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Berlin08 – Kurzes Fazit

“1. Draufstellen 2. Meinung äussern 3. Danke, Redefreiheit” – Diese kleinen Kästen, die an verschiedenen Stellen beim Berlin08-Festival aufgestellt wurden, haben mir am besten gefallen. Leider wurden sie viel zu wenig genutzt. Und dabei zeigte sich vor allem ein Problem: Wenn alle machen (es gab um die 600 Workshops und Podiumsdiskussionen), dann gibt es niemanden mehr, der zuhört. Trotzdem eine wichtige und gelungene Veranstaltung voller Pop und Politik – und ein besonders großes Lob und Dank gehört AT, der es immer wieder schafft, die subkulturellen Ränder (CCC, Stickeraward, Apfelfront, rebel:art etc.) zu integrieren!

Mein Berlin08-Vortrag zu “Neuen subversiven Strategien im Kampf gegen die hegemoniale Kultur” (Im Klartext: Mach kaputt, was dich kaputt macht. Nur wie?) konnte trotzdem rund 50 interessierte Zuhörer begeistern. Wer rebel:art fleissig verfolgt, kennt die Strategien und Akteure – neu war vor allem dieses kleine kleines Plädoyer: “Wir sind die ersten Sklaven, die ihre Sklaverei lieben. Das bedeutet hegemoniale Kultur. Wir alle sind so überzeugt, dass wir in “der besten aller möglichen Welten leben”, dass wir die Utopie gar nicht mehr sehen können. Diese subtile Herrschaft wird durch Schulen, Kirchen, Medien, Verbände vermittelt. Bloss nicht denken, bloss nicht aufstehen, einfach sitzen bleiben, wird schon alles gut werden. Das ist das Soma. Wir brauchen wieder mehr Choleriker! Rasend vor Wut. Blind vor Zorn! Alles ist so perwollkuschelweich, geschmeidig, konform und cool. Aber wo sind die Kinskis? Wo ist die Leidenschaft? Wo ist die Wut, wo der Zorn? Noch immer sind wir von sozialer Gerechtigkeit weit entfernt. Noch immer gibt es Menschen die an unsere Scheune schreiben: “All pigs are equal, but some are more equal!” Noch immer gibt es Orte in Deutschland, in denen die NPD über 25% der Stimmen erhält (Stichwort: Reinhardtsdorf-Schöna). Studiengebühren, Vorratsdatenspeicherung, Hartz4 und so weiter – Stück für Stück werden unsere Grundrechte immer stärker eingeschränkt – aber ich sehe wenige, die laut aufschreien. Dabei ist Zorn ein wunderbarer Antrieb.”

Stickma & die Gruppe Ideal & Stickeraward-Crew organisierte zum Festival eine mobile Sticker- und Siebdruckwerkstatt. Jeder konnte seine Entwürfe schnell realisieren und selbst drucken – und wie zu erwarten: der Andrang war gross und die Besucher begeistert. Unten: Der neueste subversive Streich (“Bitte für Akademiker freigeben”) aus der Ideal-Werkstatt.

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