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Alison Jackson: Fake-Promi-Bilder

 

 

Schöner Beitrag von Jean-Michel Berg für die Süddeutsche, über die Fake-Promi-Bilder von Alison Jackson. “Bekannt wurde Alison Jackson mit einer Fotografie, die Prinzessin Diana und Dodi Al-Fayed als stolze Eltern mit einem kleinen Mischlingskind zeigt, eine kitschige Schwarz-Weiß-Aufnahme, die an Bilder der Heiligen Familie mit dem Jesuskind erinnert. Diana und Dodi waren damals allerdings schon seit zwei Jahren tot, das Enthüllungsfoto keine Enthüllung, sondern offensichtlich eine Fälschung.

Dass Bilder lügen, wusste man schon vor Alison Jackson, den irritierenden Reiz solcher Fälschungen kannte man allerdings so nicht. Bilder sind für die englische Fotografin wahrer als die Wirklichkeit. So gilt ihr Interesse jenen ikonischen Figuren, die wir zwar nur aus den Massenmedien kennen, an deren Leben wir aber leichter teilhaben können als an dem unserer eigenen Verwandten: die königliche Familie etwa oder Paris Hilton. Jackson inszeniert Authentizität. Ihre Aufnahmen von Doppelgängern imitieren Paparazzibilder. Sie zeigen die angeblichen Prominenten aus der Distanz, die Sicht halb versperrt, so verschwommen manchmal, dass man die Person nur erahnt. Bildeigenschaften, die einen voyeuristischen Urtrieb anscheinend so stark ansprechen, dass kurzweilig das Gehirn aussetzt: Wenn das wahr wäre dabei zählt für Jackson nicht, was wahr ist, sondern was möglich, ja sogar, was nur im Gedankenspiel ertastbar ist. Sie dringt hinter die öffentlichen Bilder ins Private, zeigt die Queen beim Geschirrabwasch, Prince Charles und Camilla beim Aktzeichnen, Brad Pitt, wie er Angelina Jolie die Beine rasiert. Mal reproduziert sie Klischees und zeigt George W. Bush in herrlich gedankenlosen Posen oder wie er Tony Blair zu Pferd an der Leine führt. Dann bricht sie das Klischee und enttarnt den homophoben Rapper Eminem in rosa Spitzenhöschen oder die Prinzen William und Harry beim geselligen Bier mit Camilla. In den Essays von Will Self und Charles Glass, die diesem schönen Band angehängt sind, wird dazu eine recht harsche Medienschelte angestimmt, die Jackson als moralische Überinstanz erscheinen lässt. William Ewings kleine Geschichte der Prominentenfotografie erinnert aber daran, dass alles so schon dagewesen ist und steht Alison Jackson damit wohl näher, auch wenn sie den Betrachter bloßstellt. Sie nimmt sich dabei nicht aus. Wie sie sich in prominente Figuren hineindenkt und Geschichten hinter den Masken des Ruhms erfindet, zeugt von Neugierde und einer geradezu obsessiven Lust am Fabulieren. Und ja, es interessiert zu sehen wie Paris Hilton in Anstaltskleidung den Gefängnishof fegt, bevor sie sich von ihren Zellengenossinnen die Nägel maniküren lässt.” Mehr über Jackson auf ihrem Fake-Blog: AJ NEWS oder in ihrem neuen Buch “Confidential. Mit Essays von Will Self, Charles Glass und William Ewing”, Taschen, Köln 2007. Via: inicios

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