster…

    (PS: nein das war keine Drohung, sonder nur eine verwarnung)

    Liebe Grüsse,
    JIC

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