Der
französisch-peruanische Künstler und Politikwissenschaftler
Jota Castro ist zur Zeit einer der aktivsten und interessantesten
Künstler, die einen neuen politischen Aktivismus propagieren.
Ob in Paris, Berlin oder NewYork - Castro ist überall und
vermischt auf radikalste Weise Kunst und politischen Engagement.
Jota
Castro wurde in Péru geboren. Er lebte in Südamerika,
in Haïti, in den USA, in Nordirland, in Spanien, Frankreich
und Belgien. Zur Zeit lebt er wieder in Frankreich, nachdem
er den Preis "Casa de las Americas" und den peruanischen
Preis für Nachwuchsliteratur für sein schriftstellerisches
Schaffen erhielt. Als ehemaliger Student des Collège
d'Europe de Bruges hat er ein Diplom in Politikwissenschaft
und nach einigen Jobs bei der UNO bereitet er zur Zeit seine
Doktorarbeit über Politik und Kunst vor.
Castro:
"Ich in einem Satz"
"Jota,
das bin ich, der Sohn einer Frau, die die Tochter eines Hurensohns
und Gentleman der 3.Welt ist, ich litt an der Verneinung als
ich klein war und ich hörte auf zu reden, als ich fünf
Jahre alt war, ich war Soldat, ich machte Sport, ich studierte,
ich reiste viel, ich schrieb ein Buch - kein gutes - ich traf
meine Frau in Madrid, ich heiratete sie in Belfast, ich verlor
sie beinahe, ich verlor sie beinahe, ich kam auf meine Träume
zurück, es macht mich lachen, dass Freud Kokain so sehr
mochte wie ich, ich habe Kreuzschmerzen, aber ich pflege mich,
ich habe von einer Bestimmung geträumt, also habe ich eine,
ich liebe Sex so wie ich das Leben liebe, ich wurde gefoltert
und ich leide noch, ich war reich und mochte es nicht, ich war
arm und mochte es nicht, ich weiss nicht wo ich sterben werde,
ich habe keine Kinder, ich habe keine Muttersprache, ich wurde
Künstler, weil ich nicht mehr lügen konnte, ich habe
schon immer gerne Poesie geschrieben, ich habe eine Frau verloren,
die ich liebte, mein Vater starb und ich konnte ihn nicht wiedersehen,
ich habe seit 20 Jahren meine Mutter nicht mehr gesehen, manchmal
fühle ich mich einsam, ich bin verrückt nach Fussball,
als ich klein war, war mein Lebensmotto "Lieber sterben,
als fischen", manchmal nennen mich einige Freunde el hijo
del sol, ich bin weiter als meine Phantasie es ermöglicht
gereist, ich war in Berlin als die Mauer fiel, ich war in Moskau
zur Zeit der Perestroïka, Mathematik beruhigt mich, einmal
habe ich von einem Stern, der gehen kann, geträumt, jeden
Tag lese ich "l'Équipe", ich liebe den Regen,
wenn ich zuhause bin, ich habe einen kleinen mongolischen Bruder,
der Fidel heisst, ich liebe Cy Twombly, in Schottland fühle
ich mich zuhause, in Italien fühle ich mich zuhause, ich
habe Pelé und Maradona spielen gesehen, die Treppen in
meinem Haus habe ich orange gestrichen, ich bin von dem low
pad - Sessel Morissons fasziniert, ich bin nicht weiss, ich
fühle mich schuldig, ich bin im Amazonas geboren worden."
(Selbstportrait Jota Castro)
Auswahl
einiger Arbeiten:
"Survival
kit for refugees and illegal travellers" - Eine Plastikbox,
gefüllt mit Verbandszeug, Klebebändern, Tabletten,
Pinzetten, Scheren etc. "Aufgrund der Gesetzeslage ist
es sehr schwer, legal nach Europa zu gelangen. Also machte ich
500 Koffer mit Produkten, die einer Person bei der illegalen
Einreise helfen können, zu überleben. Zum Beispiel,
um im Tunnel unter dem Ärmelkanal, wo Luft fehlt, besser
atmen zu können, oder Desinfektionsmittel." 497 von
diesen Plastikboxen verteilte Castro dann an der marokkanischen
Küste und vor dem Eurotunnel an MigranInnen. Diese Survival
kits waren also nicht nur Kunstobjekt, sondern konkrete, praktische
Hilfe für die Flüchtlinge.
"LoveHotel" - Für 50 Nächte und
50 Tage hat Castro im Juni 2003 ein Zimmer im 5.Stock einer
Pariser Galerie gemietet und als Liebeszimmer eingerichtet.
Ausgeschmückt ist dieses mit einem grossen runden Bett,
blutrotem Teppich, Fetischbüchern, SM-Videos und allerlei
Sexspielzeug. Tagsüber ist dieses Zimmer frei zugänglich
und nachts kann es für 230 Euro gemietet werden. Castro
hat alle nachtlichen Besucher dazu eingeladen interaktiv in
das Kunstprojekt einzugreifen und eine Spur auf Video, Tonband
oder schriftlich zu hinterlassen.