Art Cologne 2009 & Tease Art Fair #3
April 25th, 2009

Bin zurück aus Köln – ich habe mir dort im Schnelldurchgang mal die Kunstmessen Art Cologne und Tease Art Fair angeschaut (beide laufen noch bis Sonntag). Fazit: 98% Langeweile – und vor allem kleinformatige Kunstmessen-Malerei, die man sich direkt unter den Arm klemmen kann. Art-to-go, quasi. Aber der Ausflug hat sich trotzdem gelohnt – die 2%, die nun folgen, waren es schon wert. Meine zwei liebsten Entdeckungen: das polnische, anonyme Künstlerkollektiv “The Krasnals” und der Aktionskünstler Heiko Beck – zu diesen beiden später noch mehr… Erste Entdeckung: Unendlich viele Schlösser entlang der Rheinbrücke in Richtung Messegelände. Mein erster Gedanke: Das ist auch eine Kunst-Installation. Aber nein, viel besser als Kunst: Das ist Liebe. Scheint so ein Kölner Brauch zu sein: Liebesschwur auf der Brücke, Schloss an das Gitter ketten und den Schlüssel dann in den Rhein werfen. Süß!
Malt am liebsten fratzenschneidende, händeschüttelnde Geschäftsmänner: Edward Wright
Groteske Gemälde und eine absurde Kinski-Skulptur beim Leipziger Laden für Nichts
Zeichnungen, Collagen und Fotografien von Grit Hachmeister
Immer wieder fantastisch: Die russische Künstlergruppe Blue Noses. Oben “Kitchen Suprematism”, 2005 – eine Anspielung auf Malewitschs Suprematismus – und unten “Suprematic gonfaloniers”, 2006.
Sehr schöne Bestandsaufnahme der deutschen Gesellschaft: Der Messestand “Junge Kunst aus Israel” mit Arbeiten von Zoya Cherkassky bei der Galerie Rosenfeld aus Tel Aviv.
Der russische Künstler Andrei Molodkin: Kuli-Zeichnung “Gazprom”, 2009 und “Yes we can”, 2008 – gefüllt mit russischem Rohöl
Das verrückteste Erlebnis: “Kiste Bier?” von dem deutschen Künstler und Professor an der Frankfurter Städelschule Tobias Rehberger aus dem Jahr 2009. Dabei klebt Uwe Lewitzky Kiste-Bier-Sticker bereits seit Jahren in und um Hamburg herum. Zufall? Absicht? Studiert Uwe jetzt bei Tobias in Frankfurt? Komisch – sagt mal Bescheid, wenn Ihr dazu mehr wisst. Wird das im Kunstbetrieb etwa so wie bei den Marketing- und Werbeagenturen?
Mark Thompson, “Immersion“, 1974-76: “Tauschen wollte aber wohl auch der gelassenste Stoiker nicht mit dem Mann, der in dem siebenminütigen Loop Immersion sein Gesicht, seinen Hals und seine Schultern als Landeplatz für einen Schwarm von unzähligen Bienen zur Verfügung stellt. Es ist der Künstler und Hobbyimker Mark Thompson selbst, der sich eine Bienenkönigin ins Haar gesteckt hat und dessen Haupt vom nachfolgenden Schwarm allmählich bevölkert wird. Zuletzt ist er von einer blickdichten und sirrenden Kettenhaube eingenommen und hebt sich wie in einer wehrhaften Rüstung vom blauen Sommerhimmel ab.” (*)
Und hier noch ein paar Eindrücke von der Tease Art Fair. Ein Ferrari aus Obstkisten: Raul Walch, Student der Bildhauerei, an der Kunsthochschule Weißensee.
Lutz Ellerbrock: “Wo die Reichen laichen” und “Spiegeleier mit Lava-Lampen-Syndrom”
Torsten Mühlbach: “Entneonazifierung. Thor Steinar entneonazifiziert”.
Giovanni und Rocco Pellettieri: Eine Wand voller Brüderzeichnungen – und hinter einem steht das Duo in Echt und beobachtet einen. Irgendwie unheimlich, irgendwie faszinierend.
Ein kopierter Chinese: Bageritz: “Das da ist RITZPOP”, aus der Serie “Mein Recht ist Dein Recht am eigenen Bild” (in unautorisierter Kollaboration mit Yue Minjun und Anonymus), 2009
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