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Month Mai 2009

GuteSeiten, Klebstoff, Boris Hoppek @ HeliumCowboy, Hamburg

Let´s stick together: An diesem Freitag, 22. Mai, stellt die Stickeraward- (übrigens kann man für den kommenden Award seit zwei Tagen wieder Sticker uploaden – bis zum 30. August), Ideal- und Stickma-Crew ihr neues Magazin “Klebstoff” in der Hamburger Galerie HeliumCowboy (aktuelle Ausstellung: Boris Hoppek) vor – ein Heft, das man komplett verkleben kann. Jede Seite, auch das Cover, enthält gestanzte, herauslösbare Sticker. 24 Künstler aus aller Welt steuerten über 100 Motive bei – so entstand eine zauberhafte, kleine Sammlung der Aufkleberkunst. Auch ich bin vor Ort – und präsentiere in einer kleinen Dia-Show News aus Linz, erzähle was zu Sticker & Subversion – und präsentiere ein paar neue GuteSeiten-Magazine in einer Lese-Lounge. Kleber-Crew-Bild via eSeL.

Shlomo Faber: Guerilla-Ad-Liebeserklärung

Wow, ich bin platt: Shlomo Faber hat doch tatsächlich die URLs seiner Lieblingswebseiten und -blogs auf Züge gesprüht – und rebel:art ist dabei! Vielen, vielen Dank für die Blumen – so eine Liebeserklärung habe ich wirklich noch nie bekommen! Via: Mail

Subversiv Messe: Seid brav, bleibt subversiv!

Subversive Romantik: Die Subversiv Messe in der schwarzen Halle am Linzer Hafen

Florian Tampe und Christiane Schuller haben wieder eine wunderbare Recycling-Sauna gebaut: Detox Two

Die Fahrrad-Fetischisten der Wiener Bike Kitchen schraubten volle vier Tage an Fahrrädern herum und zelebrierten den Drahtesel als “kulturtechnisch bedeutsamste Erfindung des ausgehenden 19. und 20. Jahrhunderts”

Ruppe Koselleck an seinem Stand: Er hat in rund 21 Filialen und in ganz Europa seine “parasitären Publikationen” in die IKEA-Möbelausstellungen geschmuggelt

Interaktive Skulptur von Biederpunk: “Jede Person hat die Möglichkeit zum Dummy zu werden und die eigene Risikobereitschaft zu testen. Risiko stellt in einem Klima von Sicherheitshysterie ein hohes subversives Potenzial dar. Angst ist zu einem zentralen Repressionwerkzeug geworden das mittels medialer Verbreitung Konstruktionen installiert die einschüchtern und letzendlich eine entmündingende Wirksamkeit entfalten.”

Dummy Yourself: Der Leiter der Vereins Social Impact, Harald Schmutzhard, auf dem schnellen Stuhl

Besucherin mit wahnsinnigen Tattoos auf beiden (!) Oberarmen: Lecker, lecker, Cupcakes!

Dumpster Cooking: Malin Neuman aus Schweden kochte Backstage mit gefundenen Essensresten

Kochsalon II: Ohne ihn wären sicherlich alle Messeteilnehmer verhungert – der holländische Aktivist Wam Kat kocht bereits seit 1981 kostenlos für Menschen in Flüchtlingslagern und Teilnehmer von Großveranstaltungen. Danke, es war lecker!

Die österreichische Gruppe Gold Extra präsentierte ihr Frontiers Game: “Frontiers lässt die Spieler die Grenzerfahrung erleben: Auf sich gestellt mit und gegen andere Mitspieler überschreiten sie Grenzen in Afrika und Osteuropa, zwischen der Sahara und dem Wald von Ben Younech, dem Kaukasus und den Wäldern von Weißrussland.”

Monkeydick Production: Verwirrende Gesprächssituationen um “Irritation über die widersprüchliche Darstellung des geschlechtlichen und sexuellen Humankapitals zu produzieren”

Obwohl allen klar war, dass man sich auf einer Subversiv Messe befindet, schaffte es das Trio der EUAA (European Advertising Agency) viele Besucher von ihren “Belangen” zu überzeugen (Chapeau, Jungs, eine wirklich verdammt gute Performance): “Im Zentrum des Projekts EUAA stehen inszenierte Vorgänge rund um eine fiktive Agentur der Europäischen Union, die sich um die Organisation und Durchführung einer europaweiten Werbeliberalisierung kümmert. Am stärksten polarisiert bei dieser Reform die “Aufwertung” der Euro-Banknoten zu Werbeflächen. Das Herzstück des Projekts ist das Promotion-Video der European Advertising Agency, eine fiktive, dystopische Belangsendung der Europäischen Union, in der diese werbepolitische Entwicklung vorgestellt und beworben wird.”

Keine Werbung ist hier sicher: Eine spontane Adbusting-Intervention gehört eben dazu

Dee Hibbert-Jones von Psychological Prosthetics führte Beratungsgespräche, damit die Besucher ihre Ängste bewältigen können: “Politische Handlungsfähigkeit soll anhand der Infragestellung von Gefühlen wie Angst, Schuld, Empörung, Apathie, Wut, Hoffnungslosigkeit und Bedauern wieder hergestellt werden”

Marina Belobrovaja schaffe es mit ihrer hintergründigen Performance wirklich subversiv zu sein: Auf ihre Kritik am blinden Aktionismus fielen so gut wie alle Messebesucher herein. Die Verführung eine Tomate auf böse Logos zu werfen, war eben einfach zu groß. Marina: “Es fällt auch auf, dass in diesem Umfeld noch immer die Bio-Tomate am liebsten geworfen wird.” Auch die Bio-Tomate war übrigens Fake – ebenso wie der überzogene russische Dialekt. Die Tomaten rotteten vor sich hin und nach drei Tagen stank es schon gewaltig. Und aus dem Radio tönte übrigens, falls mal jemand ein Logo mit der “Munition” traf, die Internationale – in verschiedenen Sprachvariationen.

Die detailverliebten und raffinierten Produkt-Parodien des Antipreneur-Shop waren ein absolutes Highlight der Messe: Unglückskekse, Waldbrandtapete, Luxusuhr “Privatier” (ohne Zeiger und natürlich mit Diamanten aus Sierra Leone), Kartenspiel “Kriege”, Nordic-Stalking-Stöcke, Einkauftüten ohne Boden – und vieles, vieles mehr. Schaut Euch diesen liebevoll gestalteten “Shop” mal an – eine “Shopping-Tour” lohnt sich, jedes “Fake”-Produkt ist ein Knaller!

Shirts und Sticker en masse: Die Gruppe Ideal bei ihrer mobilen Siebdruck-Werkstatt

Benjamin Zuber hat einen parasitären Verbraucher entwickelt: an der schwarzen Glühbirne hängt ein Stromzähler und klärt über den Verbrauch auf – aber natürlich ohne zu leuchten

Der “Freespeaker” der Gruppe Ropress, Tobham und Lisette: Einfach anrufen und seine Botschaft auf Band sprechen – die Demopuppe trägt die Botschaft dann anonym mittels Megaphon vor

Bei Hans Bernhard und Lizvlx wurden die Besucher durch den Ex-”Guantanamo Bay”-Wächter Chris und die Vernehmungs-Software Superenhanced Generator verhört.

Guerilla Gardener Richard Reynolds beim Interview

Die Gruppe v.o.n. – kmr bastelte Radiostörsender

Job-Absagen schreibt man natürlich mit der Absageagentur

Infrarotlicht gegen Überwachungskameras: “Das von U.R.A. / FILOART entwickelte Gerät verspricht den BürgerInnen einen zuverlässigeren Schutz vor Sicherheitsmaßnahmen des Staates (und anderen Überwachenden). I-R.A.S.C. bietet die Sicherheit vor der Sicherheit und weist somit auf die Asymmetrie der Kräfte zwischen dem Überwachenden und dem Individuum hin.”

Brody & Paetau und ihr Käfig/Installation “Let Me Out”: Eine Anspielung auf die ganze Subversiv Messe? Denn immerhin fühlten sich hier viele Aussteller ebenfalls wie in einem Zoo. Ironie der Geschichte: Angeblich starb der Vogel kurz vor der Messe. Zufall oder kalkulierte Provokation? Auf jeden Fall saßen die beiden Künstler die gesamten Tage über in ihrer Messekabine – eben auch wie in einem Käfig.

Ich bin zurück aus Linz. Und der Abschied fiel wahrlich schwer. Die subversiven Tage waren einfach zu schön – ich habe so viele unglaublich tolle Projekte gesehen und Menschen getroffen, bei denen man sofort fühlte, dass man sich auf der gleichen Wellenlänge bewegt. Es ist einfach verdammt schön zu sehen, dass man nicht der einzige Freak da draußen ist. Und ob nun eine Subversiv Messe wirklich subversiv sein kann – wurscht! Wir hatten Spaß, wir haben debattiert, gestritten und nachgedacht, wir haben uns vernetzt und gepürt, dass es genug kreativen Widerstand gibt. Kurzum: Auch wenn Linz (noch) nicht abgebrannt ist – es lag ein Funkeln in der Luft! Und ich habe wieder gemerkt: Unter dem Pflaster liegt noch immer der Strand – und auch wenn die meisten als Brandstifter geboren werden und als Feuerwehrmann sterben – man sollte das zündeln nie lassen! Und an alle Spötter und Kritiker: Ja, klar, Subversion ist ein Luxus, den wir uns in unserem Königreich leisten. Aber ich liebe eben auch alle Hofnarren! Also: Noch einmal tausend Dank an den Verein Social Impact, der es wirklich geschafft hat 50 AktivistInnengruppen Freaks aus 22 Nationen zu koordinieren! Es muss weiter gehen – lasst uns auf jeden Fall in Kontakt bleiben! Also: Wie wäre es mit einer Subversiv Messe 2010 in Hamburg?

Mehr Medien? OÖN-Bericht hier, Tagesthemen-Bericht hier, Euke Klaavs Bericht hier, FM4-Bericht hier. Bilder von rebel:art, eSeL.at und vipinart.

14. bis 17. Mai: Subversiv Messe

Gruppe Ideal präsentiert den mobilen Sieb- und Stickerdruck

Köperl & Winkler führen ihre mobilen Recycling-Container vor

Wouter Sibum wird urbane Installationen präsentieren: Proposals for More Utilization.

Linz, Linz – wir fahren nach Linz! Lasst Euch die SUBVERSIV MESSE nicht entgehen – vom 14. bis 17. Mai findet in Linz das subversive Gipfeltreffen statt: “Vom 14. bis 17. Mai warten im Linzer Hafen dutzende AktivistInnen auf dich/euch, um dir/euch die neuesten Entwicklungen auf dem Widerstandssektor näher zu bringen: Im authentischen Messeambiente kann ein hautnaher Kontakt mit den subversiven Elementen geknüpft werden. Durch den konzentrierten Austausch werden Strategien für einen radikalen Umsturz der Gesellschaft gebündelt. Mit einem Mix aus praktischen Werkzeugen, theoretischen Wissen, aktivistischen Interventionen, politischer und künstlerischer Widerstandsformen, wird ein produktives Chaos erzeugt, dass den revolutionären Prozess vorantreibt.”
Neben den Ausstellern gibt es auch zahlreiche Workshops, Exkursionen, Lectures und Performances, z.B. “Radical Clown Training”, “Sticker Award – mobiler Siebdruck”, “Stencil Workshop”, “Infra-redlight against Surveillance Cameras – Anleitung zum Selberbau”, Bärte basteln mit den Sissy Boyz”, “Precarecy – Müllexkursion”, “Ich&Ikea – Ikeaexkursion”, “Hörstörung – Stadtrundgang”, Lesung mit Autonome a.f.r.i.k.a. Gruppe – Handbuch der Kommunikationsguerilla, Dumpster Cooking – Esslesung u.v.m.
KOJENPLAN: “Ein übersichtlicher Kojenplan (PDF) sowie ein ausgeklügeltes Messeleitsystem wird es unseren Gästen leicht machen, sich auf der Subversiv Messe zu orientieren. Freut euch auf subversive Highlights aus den Bereichen Leben & Wohnen, Wellness & Beauty, Arbeit & Weiterbildung, Hobby & Freizeit, Recht & Ordnung.” Das gesamte Programm hier, alle Aussteller/innen hier. Nächste Woche geht es los! Da ich natürlich auch vor Ort sein werde, wird´s während dieser Zeit wenig Beiträge auf rebel:art geben… Aber für alle, die leider nicht nach Linz kommen konnten, werde ich ein großes Update vorbereiten!

Watchlist: Thylacine

Thylacine, “Rein&Clean”, 2009, Performance, 3h: “180 Quadratmeter der lebendigsten Galerie wurden während der Vernissage von einem professionellen Reinigungsinstitut geputzt, geputzt und einfach nur geputzt. Wohl der unvergesslichste Auftrag für die Reinigungskräfte und für die vielen Besucher ein imposantes Schauspiel ohne Schauspieler – dachten sie zumindest, bis sie merkten, dass ihre Suche nach Kunst in einem leeren Raum zur Selbstinszenierung wurde.”

Thylacine, “Wile E. Coyote”, 2008, Performance, 10h: “Reihe um Reihe mauern wir uns auf engstem Raum ein. Letztlich sind nur noch unsere Hände zu sehen, die behutsam die Steine setzen. Nach dem letzten Ziegelstein wird es still, bis sämtliche Gäste der Vernissage den Ausstellungsort verlassen haben.”

Mischa Düblin und Fabian Hachen aka Thylacine wollten “nebenbei mal fragen, wie man es eigentlich in Deinen Blog schafft? Wir arbeiten seit mittlerweile fünf Jahre intensiv als Künstlerduo zusammen und durften schon in diversen Ausstellungsprojekten mitwirken. Wir würden uns wahnsinnig freuen, wenn Du mal etwas über uns berichten könntest.” Tja, einfach mal ne nette Mail schreiben, das reicht ja schon. Versuche meine Augen und Riecher wirklich überall zu haben, aber leider gehen noch immer viele Sachen an mir vorbei. Deshalb: Vielen, vielen Dank für die Mail – mir gefallen Eure Projekte wirklich außerordentlich gut. Bis bald mal wieder und schöne Grüße nach Zürich!

Watchlist: iHAD

“Habe gedacht ich schick euch ein paar Arbeiten von mir. Grüsse aus der Schwiiz”, schreibt uns iHAD. Gute Idee, vielen Dank – und bis bald mal wieder!

Winnetou & Old Shatterhand on the warpath

Collagen der Künstlergruppe “Happy Famous Artists – Bad Art for Bad People” in der Auguststraße: On The Warpath. Via Mail, danke Robert!

Und sonst so? : 09. 05. 09

Hermann Josef Hack hat uns ein schönes Bild einer älteren Aktion geschickt: “Habe vor 3 Jahren mit Berliner Analphabeten auf das Pflaster geschrieben: Ich will schreiben lernen!” Vielen Dank!

* Wieder mal ein schöner Damien-Fake: C-Monster & Ryan Frank, “Portrait of the Artist as a Dead Man“, 2009. Mehr Damien-Bashing hier, hier und hier.

* Popkornkino I: West.Art-Video über die Lightwritings von Lichtfaktor. Via Mail, danke Jan-Gerrit!

* Popkornkino II: “Rote Armee Forever” – “documentation of action “Rote Armee Forever” 24.01.2009 reichstag, berlin. artists painted the white flag with theirs blood, waved with it and then cut it on stars and gave the RAF-stars to people”. Via Mail, danke Eugen!

* Popkornkino III: Museumspenetrationen – Pimmelattacke in Museen. “Am 26. 10. 08, wurde um 16:00 Uhr, ein penetrierender Museums Flash-M.O.P. (MASS OF PENISOBJECTS), mittels einer kollektiven Blitzinstallation mit rund 650 schneeweißen Figuren, in der Pop Art Abteilung, des Museum Ludwig , in Köln, aufgebaut.” Via Mail, danke!

* Popkornkino IV: “Wir haben vor einiger Zeit ein Stop Motion Film produziert und dieses auch online gestellt. Vielleicht gefällt es euch ja und es reicht für eine Verlinkung”. Ja, reicht aus. Via Mail, danke Tommi!

* Wunderbares Portfolio (Collagen, Siebdruck, Street Art, Filme etc.) und eine wirklich großartige gestaltete Webseite: G/R/O/B/G/R/A/F/I/K. Via Mail, danke!

* Free Download: UBERMORGEN.COM & Nussbaumer: 1001 Songs of eBay Via Mail

* Unsere alten Sticker-Freunde Scotchtape aus Italien haben ein neues Designtoy-Projekt: Jellyface.

* Logo-Variationen: “EBAY”, 2007 von François Curlet

* Krise wegtanzen: “Last Thursday at noon, forty revelers invaded Barcelona’s unemployment office. Members of the Spanish art collective En Medio brought levity to the typically frustrated and forlorn faces of those waiting in line, the victims of capitalism’s latest crisis.” Via

* Freaky ads make a powerful statement about neglected children.

* Banksy I: Für den nächsten Faschingsball – das Banksy-Kostüm. Via

* Banksy II: Verrückte Idee – der Banksy-Dokumentarfilm “Banksy´s coming for DinnerVia

* Die Publikat-Reihe “Part of the Rebellion” geht weiter! Nach Flying Förtress kommt jetzt “Dave the Chimp“. Bin zwar kein großer Fan von Chimp, aber die Buchreihe gefällt mir immer besser – ein handlicher Überblick über das Schaffen einzelner Street-Art-Künstler ist wirklich eine schöne Idee. Mehr Bilder von der aktuellen Ausstellung von Chimp gibt´s übrigens auch hier.

* Glam Cams und weitere sehenswerte Projekte von Jill Magid. Via

Kacie Kinzer: Tweenbots

Interessantes soziales (Street Art)-Experiment von Kacie Kinzer: Tweenbots. “Kacie Kinzer’s Tweenbots is a social experiment to see if the public will assist a uni-directional robot in its journey from one place to another, which is written on a flag that hangs high above the robot.” Via

Ralf Ziervogel: Hitlersmiley

Ralf Ziervogel, “RZAH”, 2009 @ Galerie Arndt & Partner. Via