Und sonst so? : 29. 04. 09

April 29th, 2009

Olaf Breuning: “Spaghetti Dog”, 2005. Nach einem so anstrengenden Tag wie heute können mich nur noch die Fotografien von Olaf Breuning zum Lachen bringen. Immer wieder. Die Visage erinnert irgendwie auch an Sascha Lobo, oder? Mehr hier. Via

* Guerilla der Kulturbewahrung: “Die französische Gruppe “Les Untergunther” restauriert bei illegalen, aufwendigen Nacht- und Nebelaktionen verwahrlostes Kulturgut” Via: SZ

* Bücher-Guerilla: Bücher bei Nacht und Nebel. Danke, Sanda!

* Die Public Ad Campaign – expanding curatorial responsibilities in the city – hat ein Anti-Billboard-Event in New York organisiert: “This past Saturday over 120 illegal billboards were white-washed and covered with art in New York City by a team of volunteers and artists.” Via

* Along Jerusalem Boulevard the entrance into Jaffa (Tel Aviv): Radio Free Jaffa made a radio intervention into all radio transmissions in the proximity. Via: Mail

* Tagging-Skulptur: “Tribus is a sculptural tag, a mass-produced object for the street”. Via

* Mikro-Botschaften, quasi Street-Art-Twittern, von Keetra Dean Dixon: “Familiar slogans used during delightful moments of play or as a childhood reassurance are placed within public spaces”. Via

* Suizid-Flash-Game: Sterben in 5 Minuten. Lange Ladezeiten, lohnt sich aber. Nie war Selbstmord unterhaltsamer. Via

* Interessant: Adbusting-Aktionen als Rapsong-Untermalung. Via: Mail


Angriff der goldenen Maden

April 29th, 2009

“Larva Raup” hat mir Bilder von seinem neuen “Kurzprojekt” gemailt: “Fette, goldene Maden, immer in der Nähe von Museumseingängen, immer im Begriff des Eindringens in die Kunsträumlichkeiten. Sie wurden und werden an verschiedenen Museen in der ganzen Schweiz angebracht.” Vielen Dank!

Fotos: Natürlich wieder – the one and only: Just

Auch rebel:art stellt natürlich voll und ganz hinter dem großartigen Berliner Kunstprojekt Papergirl – deshalb auch hier noch einmal der Aufruf: “

Papergirl Nr. 4 steht vor der Tür!

 Dank allen Teilnehmern geht das Projekt jetzt schon ins vierte Jahr und wir möchten hiermit wieder alle herzlich einladen mitzumachen!
 Papergirl ist ein Kunstprojekt, bei dem im Stile amerikanischer Zeitungsjungs Kunstrollen vom Fahrrad aus an zufällige Passanten in den Straßen Berlins verteilt werden.
 Das Projekt findet einmal im Jahr im Sommer statt und jeder kann mitmachen!
 Vor der “Verteil-Aktion” findet eine 2 wöchige Ausstellung statt, in der alle eingereichten Arbeiten gezeigt werden. Zusätzlich ist dieses Jahr ein Fahrradworkshop geplant.
 Zu den Beiträgen: Papergirl wird wie eine Zeitung verteilt, aber nicht editiert oder gedruckt, sondern besteht aus künstlerischen Originalen, die gerollt werden. Die Beiträge können per Post oder persönlich eingereicht werden und zwar direkt in der Form, in der sie später auch in die Kunstrollen kommen. Für Inhalt, Format und Menge gibt es keine Vorgaben, und so können Originale, Drucke, Fotos, Texte, Kopien, etc. zusammen. Einzige Voraussetzung: die Arbeiten müssen rollbar sein und mindestens 2 an der Zahl, damit wir eine ausstellen und eine verteilen können. Man kann mitmachen wie und wo man will: einen Beitrag abgeben und oder beim Verteilen mit dabei sein.
 
Persönliche Abgabemöglichkeiten in Berlin sind jeweils der 3. Mittwoch im Monat von 19h – 21h:
 15. April, 
13. Mai und 
17. Juni
 im “Gulasch“. 
Oder man schickt etwas per Post. Adresse bekommt ihr unter: info (at) papergirl-berlin.de
. Der 17. Juni ist die finale Deadline – bis dahin brauchen wir alle Beiträge.” Ein Video von Papergirl # 3 gibt’s hier und alle weiteren Infos hier. Via Mail, danke Anne!

Nach Damien Hirst und Osama kommt jetzt das Murakami-Bashing: Eugenio hat uns ein Bild seiner neuen Skulptur gemailt, die er bald bei der Volta 5 (ADN Gallery) in Basel vorstellen wird: “It’s Takashi Murakami as a Prostitute like Julia Roberts in Pretty Woman because he has designed a Louis Vuitton bag. There is certain contradiction between art and design – and Murakami has clearly chosen money. The sculpture wears an original Louis Vuitton bag designed by Murakami. Hope you like it.” Yes, we do! Mehr auch hier und hier. Via: Mail

In meinem Köln-Rückblick hatte ich ja bereits über den “Kiste Bier?”-Fall geschrieben. Hier kommt die Auflösung von Uwe Lewitzky: “der diebstahl bzw. die feindliche übernahme geistigen eigentums wie jetzt im falle des kiste bier aufklebers ist nur ein vorfall von vielen seit dem bestehen von nichtnachdenken.de. das einzig gute daran: aufgrund guter beziehungen steht nichtnachdenken.de diesmal nicht kopfschüttelnd-resigniert daneben, sondern in direktem kontakt mit tobias rehhberger und hat auch schon klare lizenzgebührkosten formuliert (u.a. eine kiste wein).” Ziemlich dreiste Geschichte, oder? Den Sticker von Tobias Rehberger habe ich bei der Art Cologne gesehen, er hängt dort bei seiner Galerie in einer Edition von 100 Exemplaren – und Ihr könnt Euch ja dann vorstellen, wieviel er Interessierten jetzt für diese einzigartige “Arbeit” abknöpft… Via: Mail

Watchlist: Heiko Beck

April 25th, 2009

Meine größte Entdeckung in Köln: Die wunderbaren Text-Botschaften im öffentlichen Raum von Heiko Beck, Aktionskünstler aus Düsseldorf. “This is for real because that’s it with self-pity, whining and excuses. Through his activities and campaigns Heiko Beck provokes new paradigms and experience. By means of campaigns in public areas he deliberately attempts to break into people’s daily routine and stimulate their thinking thus striving to do exactly what he always wanted to do. Heiko Beck is in search of authentic people, good moments in life and fun at work.” (*)

Watchlist: The Krasnals

April 25th, 2009

Meine erste richtig nette Begegnung bei der Art Cologne: Am Stand von VernissageTV habe ich das polnische, anonym arbeitende, Künstlerkollektiv “The Krasnals” getroffen. Krasnals heißt soviel wie “Elfen” – und die Gruppe vergreift sich mit großer Leidenschaft an postsozialistischen Klassikern, Meistern wie Lucien Freud, Yoko Ono, Christo & Co. und malt polemische Kommentare über die polnische Gesellschaft, Politik und Kunstszene. “We are the ‘black star’ of Polish art scene! We are fed up with the stagnation of the Polish art world dependent on the western art market rules. It provoked our frustration and aggression. Cynicism became more inspiring. We vomit on things or admire them. New qualities can be seen through chaos or turning things upside down. The career of W. Sasnal was the turning point, and acceptance by Christie’s the painting based on Sasnal’s one and estimation at 70,000 GBP.”

Krasnal Hałabała, Great Poles series, “Electric bath duck for suicidal tendency / group portrait of of Polish Trinity: Jarosław Kaczyński, Lech Kaczyński, Donald Tusk”, 2008

The Krasnals: “Puncher”, 2009

Krasnal Bansky “Greetings from Benefis Supervisor Sleeping by Lucien Freud / Hmm… what can we do for 33,6 mln dollars? (part 1)”, 2008

Whielki Krasnal, “Portrait of Christo”, 2008

Sleeping Beauty “I am a beautiful Mummy! – I love you my pussy!”, 2008: “These photos refer to the opening of the exhibition of Yoko Ono in Warsaw CCA in September 2008, her performance ‘Onochord’ with flashlights and the art work ‘My Mummy was beautiful’. At the opening the light of love sent by Yoko Ono didn’t get to the place that I needed it. Fortunately I took it home with me.” (*)

Bin zurück aus Köln – ich habe mir dort im Schnelldurchgang mal die Kunstmessen Art Cologne und Tease Art Fair angeschaut (beide laufen noch bis Sonntag). Fazit: 98% Langeweile – und vor allem kleinformatige Kunstmessen-Malerei, die man sich direkt unter den Arm klemmen kann. Art-to-go, quasi. Aber der Ausflug hat sich trotzdem gelohnt – die 2%, die nun folgen, waren es schon wert. Meine zwei liebsten Entdeckungen: das polnische, anonyme Künstlerkollektiv “The Krasnals” und der Aktionskünstler Heiko Beck – zu diesen beiden später noch mehr… Erste Entdeckung: Unendlich viele Schlösser entlang der Rheinbrücke in Richtung Messegelände. Mein erster Gedanke: Das ist auch eine Kunst-Installation. Aber nein, viel besser als Kunst: Das ist Liebe. Scheint so ein Kölner Brauch zu sein: Liebesschwur auf der Brücke, Schloss an das Gitter ketten und den Schlüssel dann in den Rhein werfen. Süß!

Malt am liebsten fratzenschneidende, händeschüttelnde Geschäftsmänner: Edward Wright

Groteske Gemälde und eine absurde Kinski-Skulptur beim Leipziger Laden für Nichts

Zeichnungen, Collagen und Fotografien von Grit Hachmeister

Immer wieder fantastisch: Die russische Künstlergruppe Blue Noses. Oben “Kitchen Suprematism”, 2005 – eine Anspielung auf Malewitschs Suprematismus – und unten “Suprematic gonfaloniers”, 2006.

Sehr schöne Bestandsaufnahme der deutschen Gesellschaft: Der Messestand “Junge Kunst aus Israel” mit Arbeiten von Zoya Cherkassky bei der Galerie Rosenfeld aus Tel Aviv.

Der russische Künstler Andrei Molodkin: Kuli-Zeichnung “Gazprom”, 2009 und “Yes we can”, 2008 – gefüllt mit russischem Rohöl

Das verrückteste Erlebnis: “Kiste Bier?” von dem deutschen Künstler und Professor an der Frankfurter Städelschule Tobias Rehberger aus dem Jahr 2009. Dabei klebt Uwe Lewitzky Kiste-Bier-Sticker bereits seit Jahren in und um Hamburg herum. Zufall? Absicht? Studiert Uwe jetzt bei Tobias in Frankfurt? Komisch – sagt mal Bescheid, wenn Ihr dazu mehr wisst. Wird das im Kunstbetrieb etwa so wie bei den Marketing- und Werbeagenturen?

Mark Thompson, “Immersion“, 1974-76: “Tauschen wollte aber wohl auch der gelassenste Stoiker nicht mit dem Mann, der in dem siebenminütigen Loop Immersion sein Gesicht, seinen Hals und seine Schultern als Landeplatz für einen Schwarm von unzähligen Bienen zur Verfügung stellt. Es ist der Künstler und Hobbyimker Mark Thompson selbst, der sich eine Bienenkönigin ins Haar gesteckt hat und dessen Haupt vom nachfolgenden Schwarm allmählich bevölkert wird. Zuletzt ist er von einer blickdichten und sirrenden Kettenhaube eingenommen und hebt sich wie in einer wehrhaften Rüstung vom blauen Sommerhimmel ab.” (*)

Und hier noch ein paar Eindrücke von der Tease Art Fair. Ein Ferrari aus Obstkisten: Raul Walch, Student der Bildhauerei, an der Kunsthochschule Weißensee.

Lutz Ellerbrock: “Wo die Reichen laichen” und “Spiegeleier mit Lava-Lampen-Syndrom”

Torsten Mühlbach: “Entneonazifierung. Thor Steinar entneonazifiziert”.

Giovanni und Rocco Pellettieri: Eine Wand voller Brüderzeichnungen – und hinter einem steht das Duo in Echt und beobachtet einen. Irgendwie unheimlich, irgendwie faszinierend.

Ein kopierter Chinese: Bageritz: “Das da ist RITZPOP”, aus der Serie “Mein Recht ist Dein Recht am eigenen Bild” (in unautorisierter Kollaboration mit Yue Minjun und Anonymus), 2009

Wunderbarer Schabernack im Stadtraum: Verfremdete Vogelhäuser in allen Variationen – ein sprayendes, ein fotografierendes, ein tutendes oder ein flammenwerfendes Vogelhaus und zahlreiche “überarbeitete” Stromkästen. Mein Favorit: “The Electric Inn. Find it. Share it. Somewhere in the streets of Stockholm there is an electric box which you can enter to stay warm and dry in. All you need to do is to find it and open it with a beer bottle. If you want to sleep somewhere else, just take it with you and hide it well. But remember: It’s for use in public spaces only.” Unbedingt mal reinschauen: “we are post. installing gadgets to send messages in public space. giving power to the people. converting static settings of your everyday life into buttons you are asked to press. creating little wonders and rumors for urban fairytales. we aren’t street art. we are post.” Via: Mail

Frankfurt: Playing the City

April 21st, 2009

Cezary Bodzianowski: “Olimpic games”, Performance, Lodz, Polen, 2007; Foto: M. Chojnicka

Cezary Bodzianowski: “Great Gatsby”, Center for Contemporary Art (CCA), Tel Aviv, 2009; Foto: Monika Chojnicka

Cezary Bodzianowski: “Serso”, Bremen, Gak, 2008; Foto: Monika Chojnicka

Elisabeth Wurst: “Spermüll-Performance”, 2008; Foto: Julian Weber

“Fluids” – eine Skulptur aus schmelzenden Eisblöcken: Allan Kaprow, “Fluids”, Basel 1967/2005; © Allan Kaprow Estate / Courtesy Hauser & Wirth Zürich, London / Foto: A. Burger

Spannendes Ausstellungsprojekt in Frankfurt (bis 6.Mai): “Playing the City ist der Versuch, den öffentlichen Raum als einen kollektiven, freien und gestaltbaren Raum zu öffnen. Rund 20 internationale Künstlerinnen und Künstler wie Ulf Aminde, Dara Friedman, Dora Garcia, Rirkrit Tiravanija und Sharon Hayes werden die Innenstadt Frankfurts zum Ort zahlreicher Aktivitäten und Situationen machen, die von Performances bis zu Guerillaaktionen reichen.”
Mehr dazu auch hier. Das Projekt ähnelt auch stark den Ausstellungen “Urban Play” in Amsterdam und “Actions: What You Can Do With The City” in Montreal.
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