Camp Kleister reloaded: Legales Adbusting – im November werden im Berliner U-Bahnhof Samariterstraße zwölf Plakate mit subversiven Botschaften bespielt – kuratiert von Stephan König. “Werbung ist heilig. Bereits das Grundgesetz weiß: Die Würde der Werbung ist unantastbar. Wer das nicht glaubt, kann in Artikel 36 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte nachlesen: “Jeder Mensch hat überall Anspruch auf Anerkennung als Kunde.” Und schon die Kleinsten lernen daheim am Abendbrottisch: Mit Werbung spielt man nicht! Schließlich gibt es noch immer genug nach Werbung hungernde Kinder in Afrika. Doch in Berlin-Friedrichshain sieht die Wirklichkeit anders aus: Mutig rufen das Designbüro graphical wellness unter Leitung von Stephan König in den Hinterhof der Kreativmetropole: “Darf die Werbung zum Spielen runter kommen?”

Im November darf sie: Dann nämlich wird im U-Bahnhof Samariterstraße mit zwöf Plakaten mal ordentlich für Dinge geworben, die der moderne Mensch wirklich braucht: Das innovative Print-Magazin “Prison Bride” beispielsweise. Für die Vorteile eine Lobotomie. Oder – grusel, grusel – für Robbenjagd als Adventure-Sport. Dumm daran: Nichts von all dem verweist auf einen erkennbaren Absender, auf dem U-Bahnhof findet sich kein Hinweis darauf, wer das Projekt gemacht hat und was es will. Es gibt keine Erklärung, dass man sich in einem Kunstprojekt befindet. Statt dessen stehen die Menschen vor Restbildern bekannter Werbeklischees und Werbewelten und müssen sehen, wie sie mit der Situation zurecht kommen.

Warum? Wir wollen erreichen, dass die Menschen zum einen durch die befreiten Bilder einen Vergleich zu herkömmlicher Werbung haben und verstehen, wie Werbung so funktioniert und was sie in ihren Köpfen bereits angerichtet hat. Zur Dokumentation des Projekts erscheint ein Katalog, der das Projekt und Reaktionen darauf darstellt. Ähnlich einem aktuellen Magazin werden aber auch andere Projekte und Künstler vorgestellt, die sich experimentell mit Werbung und Marken auseinander setzen. Eingeladene Künstler und Designer, die auch mit an dem Projekt teilnehmen sind unter anderem Jan Leube (Creative Director BBDO, Berlin), Andy Küchenmeister (Fotograf, Canon Award), Martin Zentner (Design Report, ehm. Chefredakteur und Artdirector). Damit Sie auch morgen noch kraftvoll zukucken können!” Via: Mail

5 Responses to “Berlin: “Eh Werbung, was ist los?””

  1. spanier Says:

    klingt gut sieht gut aus. nicht wie diese dämliche überplakative kampagne vom teuren turnschuh mitm stern vor ein paar wochen…

    http://www.flickr.com/photos/spanier/2870409380/

  2. JeZ Says:

    Ah, ich hab die Antwort gefunden was das eigentlich soll. Danke, dass ihr gerade meine U-bahnstation ausgewählt habt!

  3. janabanana Says:

    muss JeZ recht geben – hab mich heut mittag sehr gefreut und wollt garnicht in die ubahn steigen

  4. Schnecke Says:

    Hab sehr gelacht, schöne Aktion !!!

  5. jochen Says:

    Haha,

    hab auch gut gelacht. Wusste von der Aktion, aber habe beim reinsteppen in die UBahn zuerst gar nicht dran gedacht und war dann vom ersten Plakat ziemlich überrascht… Man denkt schon, häh? was ist das denn für Werbung.

    Dann machte es klick und ich hab mir alle weiteren Plakate angeschaut, echt gute Sachen dabei, hat mir gut gefallen ;) Finde man könnte öfter mal Plakate mit echtem Inhalt in der UBahn zeigen! nicht immer: “diese dämliche überplakative kampagne”

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