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Beate Passow: “Mode und Bewusstsein”

“Wer Beate Passow und ihre Arbeit etwas näher kennenlernt, weiß, daß in ihrem Humor viel Ernst und vor allem eine höchst sensible politische und soziale Haltung steckt. Beate Passow ist eine politische Künstlerin – aber keine Künstlerin der politischen Parolen und einfachen Bekenntnisse. Dazu ist sie zu subtil. Das machen schon die beiden gegenläufigen Reaktionen deutlich, die sie gerade mit den Fotos der Burka-Trägerinnen bei uns auslöst: Befremden und Erheiterung, Sorge und Lachen.

Und wenn Sie den Titel der Serie lesen, dann bleiben die Gefühle weiter ambivalent: “Mode und Bewußtsein” heißen die Fotos. Sich bunte Burkas als Mode, vielleicht als letzten Schrei einer multikulturell aufgeschlossenen Jugendkultur vorzustellen, läßt uns wieder schmunzeln – aber die Vokabel “Bewußtsein” erinnert daran, daß diejenigen, die Burkas tragen, das nicht tun, weil es modisch ist, sondern weil sie damit eine Gesinnung – eben ein religiöses Bewußtsein – zum Ausdruck bringen wollen – oder müssen. Und schon ist es mit der Heiterkeit wieder vorbei, und man denkt ebenso besorgt an die Unterdrückung der Frauen im Islam wie an fundamentalistische Tendenzen, die hier im Westen häufig, sicher zu Unrecht, mit der Verschleierung gleichgesetzt werden. Was man einerseits also als farbenfrohe Abwechslung, als bunt und bereichernd empfindet, weckt anderseits Mißtrauen – und Zweifel, ob wir nicht manchmal zu leichtfertig mit unserer Freiheit umgehen, ja ob wir uns nicht vielleicht etwas zu naiv für kulturelle Vielfalt begeistern. (…)

Wie bei den Burkas verdeckt der schöne Schein – hier: die bestickten Schuhe – also eine Unterdrückung der Frau – und wieder wählt Beate Passow für ihre Arbeit nicht den direkten Weg der Anklage oder der Schockfotos, sondern den indirekten der subtilen Inszenierung. Das führt einmal mehr dazu, daß der Betrachter in ein Wechselbad der Gefühle gerät und deshalb nicht so schnell von den Bildern loskommt – in der Erwartung, vielleicht doch noch eine eindeutige Lösung zu finden. Der Blick bleibt aber auch wegen der Art und Weise, wie Beate Passow ihre Sujets fotografiert, auf den Bildern haften: Die unerwarteten Milieus, die Details, ja der erzählerische Duktus der Fotos laden zu längerer Betrachtung ein, die dann auch fließend in Reflexion oder in ein Weiterdenken übergeht.” (Aus: Wolfgang Ullrich: Burkas) – Bis 23. September in der Galerie Erlangen.

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