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Month Mai 2009

Und sonst so? : 30. 05. 09

Urban Prospecting: Der Künstler Jon Cohrs hat einen DIY-Öldetektor entwickelt, mit dem man in der Stadt auf Ölsuche gehen kann. “This easy DIY device is therefore a technological accomplishment which has the potential to find small nuggets of oil. 
At the same time the tool is an artistic ‘conceptual object’ which challenges us to reassess our ecological responsibility. As Drew Hemment, Artistic Director of Futuresonic, wrote “In urban environments in particular we can be insulated from both nature and the consequences of our actions innovative approaches to participatory observation and mapping can overcome this separation, when combined with the way the internet and digital media has enabled individuals to produce and share information globally and instantly.” Riding on the coattails of the historical precedent of the Gold Rush, Oil Prospecting marries this approach. The aim of the project is to reach communities where oil spills have happened through web 2.0 communication and networking in order to create a sense of responsibility and collaboration on this issue.” Via

* Der größte Pavillon der Venedig Biennale: Der Internet-Pavillon, kuratiert von Jan Aman.

* Abgespeist deckt Etikettenschwindel auf: “Tütensuppen ohne Geschmacksverstärker, Milch von garantiert glücklichen Kühen, gesunder Kinderjoghurt und Frühstücksflocken, die fit machen. Alles da, zum Greifen nah? Schön wär’s. Aber nicht nur die Tütensuppe lügt. Im Supermarkt gilt: Glauben Sie nicht, was auf der Packung steht. Denn die Lebensmittelindustrie kann eines ganz besonders gut: Verbraucher täuschen. Und die Täuschung hat System.Darum entlarvt die foodwatch-Kampagne “abgespeist” Werbelügen und Werbelyrik und zeigt, was dahinter steckt.” Via

* Blumen statt Flyer: Posterchild hat Blumenboxen installiert. Via

* “Les Liens Invisibles“: According to the first and the second Euclidean postulates, two points are joined by a straight line segment that can be extended indefinitely in a straight line. Les Liens Invisibles is the homonym, self referential, ongoing collection of invisible | broken | non-existent | conceptual | zen links by the imaginary art group Les Liens Invisibles.” Via: Mail

* Maximilian Hösl möchte uns ein wenig Theorieinput zur Verfügung stellen – vielen, vielen Dank dafür! Er hat eine Seminararbeit zum Thema “Die Subertising-Bewegung – Erben von Karl Kraus?” (Download als PDF hier) geschrieben – und freut sich über Feedback. Wir werden die Arbeit auch als PDF in unser “Wissen”-Archiv aufnehmen. Und das ist übrigens eine super Idee: Falls Ihr auch noch Diplom/Magister/Seminar/Hausarbeiten oder Artikel zu Themen wie Subversion, Culture Jamming, Adbusting, Street Art etc. habt, könnt Ihr die mir gerne mailen – wäre wirklich ne tolle Sache das Archiv weiter auszubauen.

* Und schwupp war der Wagen weg: “Invisible Car – A design student made a battered old Skoda “disappear” by painting it to merge with the surrounding car park.”

* Spannende Ausstellung zum Thema “Fax“, mein Favorit “Junk Fax” – quasi die Vorreiter der Art-Spam-Bewegung: “Participants will transmit fax-based work – some seminal examples of early telecommunications art – via the museum’s working fax line throughout the duration of the exhibition. The active accumulation of information – received in real time, in the exhibition space – will include drawings and texts, and the inevitable junk faxes and errors of transmission, creating an ongoing cumulative project concerned with reproduction, obsolescence, distribution, mediation, and generative systems.” Via

* “Damit zukünftig Hausbesitzer nicht (mehr) voreilig Exekutivkräfte bemühen, um vermeintliche Stadt-Verunstalter abzustrafen, gibt es jetzt ein aufklärend-apologetisches Street Art Wiki. Ganz Wikipedia-like kann nun ein jeder selbst nachlesen, ob sein profundes Wissen über mandatslose urbane Fassaden- und Stadtmöbelgestaltung ihm genügt. Gleichermaßen soll im Street-Art Wiki das breit gestreute Spezialwissen über diese Stadtkultur durch freiwillige und ehrenamtliche Autoren zum Aufbau einer Enzyklopädie gesammelt werden.” Via: Mail

* Bambule (6. bis 28. Juni): Zonenkinder gehen nach NY. Via: Mail

Grösch/Metzger: “News from Home”

Großartige Aktion von Wiebke Grösch und Frank Metzger zur Frankfurter Ausstellung “Playing the City“: “Wir würden gerne auf unsere Aktion “News from Home” hinweisen, die kürzlich während der Ausstellung “Playing the City” in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt/Main stattgefunden hat. Der Straßenverkauf von Tageszeitungen wird in Frankfurt hauptsächlich von Migranten, etwa aus Sri Lanka, Bangladesh oder Äthiopien, betrieben. Die Aktion “News from Home” bestand darin, dass die Zeitungsverkäufer anstelle der deutschsprachigen Tageszeitung, die sie täglich zum Verkauf anbieten, aktuelle Tageszeitungen aus ihrem jeweiligen Heimatland verkauft haben.” Hier eine Video-Dokumentation der Aktion. Via: Mail

Watchlist: Olivier Blanckart

The Remix Koolhaas (After August Sander, The Architect, 1926), 2008 | Scotch tape, kraft paper, cardboard | Lifesize & The Curator (After August Sander, The Peddler), 2007 | Scotch tape, kraft paper, cardboard | Lifesize: “Diese Skulptur ist die Re-Interpretation einer Photographie von August Sander aus der Serie “Menschen, die an meine Tür kamen” aus dem Jahre 1920. Zeigte Sanders Photographie einen Hausierer, der Lose verkauft, so ersetzte Blanckart die Lose durch Badges mit den Portraits prominenter Kuratoren. Genau wir der Hausierer, der umher reist und seine Waren von Haus zu Haus feilbietet, um seine Existenz zu sichern, so tut klappert auch der zeitgenössische Kurator die Kunstmessen ab. Die Arbeit scheint nur auf den ersten Blick Adolf Hitler darzustellen! Um 1920 war ein solcher Oberlippenbart in Deutschland Mode.”

“Katmandoo”, 2002, dekonstruiert das offizielle Staatsfoto der im Jahre 2001 grausam massakrierten nepalesischen Königsfamilie. Die tödlich Verwundeten wenden dem Betrachter dabei gnädig ihre unversehrten Frontseiten zu.

“La Merdlumanité/The Great Humanishit”, 2005 (Tape, kraft paper, polyurethane, foam and coprolites (fossil dinosaur’s feces). From dinos fossil-shits to the contemporary art, through an Hegelian historical process.

Olivier Blanckart, 1959 geboren in Brüssel und gelernter Klempner, thematisiert in seinen Arbeiten Bilder, die zu populären Ikonen wurden. Olivier Blanckart verarbeitet in seinen Skulpturen die photographische Reproduktion an sich, oder die Interpretation eines photographischen Abbildes aus der öffentlichen Erinnerung. Dazu nutzt er billige Materialien wie zum Beispiel Packpapier, Verpackungstape oder Karton. Genau diese Ambivalenz im Materialeinsatz lässt die “wirkliche” Geschichte des öffentlichen Bildes wieder an die Oberfläche gelangen. Sei es als Photographie oder als von der Photographie inspirierte Skulptur – Blanckart wird immer getrieben von einer postmodernen Obsession: Ikonen zu demontieren und wo immer möglich, diese modernen Götzen von ihren Sockeln zu stoßen. Olivier Blanckart versteht es dabei, aus wertlosen Materialien geradezu theatralische Tableaus zu zaubern, ausgehend von Bildern, die tief in unser kollektives Gedächtnis graviert sind.” Aktuelle Ausstellung in den Niederlanden: “The New Judgement of Paris: Olivier Blanckart”, Odapark Venray, 21. Juni bis 15. August 2009. Via: Mail

Zentrum für Politische Schönheit – verhaftet / UPDATE

Das Zentrum für Politsche Schönheit macht schon wieder Ärger: “Das Zentrum für Politische Schönheit wurde gestern während einer Kunstaktion vor dem Deutschen Bundestag festgenommen. Gedichte machen Menschen besser. In diesem Geiste trugen wir für Horst Köhler das Gedicht “An die Schönheit” (Ernst Stadler, 1904) vor. Die Beamten hielten die Aktion für eine Demonstration, unser Gemälde für ein Spruchbanner und das Gedicht für eine “Meinungsäußerung”. 60 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik ist es wieder möglich, für das Rezitieren von Gedichten verhaftet zu werden. Gegen sämtliche Aktivisten des Zentrums für Politische Schönheit wurde Strafanzeige gestellt.” Mehr zu diesem Fall auch hier: “Kunst als Aktion im Öffentlichen Raum oder überhaupt die Nutzung des Öffentlichen Raums ist hierzulande kein einfaches Unterfangen mehr. Denn hier wird von der Polizei meistens unterstellt, es handele sich um eine nicht-angemeldete Demonstration, was ein Straftatsbestand ist.” Via: Mail. UPDATE – 30. Mai: Medienecho auf die Aktion: Telepolis, Jetzt.de, Zündfunk und Neue Rheinische Zeitung.

dieplakatierer_innen: Adbusting-Aktion in Osnabrück

“In der Nacht vom 19. auf den 20.05. haben wir, “dieplakatierer_innen”, an mehreren Stellen in Osnabrück Plakate der Osnabrücker Stadtwerke per Adbusting “verfremdet”. Aus der Überschrift “umweltschoner” haben wir “umweltschänder” gemacht (für weitere Änderungen siehe Bild). Damit wollen wir auf die aktuelle Politik der Stadtwerke und damit der Stadt Osnabrück aufmerksam machen. Entgegen der Überschrift “umweltschoner” beteiligen sich die Stadtwerke an zwei Kohlekraftwerksneubauten (Lünen und Hamm), die auf Jahrzehnte hin ein Modell fortsetzten, das bereits katastrophale Folgen hat und diese in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch im ein Vielfaches ansteigen lassen werden. Anstatt in regenerative Energie zu investieren handeln Stadtwerke und Stadt Osnabrück damit unverantwortlich gegenüber den jüngeren und zukünftigen Generationen, die “auch morgen hier” und anderswo auf der Welt “zu hause sind”. Wir sind eine Gruppe unabhängiger junger Bürger Osnabrücks, die sich weder Parteien noch den etablierten politischen Gruppierungen zuordnen. Wir wollen uns die unverantwortlichen Politik nicht mehr bieten lassen und diese schamlose Werbekampagne im Speziellen erst recht nicht. dieplakatierer_innen” Via: Mail

Du bist Terrorist!

Du bist Terrorist (You are a Terrorist) english subtitles from alexanderlehmann on Vimeo.

“Erst kürzlich haben wir herausgefunden, daß in Deutschland mehr als 82 Millionen versteckte (potenzielle) Terroristen wohnen. Du bist einer davon.” Großartige Kampagne von Alexander Lehmann – der dafür auch prompt eine Abmahnung der Werbeagentur KemperTrautmann (“Du bist Deutschland”) bekommen hat. “Aber als Reaktion auf das überraschend große Medienecho auf die Drohung setzte sich die Werbeagentur mit mir in Verbindung. Ein klärendes Telefonat hat nun zu einer Lösung geführt mit der beide Seiten zufrieden sind.”

Und sonst so? : 23. 5. 09

Performance mit Fee Kleiß, Sebastian Meschenmoser, Marlon Wobst und Fritz Bornstück. Foto: Anne Ida Helmer. Via: Sammlung Lützow

* Hacker Space Festival, 26. bis 30. Juni, in Paris. Via

* Sommer, Sonne, Sound: Von Künstlern und Bloggern aufgenommene Summer-Mixtapes gibt´s bei Just

* Sommer, Sonne, schwimmende Städte: Swimming Cities of Serenissima. Via: Mail

* “Publicity Plant” von Sander Veenhof: “A custom designed greenhouse control system converts all online publicity into plant growth by switching on the grow-lights above his ‘publicity plant’ whenever new a weblog-posting, Twitter message or Delicious bookmark refers to the project.” Via: Mail

* Save the date: “Am 18.6.2009, am Tag des Zivilen Ungehorsams wird es in Hamburg die Krach-Parade geben! Treffpunkt ist um 12 Uhr vor dem Dammtor-Bahnhof (Theodor-Heuss-Platz/Parkplatz). Die Krach-Parade ist die weltweite Bewegung einer künstlerischen Demonstrationsform gegen Gewalt, Krieg, Kapitalismus, Rassismus, Diskriminierung, Umweltverschmutzung, Gentechnik, Tierversuche, usw.. Jeder kann Teil dieses Zivilen Wiederstandes sein und ihn zelebrieren. Alles was Ihr dazu braucht ist ein (selbstgemachtes) Kostüm und etwas zum Krachmachen (z.B. Musikinstrumente oder einfach ein Kochtopf). Wenn Ihr nichts davon habt könnt Ihr auch nackt gehen und schreien…”

* “Ponto – Recycle your emotions“, 2009 von Cabracega, Portugal

* Achtung, Achtung! Auch die Rechten haben anscheinend das Handbuch der Kommunikationsguerilla gelesen: “Nach der ersten Phase, der Bemühung um Intellektualisierung der rechten Szene, geht sie nun offenbar in Phase Zwei, der Versuch durch Imititation der linker Protestkultur öffentlich wahrgenommen zu werden, letztlich die “Hegemonie im vorpolitischen Raum” zu erringen.” Inzwischen gibt es bereits eine “Konservativ-Subversive Aktion” und auch im Bereich Graffiti gibt es immer mehr sprühende Nazis. “Es sind natürlich keine Meisterstücke, aber dennoch mehr, als man Nazis im Bereich Graffiti zugetraut hätte. Es ist auch abgefahren, wie weit die Adaption geht, siehe “Smash Capitalism” Sticker, die dann im kleingedruckten zum nationalen Sozialismus aufrufen.” Mehr zum Thema hier bei Indymedia. Danke für die Info, Max! Via: Mail

* Schöne Werbekampagne für die International Society for Human Rights. Via

* Klingt mal wieder nach einer spannenden Ausstellung bei Bongout Berlin: ab 4. Juni, “Fleischeslust”, mit Myriam Mechita (Frankreich) und Gregory Jacobsen (USA): “Organe, Eingeweide und Genitalien, die ein Eigenleben führen. Sie bilden fleischige Haufen. Sie treten in Interaktion mit Kreaturen, die zwar menschliche Züge haben, doch mit ihren maskenhaften Gesichtern, runzliger, fleischiger Haut und offenen Wunden wirken, als seien sie aus dem schlimmsten Albtraum entsprungen.” Via: Mail

* Improv Everywhere hat ein Buch über ihre erfolgreichsten Pranks der letzten 8 Jahre veröffentlicht: “It’s written by Improv Everywhere founder Charlie Todd and Improv Everywhere senior agent Alex Scordelis, and contains many awesome photos by Chad Nicholson.” Via: Mail

* Der Mensch und die Stadt: “I work since two years at a big european photography project called “Homo Urbanus Europeanus“. It is about the Man, in the City, in Europe. Already 22 european capitals have been visited in the frame of the project.” Via: Mail

* Kerger macht Ärger: Übersicht über alle Projekte des Bonner Aktions- und Konzeptkünstlers Alfred Kerger

* Artycok: Spannende tschechische VideoArt-Plattform

* Fake-Stau: “Artificial traffic jam in the mountains” – Ausstellung “Auto. Sueno y Materia”

* Für alle Kinder von Architekten: Die neuen Lego-Architektur-Modelle

* “Urban Shoot Painting“: “Shooting into the white suface of vacant billboards with a paintball gun – blank canvasses in an urban environment, a gesture expressing an opinion and at the same time abstract painting in a urban environment. Via

Luzinterruptus: “A lot of Policeman for so few people…”

Die neueste Intervention der spanischen Lichtkünstler Luzinterruptus: “This is our last intervention “A lot of Policeman for so few people…”. Rudimentary blue police lights made with plastic glasses, blue paper and our flashing lights.” Via: Mail

Hermann Josef Hack: Klimacamp & Brote Armee Fraktion


Hermann Josef Hack
war mit seinem Klimaflüchtlingslager wieder auf Tour – 15.5 in Erfurt und 16.5 in Leipzig. Youtube-Video hier, Tagesschau hier. Außerdem: “Objekt Gefangener der BAF”. Via: Mail. Danke, Hermann!

Thesen-Anschlag auf den Deutschen Bundestag

“Wenn man das Wort “Schönheit” gegen das Wort “Politik” schlägt, erzeugt man den Funken für eine Revolution”: Das Zentrum für Politische Schönheit ist ein Think Tank für Aktionskunst und -politik. Er betreibt Interventionen gegen das Ende der Geschichte im öffentlichen Raum. Die letzte Aktion bestand darin, auf hohem Ross vor den Deutschen Bundestag einzureiten, folgende zehn Thesen ans Hauptpotal zu schlagen und “im Namen der Schönheit den Grundstein für eine neue Epoche, die einst als “Sturm und Feuer” in die Geschichtsbücher eingehen soll, zu legen”. Die Thesen sind: 1. In jedem Menschen steckt eine tiefreichende Sehnsucht nach dem Schönen. 2. Alles Große wird aus Sehnsucht herausgeboren. 3. Menschen werden nicht nur von Ursachen, sondern auch von Zielen bewegt. Schönheit, Größe und Vollkommenheit sind Ziele. 4. Schönheit und Hässichkeit sind die beiden Pole, zwischen denen sich das Leben elementar abspielt. 5. “Ein jeder wärmt auf andere Weise sich das Herz.” – Daraus ziehen die Modernen den Schluss, sich das Herz überhaupt nicht mehr zu erwärmen. Ohne das Erlebnis von Schönheit sind die menschlichen Erfahrungen unvollständig. 6. “Dieser behandelt Schönheit so, wie Entomologen mit Schmetterlingen umgehen. Er fängt das arme Tier, nagelt es fest, und nachdem dessen prächtige Farben verblichen sind, liegt nur noch ein lebloser Körper ausgespiesst da. Un das nennt sich dann Ästhetik.” (Goethe) 7. Hoffnungen sind nicht dazu da, sie aufzugeben. 8. Was wir wissen, hängt davon ab, was wir fühlen. 9. Eine Seele, die keine Schönheit empfunden hat, begeht emotionalen Selbstmord. 10. Seelen ohne Poesie sind eine unentdeckte Form der Geisteskrankheit. Via: Mail